Donnerstag, 18. April 2013

Baden-Württemberg wird noch grüner

Ist ja klar, dass wenn ein Bundesland einen grünen Ministerpräsidenten hat und seine Landeshauptstadt einen grünen Oberbürgermeister, dass dann das ATP-Turnier dieser Landeshauptstadt auch auf einem grünen Untergrund ausgetragen wird.

Aber genug gekalauert. Wenn ich an die gelegentlichen Berichte über Graspflege in Wimbledon denke, glaube ich nicht, dass Rasentennis mit ökologischer Nachhaltigkeit viel zu tun hat. Dass in Stuttgart ab 2015 auf Gras aufgeschlagen wird, das haben andere Leute eingefädelt als Winfried Kretschmann und Fritz Kuhn. Seit letzter Woche ist es offiziell: Das traditionsreiche Weissenhof-Turnier findet nicht mehr nach Wimbledon als Start in die kleine mitteleuropäische Hochsommer-Sandplatzsaison statt. Es steht künftig am Beginn der Rasensaison, die länger als bisher dauert. Zwischen den French Open und Wimbledon liegen dann drei Wochen und nicht mehr zwei.

Bisher begannen ja die beiden einzigen hochklassigen Vorbereitungsturniere vor Wimbledon gleich am Tag nach dem Endspiel von Roland Garros. In Halle/Westfalen und im Londoner Queen's Club hatte man daher stets das Problem, dass die größten Stars kurzfristig absagten, früh ausschieden oder sich gar nicht erst anmeldeten, weil sie nach dem Finale in Paris ein paar Tage Pause brauchten. Nun wird zwischen Paris und Halle eine ganze Woche liegen. Und in dieser Woche kann, wer mag, auf dem grünen Rasen von Stuttgart spielen. Turnierdirektor Edwin Weindorfer gibt sich zuversichtlich, dafür zwei Top-5-Spieler und insgesamt fünf Top-10-Spieler begeistern zu können. Das wird wohl etwas zu optimistisch sein. Leute wie Roger Federer (wenn er 2015 noch spielt), Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Andy Murray werden wohl die Chance, nach den French Open zu regenerieren, bis sie dann wie gehabt nach Halle oder London fahren, gern ergreifen. Vielleicht wird das Teilnehmerfeld in Stuttgart gar nicht wesentlich stärker, als es schon jetzt ist. Das Publikumsinteresse wird trotzdem steigen. Einfach weil die deutschen Spieler häufiger gewinnen werden als bisher. Man sehe sich nur einmal die Endspiele in Halle in den letzten Jahren an: Da schlug Tommy Haas Roger Federer. Da spielten Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner gegeneinander. Davor schlug Tommy Haas mal Novak Djokovic. Nicolas Kiefer stand mehrmals im Finale, und einmal gewann er es auch - ebenso wie David Prinosil. Rasentennis können die Deutschen einfach. Das wird nicht nur daran liegen, dass sie alle Boris nacheifern, sondern auch am schlechten Wetter. Die Spieler sind auf schnellen Teppichböden in den Tennishallen der deutschen Gewerbegebiete aufgewachsen, wo die Bälle ähnlich flach abspringen wie auf Gras. Das jedenfalls ist die These, mit der ich das Phänomen zu erklären geneigt bin. Auf echtem Rasen spielt man im deutschen Alltag sonst ja eher selten.


Kommentare:

Chris hat gesagt…

Ich hätte da mal ne Frage zur Weltrangliste. Da Jan-Lennart Struff ja heute als Lucky Looser in Barcelona in der ersten Runde ausgeschieden ist, müssten ihm doch eigentlich 4 Punkte aus der Qualifikation gutgeschrieben werden, die auf jeden Fall fix als einer der 18 Werte für dieses Jahr zählen!? Das wäre ja eine ziemliche Bestrafung....

Zack hat gesagt…

Die Punkte zählen nicht fix für die ersten 18. Barcelona ist ja kein Masters, sondenr nur ein 500er-Turnier.

Wenn es ein Masters wäre, würde er als Lucky Loser immerhin 22 Punkte kriegen. (10 für die Teilnahme, 12 für das Erreichen des Quali-Finales).

Chris hat gesagt…

Also zählen nur die Masters Turniere als fixe Werte und die 500er ganz normal wie 250er oder Challenger, die besten Ergebnisse zählen...?

Zack hat gesagt…

Genau. Für die 500er-Turniere gibt es nur eine Sonderregel für Spieler, die am Ende des Vorjahres unter den Top 30 standen (Commitment Players). Die müssen möglichst viele 500er-Turniere spielen, weil für sie i.d.R. vier 500er-Ergebnisse ins Ranking einfließen und nur zwei 250er-Ergebnisse.

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