Donnerstag, 31. Januar 2013

Die erste Davis-Cup-Runde im Schnelldurchlauf

Draußen ist Tauwetter, höchste Zeit, sich auf dünnes Eis zu begeben. Heute tippe ich mal, wie am Wochenende die Davis-Cup-Erstrundenbegegnungen ausgehen. Diejenigen von euch, die das hier aus alter Gewohnheit erst am Montag lesen, sehen dann sofort, dass alles falsch war... Wie gehabt, tippe ich Ergebnisse von 3:0, 3:1 oder 3:2 und kein 4:1 oder 5:0, weil die „Dead Rubbers“, also die Matches, die ausgetragen werden, nachdem ein Land bereits als Sieger feststeht, reine Schaukämpfe sind, bei denen man nie weiß, wer antritt.

Kanada – Spanien 3:2
Wenn schon dünnes Eis, dann richtig. Der Kanada-Tipp kommt mir wahnsinnig gewagt vor, dabei ist er naheliegend. Die Spanier sind mit ihrer zweiten Garde nach Vancouver gereist. Rafael Nadal plant sein Comeback erst für nächste Woche auf chilenischem Sand. Auch der seit dieser Woche bestplatzierte Spanier in der Weltrangliste, David Ferrer (Nr. 4), lässt den Davis-Cup diesmal aus. Jetzt hat sich auch noch Nicolas Almagro (Nr. 11) verletzt. Kanadas kommender Superstar Milos Raonic (Nr. 15) wird seine beiden Matches gegen Marcel Granollers (Nr. 34) und gegen Albert Ramos (Nr. 51) oder Guillermo Garcia-Lopez (Nr. 82) wohl gewinnen. Und mit dem Heimpublikum im Rücken wird für die Kanadier auch noch der dritte Punkt irgendwo rausspringen. Vielleicht im Doppel, das Raonic an der Seite von Altmeister Daniel Nestor (Nr. 4 der Doppel-Rangliste) gegen die amtierenden Weltmeister Granollers und Marc Lopez bestreiten wird – oder Vasek Pospisil (Nr. 131) gewinnt eines seiner Einzel.

Italien – Kroatien 3:2
Die Italiener haben im Eishockeystadion von Turin einen Sandplatz aufgeschüttet. Das wird ihnen zum Sieg verhelfen. Mit Andreas Seppi (Nr. 18) haben sie erstmals seit Menschengedenken wieder einen Top-20-Spieler, der sich in Australien gerade in guter Form zeigte. Den Kroaten fehlt der Nachwuchs, nachdem Ivan Ljubicic seine Karriere beendet hat und der inzwischen 33-jährige Ivo Karlovic sich immer weiter von den Top 100 entfernt. Marin Cilic (Nr. 13) allein wird nicht reichen. Und Ivan Dodig (Nr. 58) sehe ich gegen Fabio Fognini (Nr. 44) auch eher im Hintertreffen, und Doppel scheinen die Italiener im Moment auch zu können. Fognini und Simone Bolelli waren letzte Woche bei den Australian Open im Halbfinale.

Belgien – Serbien 1:3
Das ist schnell getippt. Janko Tipsarevic (Nr. 9) ist zwar nicht dabei, aber ansonsten treten die Serben in Bestbesetzung an, also inklusive Novak Djokovic. Vielleicht gewinnt der junge Belgier David Goffin (Nr. 50) sein Einzel gegen Viktor Troicki (Nr. 39), aber das war's dann auch.

USA – Brasilien 3:0
Auch das geht schnell. Die USA in Bestbesetzung sind zwar auch nicht mehr das, was sie mal waren, aber auf heimischem Hartplatz werden John Isner (Nr. 16) und Sam Querrey (Nr. 20) keine Probleme bekommen, da kann Thomaz Bellucci (Nr. 36) froh sein, wenn er irgendwo einen Satz gewinnt. Auf die Bryan-Brüder wird im Doppel auch wieder Verlass sein.

Frankreich – Israel 3:0
Noch eine einfache Sache. Frankreich mit zwei Top-10-Spielern: Jo-Wilfried Tsonga (Nr. 8) und Richard Gasquet (Nr. 10). Israel hat im Moment keinen einzigen Spieler aus den Top 100, und das Doppel mit Jonathan Erlich und Andy Ram ist auch nicht mehr, was es mal war.

