Donnerstag, 25. April 2013

Nadal in Paris an 5 gesetzt - geht das gut?

Zu den aberwitzigen Details, die es sich über den Tenniszirkus zu wissen lohnt, gehört dieses: Wimbledon ist das einzige Turnier, dessen Setzliste für die Auslosung sich nicht ausschließlich nach der aktuellen Weltrangliste richtet. Der All England Lawn Tennis and Croquet Club erstellt eine eigene Setzrangliste. Nach einen festgelegten Schlüssel werden Ergebnisse von Rasenturnieren besonders hoch gewichtet.

Weitgehend unnütz war es bisher zu wissen, dass nicht nur Wimbledon das Sonderrecht hat, für die Setzliste von der Weltrangliste abzuweichen, sondern dass die anderen drei Grand-Slam-Turniere dieses Recht ebenfalls haben. Soweit ich zurückdenken kann - und das ist immerhin bis in die zweite Hälfte der Achtziger - ist es bei den Australian Open, den French Open und den US Open nie vorgekommen, dass die Veranstalter dieses Recht in Anspruch genommen hätten. (Kläre mich jemand auf, falls ich mich irre. Dafür hat der liebe Gott ja den aufmerksamen Leser erfunden.)

Aber nun kommen die French Open näher, und es zeichnet sich ab, dass Rafael Nadal bis dahin noch immer auf dem Weltranglistenplatz stehen wird, auf dem er in dieser Woche steht: auf dem fünften. Dorthin ist er in den sieben Monaten, die er seit dem vergangenen Sommer verletzt war, abgerutscht. Die Ergebnisse der letzten Wochen lassen hingegen kaum Zweifel daran, dass er tatsächlich längst wieder der zweitbeste Tennisspieler der Welt nach Novak Djokovic ist. Würde Nadal bei den French Open an Nummer 5 gesetzt, dann würde er bereits im Viertelfinale auf Djokovic treffen können - mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent. Das Endspiel fände zwei Runden zu früh statt. Wenn wir außerdem annehmen, dass Roger Federer in der übernächsten Woche seinen Masters-Titel von Madrid nicht verteidigt und in der Rangliste dadurch vom frisch zurückeroberten zweiten Platz wieder hinter Andy Murray auf den dritten zurückfällt, dann könnte der Sieger aus dem Viertelfinale zwischen Djokovic und Nadal im Halbfinale auf Federer treffen, während im anderen Halbfinale irgendwelche No-Names freie Bahn in Richtung Endspiel haben. Denn Andy Murray ist ja nun kein Sandplatzgott, und David Ferrer, die Nummer 4, hat bei Grand-Slam-Turnieren noch nie Bäume ausgerissen.

Es könnte also sein, dass die Franzosen, um das Traumfinale nicht zu gefährden, ausnahmsweise in die Setzliste eingreifen. In der französischen Sportzeitung L'Equipe hat Guy Forget, der dem French-Open-Organisationskomitee angehört, über diese Möglichkeit sinniert.

Nebenbei bemerkt: Das Schöne an dieser Nachricht ist, dass es Forget offenbar nicht in den Sinn kommt, einfach bei der Auslosung zu schummeln, wie es insbesondere bei den US Open üblich zu sein scheint.

Aber vielleicht erkennt man in Paris ja auch, dass es doch mal ganz nett wäre, wenn endlich mal wieder jemand Neues die Chance auf ein Grand-Slam-Finale hat, lässt die Setzliste, wie sie ist, und dem Schicksal der Auslosung seinen Lauf.


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