Freitag, 17. Mai 2013

Excuse me, Viktor hat er nicht zu sagen!

Heute gucken wir mal ein bisschen Youtube.

Die meistbeachtete Szene der laufenden Tenniswoche ist diese hier:


In diesem Moment ist der Clip bereit 260.000 Mal angeklickt. Viktor Troicki (Serbien, Nr. 42) ist in seinem Zweitrundenmatch beim Masters in Rom der Ansicht, ein Ball, den sein Gegner Ernests Gulbis (Lettland, Nr. 46) geschlagen hat, sei im Aus gewesen. Troicki macht großen Theater und nötigt am Ende einen Kameramann, den Abdruck des Balls im Sand in Großaufnahme zu filmen. Meines Erachtens sieht man in dieser Einstellung, dass der Ball tatsächlich im Aus war, aber um ganz sicher zu gehen, hätte der Kameramann noch näher heranzoomen müssen.

Troicki hat das Match zu Ende gespielt (und 1:6, 1:6 verloren). Weil man zwischenzeitlich den Eindruck gewinnen konnte, Troicki könnte einfach seine Sachen packen und nach Hause gehen, erinnerte ich mich spontan an Daniel Brands (inzwischen die Nr. 56) und dass ich dringend mal darüber schreiben muss, wie gut sich der Kerl in dieser Saison schlägt.

Brands nämlich verdankt seinen bisher größten Erfolg - das Achtelfinale von Wimbledon 2010 - einer Szene, die zwar im Youtube-Clip weniger dramatisch aussieht als die von Troicki, aber eigentlich viel spektakulärer war: Sein Drittrundengegner in Wimbledon, der vor dem Match favorisierte Rumäne Victor Hanescu (noch ein Victor, der seinem Namen keine Ehre macht...), war mit seinem Spiel extrem unzufrieden, spuckte in Richtung Publikum, schlug anscheinend absichtlich Doppelfehler und tat das, was Troicki sich verkniff: Er ging beim Stand von 0:3 im fünften Satz einfach nach Hause. Immerhin verabschiede er sich noch mit Handschlag:

Nicht zu einem Handschlag, sondern zu einem Würgegriff - das war aus nicht gänzlich erklärbaren Gründen meine nächste Assoziation - kam es in einem österreichischen Ligamatch 2011 zwischen Stefan Koubek (ehemals Nr. 20 der Welt) und dem inzwischen lebenslang gesperrten Daniel Köllerer. Der, der hier zum Würgegriff ansetzt, ist übrigens nicht Köllerer:


Erstaunlich, dass die wildesten Ausraster noch immer John McEnroe zugeschrieben werden. Seine sind zweifellos die elegantesten. Aber wild? Man beachte, wie er sich vor seiner Tirade mit einem höflichen "Excuse me" beim Stuhlschiedsrichter erkundigt, ob er korrekt verstanden hat, bevor der dann seinem Unmut im lehrbuchhaften Englisch eines Advokatensohnes von der amerikanischen Ostküste Ausdruck verleiht:


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