Donnerstag, 28. Februar 2013

Loblied auf Daniel Brands

Mein letzter Daniel-Brands-Artikel ist mehr als anderthalb Jahre her. Damals befand sich der gute Mann am Ende einer sehr langen Durststrecke. Im ersten Halbjahr 2011 hatte er - Wimbledon-Achtelfinalist des Vorjahres - fast nur verloren. Von Platz 66 der Weltrangliste ging es hinab bis auf Platz 220. Das war wohl eine Psycho-Kiste damals.

Lange her, das alles. Daniel Brands (25) ist zwar noch nicht wieder auf Platz 66, aber wenn er so weitermacht wie seit dem vergangenen August, dann wird er bald sogar noch besser platziert sein. In dieser Woche hat er beim 500er-Turnier in Dubai als Qualifikant das Viertelfinale erreicht. Das bringt ihn am kommenden Montag immerhin schon mal wieder ungefähr auf Platz 80. Dass er bisher immer noch um Platz 100 rumgekrebst ist, hat viel mit Lospech und vielleicht mit mangelnder Abgebrühtheit gegen große Gegner zu tun.

Mindestens seit August hat Daniel Brands mit nur wenigen Ausnahmen immer richtig stark gespielt. Bei den US Open überstand er erst die Qualifikation, kam dann in die zweite Runde und verlor dort mit 5:7 im fünften Satz gegen den Weltranglisten-13. Marin Cilic aus Kroatien. Bei zwei folgenden Challengern in Orleans (Frankreich) und Mons (Belgien) verlor er zwar früh und glatt, aber beide Male gegen Gegner, die wenig später auf der großen Bühne für Furore sorgten: Roberto Bautista-Agut (Spanien) als Finalist des 250er-Turniers von Chennai (Indien) und Jerzy Janowicz (Polen) in Paris-Bercy als erster Masters-Finalist überhaupt aus der Generation der in den 1990er Jahren Geborenen.

Beim ATP-Turnier in Wien schaffte Daniel Brands wiederum die Qualifikation kam in die zweite Runde. Dort verlor er gegen die Nummer 8 der Welt, Juan Martin del Potro  in drei engen Tiebreaks mit 7:6, 6:7, 6:7.  Brands schlug 32 Asse, del Potro 30. "Seitdem die ATP 1991 angefangen hat die Matches statistisch zu erfassen, war dieses Match das erste, in dem beide Spieler in einem Best-of-3-Match über 30 Asse serviert haben", schrieb Brands danach auf seiner Internet-Seite. Kurz vor Ende der Saison gewann er dann wenigstens das Challenger-Turnier im fränkischen Eckental.

2013 fing auch gleich sehr gut an: Halbfinale beim 250er-Turnier in Katar, wo er dann in zwei knappen Sätzen gegen die Nummer 10 der Welt, Richard Gasquet, verlor. Dass er dann bei den Australian Open die Quali schaffte, war schon fast eine Selbstverständlichkeit. In Runde 2 verlor er wieder mal in sehr knappen Sätzen - diesmal gegen Australiens Super-Hoffnung Bernard Tomic. Natürlich schaffte er auch beim 500er-Turniern in Rotterdam die Quali (und verlor dann 6:7, 4:6 gegen die Nummer 14 der Welt, Gilles Simon). Er hat in diesem Jahr bisher vier Turniere gespielt, musste vier Mal in die Qualifikation und hat diese Qualifikation vier Mal überstanden.

Und diese Woche also das Viertelfinale von Dubai. Die Revanche gegen del Potro ging dort heute zwar etwas in die Hose (4:6, 2:6), aber das ändert nichts daran, dass Daniel Brands im Moment zumindest der drittbeste deutsche Spieler nach Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber sein dürfte. Das Potenzial dazu hatte er schon lange. Dass er ein Klasse-Aufschläger ist, das ist bei seinen 1,96 Meter schon fast selbstverständlich. Was mich aber immer wieder beeindruckt, wenn ich ihn spielen sehe, ist, wie leicht er trotz seiner Größe auch die ganz flachen Bälle spielen kann. Davon gibt es hoffentlich bald mehr auf den großen Turnieren zu sehen, ohne dass der große Mann ständig durch die Qualifikation muss.

Hier die Ergebnisse aus Dubai

Und hier das ATP-Profil von Daniel Brands

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