Donnerstag, 4. April 2013

Bloß nicht die Australier

Es ist wieder Davis-Cup. Morgen geht es los. In Deutschland hört man davon fast nichts, weil unsere Leute nicht mitspielen. Nachdem Deutschland in der ersten Runde der Weltgruppe ausgeschieden ist, geht es erst im Herbst weiter. Jetzt sind die Viertelfinals dran und - das ist aus deutscher Sicht besonders interessant - die Zweite Liga. Da entscheidet sich, wer in den Lostopf kommt, aus dem der Relegationsgegner gezogen wird, gegen den Deutschland um den Klassenerhalt kämpfen wird. Es sind ein paar Länder im Rennen, die nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind. Besonders gefährlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland auswärts antreten muss, ist deutlich größer als die, dass es ein Heimspiel wird.

Bekanntlich haben ja zwei Länder, die gegeneinander spielen, immer abwechselnd Heimrecht. Letztes Jahr spielte Deutschland zu Hause gegen Australien. Sollte Deutschland nun wieder gegen Australien spielen, hätten also die Australier Heimrecht.

Unter den 16 möglichen Relegationsgegnern befinden sich acht, gegen die Deutschland beim nächsten Mal auswärts dran ist und nur zwei, gegen die es beim nächsten Mal ein Heimspiel gibt. Gegen die übrigen sechs hat Deutschland entweder noch nie oder zuletzt vor 1970 gespielt. In diesen Fällen entscheidet das Los.

Die möglichen Auswärtsgegner sind Ecuador, Südkorea, Großbritannien, Südafrika, Rumänien, Holland und Schweden. Die beiden möglichen Heimgegner sind Russland und Polen. Gelost wird bei Chile, Kolumbien, Uruguay, Usbekistan, Japan und der Ukraine.

Das sind alles Länder, die an diesem Wochenende in der Endrunde der Zweiten Liga im Rennen sind. Theoretisch können in der Relegationsrunde auch zwei Länder, die beide in der ersten Runde der Weltgruppe verloren haben, gegeneinander gelost werden. Wenn ich es richtig überblicke, wird das diesmal aber nicht geschehen, denn es gibt eine Setzliste auf Basis einer Davis-Cup-Länderrangliste, die wiederum auf den Ergebnissen der vergangenen Jahre basiert, und auf dieser Setzliste dürften diesmal ausschließlich die acht Erstrundenverlierer aus der Weltgruppe stehen. Horrorgegner wie Spanien oder die Schweiz werden den Deutschen also erspart bleiben.

Da können wir beruhigt einen Blick auf die Zweitliga-Begegnungen werfen und schauen, was auf uns zukommt.

AMERIKA-GRUPPE

Ecuador - Chile
Die Ecuadorianer hatten mal Weltklasseleute wie Andres Gomez oder Nicolas Lapentti. Das ist lange her. Die Chilenen hatten mal Nicolas Massú und Fernando Gonzalez. Das ist auch lange her.Massú, inzwischen 33 Jahre, fährt noch immer zu jedem Challenger, das ihm eine Wild Card anbietet und steht derzeit auf Weltranglistenplatz 569. Für den Davis-Cup ist er nicht mehr nominiert. Der aktuelle chilenische Spitzenmann ist Paul Capdeville (Nr. 155). Die ecuadorianische Nummer 1 heißt Julio-Cesar Campozano  (Nr. 197). Wer immer gewinnt, sollte für Deutschland kein Problem sein, auch nicht auswärts.

Kolumbien - Uruguay
Keine Chance für die Urus. Die haben nur einen einzigen Spieler in den Top 1000 (Marcel Felder, Nr. 522). Die Kolumbianer hingegen haben sich in den vergangenen Jahren zu einer respektablen Tennisnation entwickelt. Sollte Deutschland doppelt Lospech haben und erstens gegen Kolumbien und zweitens auswärts antreten müssen, werden unsere nervenschwachen Helden gegen Alejandro Falla (Nr. 65) und Santiago Giraldo (Nr. 77) in arge Nöte geraten. Da hilft dann nur eins: Tommy Haas muss zurückkehren ins Team.

