Donnerstag, 7. März 2013

Wo Stich ist, da sind die Querelen nicht weit

Okay, die Überschrift mag etwas ungerecht sein. Aber das ist ja das Vorrecht des Bloggers, dass er einfach seine spontane Meinung hinausposaunen darf. Als ich heute las, dass der Deutsche Tennisbund (DTB) seine Pläne begraben hat, das Turnier am Hamburger Rothenbaum zu einem Rasenturnier zu machen und für das Scheitern Michael Stich die Schuld in die Schuhe schob, da kam mir der Gedanke mit den Querelen, die sich im Stich herum ereignen, und zwar schon seit der Zeit, als er sich gern Scharmützel mit Boris Becker lieferte.

Aber jetzt erst einmal ein paar Sachinformationen. Wie bereit im vergangenen Sommer erwähnt, ändert der Tenniszirkus ab 2015 ein wichtiges Detail in seinem jährlichen Terminkalener: Wimbledon findet fürderhin eine Woche später statt. Zwischen den French Open und Wimbledon sind dann drei Wochen Zeit statt bisher zwei. Statt zwei Vorbereitungsturnieren auf Rasen kann der gemeine Tennisprofi dann drei spielen, wenn er möchte. Mehrere Veranstalter traditionsreicher mitteleuropäischer Sandplatzturniere witterten die große Chance. Bisher liegen sie im Kalender etwas unglücklich zwischen Wimbledon und den US Open. Stars kommen da nur selten, denn sie bereiten sich im Juli lieber auf den amerikanischen Hartplätzen aufs nächste Grand-Slam-Turnier vor.

Nachvollziehbar, dass auch der DTB mit seinem größten ATP-Turnier versuchte, in die Rasensaison reinzukommen. Michael Stich mit seiner Firma HSE ist zwar derzeit der Ausrichter und dafür einen Vertrag, der noch ein paar Jahre läuft, aber das Turnier gehört nach wie vor dem DTB. Beide Seiten hätten sich also irgendwie einigen müssen. Und das scheint nicht geklappt zu haben, was angesichts der Tatsache, dass die ATP schon in zwei Wochen entscheiden will, wer das zusätzliche Rasenturnier bekommt, etwas ungünstig ist. Bisher hieß es, Stich habe schon im vergangenen Jahr versucht, das Turnier auf Rasen auszutragen - weil es kurz vor den Olympischen Spielen in London stattfand, wo man ebenfalls auf Rasen spielte, nämlich dem von Wimbledon. Dass Stich grundsätzlich etwas gegen Rasen hat, scheint wenig plausibel. Worüber genau er sich mit dem DTB nicht einig wurde, weiß ich nicht und scheint auch sonst keiner zu wissen, der darüber öffentlich zu sprechen bereit wäre.

Jetzt hat wohl der Stuttgarter Weissenhof ganz gute Aussichten, seinen Sand gegen Gras austauschen zu dürfen. Mit dem Turnier - das ist ein Vorteil - hat weder der DTB noch Michael Stich irgendwas zu tun.

Um zum Schluss wenigstens ein bisschen gerechter zu werden: Würde Hamburg in den Zeitraum vor Wimbledon, wechseln, hinge damit noch ein anderes Problem zusammen, das Stuttgart nicht hat: Hamburg ist ein 500er-Turnier und damit eine Kategorie größer als Stuttgart und auch als die beiden bisher wichtigsten Wimbledon-Vorbereitungs-Turniere in Halle/Westfalen und im Londoner Queen's Club. Würde Hamburg beim Wechsel im Kalender den 500er-Status behalten, wäre es plötzlich - formal - der Platzhirsch. Das würde freilich nicht bedeuten, dass plötzlich Roger Federer und Rafael Nadal nicht mehr in Halle und Andy Murray nicht mehr im Queen's Club spielen würden. Diese Turniere haben schließlich beste Connections und teilweise langfristige Verträge mit den Stars. Hamburg könnte trotz höherem Preisgeld und doppelt so vielen Weltranglistenpunkten die zweite Geige spielen...

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Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de