Donnerstag, 7. Februar 2013

Juhu, Rafa ist wieder da

Ein paar Minuten lang sah es so aus, als hätten die Unken Recht mit ihren Rufen, die besagten, Rafael Nadal werde nie wieder der sein, der er einmal war. Gestern bestritt die einstige Nummer 1 ihr erstes Einzelmatch seit acht Monaten, seit der epochalen Zweitrundenniederlage in Wimbledon gegen den Tschechen Lukas Rosol.

Nadal nimmt an einem Turnier teil, dessen Veranstalter noch vor kurzem nicht im Traum daran gedacht haben, einen Star wie ihn anlocken zu können. Es ist das unscheinbare 250er-Sandplatzturnier von Viña del Mar, einem Badeort 80 Kilometer nordwestlich von Santiago de Chile. Nachdem Nadal sein eigentlich für Januar geplantes Comeback verschieben musste, entschloss er sich kurzfristig zu einer Chile-Reise. Die Meldefrist war zwar längst abgelaufen. Aber für einen Rafa fand sich natürlich eine Wild Card.

Früher gewann meistens der inzwischen zurückgetretene Lokalmatador Fernando Gonzalez das Turnier in Viña del Mar. Diesmal wird es wohl Rafa sein. Denn nachdem er in seinem Erstrundenmatch gegen Federico Delbonis (Argentinien, Nr. 128) die Unken rufen ließ, im ersten Satz schnell mit 0:2 zurücklag und sich in meiner Twitter-Timeline alle Welt darüber ausließ, dass Nadals Schläge wirklich nicht mehr annähernd so hart seien wie früher, war plötzlich doch wieder alles wie früher. Delbonis holte nur noch ganze drei Spiele, und bald hieß es 6:3, 6:2 für Nadal.

So wird es weitergehen. Der einzige Turnierteilnehmer, der ihm vielleicht noch hätte gefährlich werden können, der an 2 gesetzte Juan Monaco (Nr. 15), ist schon ausgeschieden. Nadal spricht über sein Comeback auch längst nicht mehr so vorsichtig wie noch vor wenigen Wochen, als er stets betonte, man dürfe keine Wunderdinge von ihm erwarten. Zwar sagt er noch immer: „Es ist klar, dass ich in Roland Garros nicht der Favorit bin.“ Inzwischen sagt er aber einen munteren Satz dazu: „Ich muss aber auch nicht Favorit sein, um das Turnier zu gewinnen.“ Dabei ist es natürlich viel zu früh, um zu beurteilen, ob er im Mai, Juni fit genug sein wird für einen Grand-Slam-Titel.

Der eigentliche Hammer aber ist dies: Ich freu mich richtig, dass Rafa wieder da ist. Früher habe ich mit seiner Hauruck-Spielweise nie viel anfangen können. Ich zählte mich ganz klar zur Roger-Federer-Fraktion. Aber als ich das Australian-Open-Endspiel zwischen Novak Djokovic und Andy Murray sah, begann ich, mich zu langweilen. Mir war total egal, wer gewinnt. Die beiden können einfach nicht richtig polarisieren. Jetzt liefert Rafa hoffentlich noch ein paar packende Endspiele bei großen Turnieren ab. Gewinnen muss er sie ja nicht unbedingt.

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