ASIEN-OZEANIEN-GRUPPE

Usbekistan - Australien
Die Usbeken sind mit Denis Istomin (Nr. 46) und Farrukh Dustov (Nr. 216) zu Hause nicht völlig chancenlos, aber Australien hat ein bärenstarkes Team, stärker als letztes Jahr, als die Deutschen das Relegationsspiel in Hamburg gewannen. Lleyton Hewitt (Nr. 83) kann mehr, als er in Hamburg gezeigt hat. Der zwischenzeitlich suspendierte Jungstar Bernard Tomic (Nr. 43) dürfte tendenziell immer stärker werden, und auch die derzeitige australische Nummer 2, Marinko Matosevic (Nr. 50) hat inzwischen Gnade bei Teamkapitän Patrick Rafter gefunden. Australien gegen Deutschland, das wäre ein heißer Kampf in der Relegation, egal ob mit oder ohne Haas.

Japan - Südkorea
Gegen das koreanische No-Name-Team spielen die Japaner ohne ihren Star Kei Nishikori (Nr. 15). Mit Go Soeda (Nr. 86) und Tatsuma Ito (Nr. 101) werden sie auch so locker gewinnen. Wenn im Herbst Nishikori ins Team zurückkehren sollte, wäre Japan ein schwerer Gegner, aber ein schlagbarer.

EUROPA-AFRIKA-ZONE

Großbritannien - Russland
Andy Murray (Nr. 2) spielt normalerweise kein Davis-Cup. Diesmal auch nicht. Mangels guter Mitspieler hätte er ohnehin kaum Chance, in diesem Wettbewerb große Meriten zu verdienen. Auch die besten Russen Michail Juschni und Nikolai Dawidenko sind nicht dabei. Und obwohl ein Großteil der zweiten Garde sich nach Kasachstan hat einbürgern lassen und erste Liga spielt, bleiben für das russische Davis-Cup-Team respektable Namen wie Dimitri Tursunow (Nr. 67) und Jewgeni Donskoi (Nr. 80). Im Heimspiel gegen Russland wäre Deutschland dennoch klarer Favorit. Wenn Juschni und Dawidenko doch wieder mitspielen wollen, könnte es freilich etwas enger werden.

Polen - Südafrika
Mit Südafrika (bester Mann: Rik de Voest, Nr. 227), brauchen wir uns nicht lange aufzuhalten. Ein Heimspiel Deutschland gegen Polen wird eng, wenn Jerzy Janowicz (Nr. 24) ein gutes Wochenende erwischt und seine beiden Einzel gewinnt. Denn das routinierte Doppel aus Mariusz Fyrstenberg und Marcin Matkowski (Nr. 18 und 19 der Doppel-Weltrangliste) schlägt sich ja auch nicht von selbst.

Rumänien - Niederlande
Die Spitzenspieler aus beiden Länder, Victor Hanescu (Nr. 58) und Robin Haase (Nr. 52) liegen ziemlich gleichauf, und das gilt auch für den Rest der beiden Mannschaften. Beide hätten gegen Deutschland Heimrecht und wären fast so gefährlich wie die oben erwähnten Kolumbianer. Aber nur fast. Einfach weil ein Auswärtsspiel in Europa sich nicht ganz so auswärts anfühlt wie eines in Lateinamerika. Obwohl: Bei Rumänien bin ich mir in dieser Hinsicht nicht so sicher.

Ukraine - Schweden
Man muss es immer wieder erwähnen, weil die Jahrzehnte lange Konditionierung eine andere ist: Vor den Schweden braucht keiner mehr Angst zu haben. Oder hat schon mal jemand von Markus Eriksson (Nr. 642) oder Isak Arvidsson (Nr. 675) gehört? Es soll in Schweden sogar Leute geben, die dafür sind, den 47-jährigen Stefan Edberg zu reaktivieren, weil der vermutlich immer noch stärker sei als diese beiden. Blicken wir also auf die Ukraine mit Alexander Dolgopolov (Nr. 22) und Sergiy Stakhovsky. Aus deutscher Sicht tät ich sagen: Vorsichtshalber kein Auswärtsspiel. Aber das würde in diesem Fall das Los entscheiden.

UPDATE AM MONTAG:
Was ich nicht bedacht habe, ist dies: Die Setzliste dür die Auslosung (am Mittwochmittag) basiert auf der aktualisierten Davis-Cup-Rangliste, in der die Ergebnisse von diesem Wochenende mit einfließen. Die Australier und die Japaner haben es mit ihren Siegen auf diese Setzliste geschafft. Brasilien und Israel sind rausgerutscht. Gegen Brasilien, den schwereren dieser beiden Gegner, würde Deutschland zu Hause antreten, gegen Israel auswärts. Brasilien schlägt man, indem man in eine Halle mit schnellen Hartplatz geht. Israel schlägt man vermutlich sowieso.


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