Argentinien – Deutschland 3:2
Deutschland ist gar nicht so chancenlos, wie ich dachte, als ich im Herbst die Auslosung sah und wie es das Vorjahresergebnis (4:1 für Argentinien in Bamberg) nahelegt. Damals war im deutschen Team noch der Wurm drin. Mit dem neuen Kapitän Carsten Arriens soll ja nun alles besser geworden sein. Die Argentinier spielen ohne ihre Nr. 1 Juan Martin del Potro (Nr. 7). Aber auch ein Juan Monaco (Nr. 12) ist auf dem Sand von Buenos Aires Favorit gegen Philipp Kohlschreiber (Nr. 20) und Florian Mayer (Nr. 28). Im Doppel aber dürften Kohlschreiber und Christopher Kas durchaus eine Chance habe. Und gegen den zweiten Argentinier, sei es nun David Nalbaindian (Nr. 88), Carlos Berlocq (Nr. 70) oder gar Horacio Zeballos (Nr. 71) sind die Deutschen nach der Papierform vorn. Dass ich trotzdem auf Argentinien tippe, liegt daran, dass – wie im Match Kanada gegen Spanien – es zu erwarten ist, dass sie ihren dritten Punkt zu Hause schon irgendwo holen werden, zumal Florian Mayer in Matchen auf drei Gewinnsätze und im Davis Cup ganz besonders stets ein unsicherer Kantonist ist. Aber: Ich bin ganz zuversichtlich, dass ich mich mit meinem Tipp irren könnte.
Live im Fernsehen gibt's das Ganze wieder einmal nicht. Wer es sehen möchte, klickt auf ran.de.

Kasachstan – Österreich 0:3
Der flotte 0:3-Tipp hat vor allem diesen Grund: Übertreibung macht oft deutlich, wie schon mein alter Mathelehrer Herr Doose sagte. Die Kasachen pfeifen aus dem letzten Loch. Als ich 2010 über die „TSG 1899 Kasachstan“ schrieb, handelte der Artikel noch davon, wie sich ein Oligarch eine Davis-Cup-Mannschaft zusammenkaufte. Jetzt liegt das Projekt ebenso am Boden wie das der abstiegsgefährdeten Hoffenheimer. All die tollen Russen, die Bulat Utemuratow eingekauft hat, haben seither an Leistungsstärke gewaltig eingebüßt. Unter ihnen auch das One-Hit-Wonder Andrei Golubew, das 2010 das Turnier am Hamburger Rothenbaum gewann und sich inzwischen auf Platz 187 wiederfindet. Das Problem mit meinem Tipp ist, dass die Österreicher auch nicht gerade eine Tennis-Weltmacht sind. Jürgen Melzer (Nr. 30) hat sein Formtief aber anscheinend überwunden und sollte seine zwei Matches gewinnen. Und Doppelspieler wachsen in der Alpenrepublik ja sowieso auf den Bäumen.

Schweiz – Tschechien 1:3
Wie fast in jedem Jahr, lässt Roger Federer die erste Runde aus. Die Schweizer haben mit Stanislas Wawrinka (Nr. 17) zwar jemanden in der Hinterhand, aber ich glaube, dass er gegen Tomas Berdych (Nr. 6) verlieren wird. Die Tschechen sind zwar ohne Radek Stepanek nach Genf gekommen, aber sie haben immerhin noch den legendären Lukas Rosol (Nr. 73), den Mann, der in Wimbledon Rafael Nadal schlug. Rosol wird auch gegen Marco Chiudinelli (Nr. 139) gewinnen.

Hier alle Davis-Cup-Begegnungen im Überblick

1 Kommentar:

Chris hat gesagt…

Wie bitter war dieses DC Wochenende denn bitte, da wäre so viel mehr drin gewesen! Aber eine andere Sache die mich viel mehr beschäftigt: Daniel Brands ist ja für mich wie für viele Andere die Überraschung des Jahre mit überzeugenden Leistungen! Wieso spielt der Junge denn jetzt wieder ne halbe Ewigkeit nicht??? Für mich Tendenz definitiv Top 50 dieses Jahr...

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