Freitag, 25. Januar 2013

Ein kleiner Wilander-Federer-Faktencheck

Es gehört ja zum guten Ton unter Tennis-Enthusiasten, sich über Mats Wilander aufzuregen, wann immer er auf Eurosport in seiner Experten-Analyse nach dem Match irgendwas sagt. Ich rege mich nie auf. Das mag auch daran liegen, dass ich gar nicht immer genau hinhöre, sondern mich einfach freue, das Mats, der schon immer da war, immer noch da ist, wenn ich Tennis gucke.

In dieser Woche regte sich die Fangemeinde darüber auf, dass Wilander sagte, Roger Federer habe eine ausgesprochen schlechte Quote gegen Top-10-Spieler.

Ob Wilander irrt, lässt sich einfach überprüfen. Und das habe ich für das abgelaufene Jahr mal getan. Um Vergleichswerte zu haben, habe ich für alle aktuellen Top-10-Spieler nachgehzählt, wie viele Matches sie 2012 gegen andere Top-10-Spieler gewonnen und wie viele sie verloren haben. (Weil die ATP-Webseite bei mir gestern Abend rumzuzicken begann, nachdem ich die ersten sieben Spieler durchgegangen war, ist der Artikel diesmal ausnahmsweise erst am Freitagmittag fertig.)

Berücksichtigt habe ich alle Spiele gegen Gegner, die am Tag, als das Match stattfand, unter den ersten 10 waren. Hier das Ergebnis:

Novak Djokovic 24:10 (70,6 %)
Roger Federer 15:10 (60,0 %)
Andy Murray 12:9 (57,1 %)
Rafael Nadal 11:2 (84,6 %)
David Ferrer 8:8 (50,0 %)
Tomas Berdych 6:13 (31,6 %)
Juan Martin del Potro 8:14 (36,4 %)
Jo-Wilfried Tsonga 1:15 (6,3 %)
Janko Tipsarevic 3:10 (23,1 %)
Richard Gasquet 3:10 (23,1 %)

Hat Wilander also Federer einfach mit Jo-Wilfried Tsonga verwechselt? Tsongas schlechte Quote hat ich wirklich überrascht. Sein einziger Sieg gegen einen anderen Top-10-Spieler war in Rom gegen Juan Martin del Potro. Eigentlich ist Tsonga ein Spieler, der – auch wenn seine Saison 2012 nicht so überragend war – immer dicht dran ist an den ganz Großen. Noch 2011 schlug er Federer und Nadal jeweils zwei Mal – und zog ins Finale des World-Tour-Finales der besten Acht ein.

Aber Federers Quote? 60 Prozent ist für einen Weltranglistenzweiten nicht überragend, aber es ist immerhin die drittbeste Quote von allen. Und Nadals Wahnsinnsquote von 11:2 zählt ja nicht wirklich, weil er 2012 fast nur die Sandplatzsaison, in der er stets besonders stark ist, gespielt hat.

Ich fragte mich, ob Wilander vielleicht eigentlich sagen wollte: Federer hat schlechte Quoten gegen seine unmittelbaren Konkurrenten. Von 28 Matches gegen Rafael Nadal hat er nur 10 gewonnen. Die Niederlagenserie begann schon 2004 in der dritten Runde von Miami, als Federer schon die Nummer 1 war und Nadal ein unbekannter Emporkömmling mit Ranglistenplatz 34.

Auch gegen Andy Murray hat Federer eine negative Quote: 9 zu 10.

Aber das wars dann auch. Seine Quote gegen Novak Djokovic kann sich durchaus sehen lassen: 16:13.

Und um ganz fair zu sein, blicken wir auch auf Federers Quote gegen einen ehemaligen Weltranglistenersten, der fast genauso alt ist wie er: Andy Roddick. 21:3 für Federer.

Ich freu mich trotzdem schon darauf, gleich nach nach dem Australian-Open-Halbfinale zwischen Federer und Murray wieder Mats Wilander plaudern zu hören.

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