Donnerstag, 13. Dezember 2012

Wer spielt wo? Beinahe wie Transfergeflüster

Das ist das Trostlose an der Saisonpause im Tennis: Es gibt keine spektakulären Transfers zu vermelden. Selbst der kasachische Verbandspräsident hat aufgehört, Russen für seine Davis-Cup-Mannschaft einzubürgern.

Es gibt für Tennisnachrichtenjunkies aber eine – wenn auch schwache – Ersatzdroge. Die Early Commitments. Die frühzeitigen Zusagen verschiedener Profis für verschiedene Turniere irgendwann im April, im Mai oder im Juli. In dieser Woche liefen fast täglich irgendwelche Meldungen über den Ticker.

Bleiben wir zunächst einmal im Lande: Zu den besonders interessanten Erkenntnissen zählt, dass das Tischtuch zwischen dem ausgeschiedenen Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen und seinem Spitzenspieler Philipp Kohlschreiber nicht so weit zerschnitten ist, dass Kohlschreiber nicht bereit wäre, seinen Titel in München, wo Kühnen Turnierdirektor ist, zu verteidigen.

Aber der Reihe nacht. Wobei – wenn wir die deutschen Turnier chronologisch ordnen, beginnt die Reihe sowieso in München (27. April bis 5. Mai). Auf der offiziellen Turnier-Homepage folgen Informationen erst „in Kürze“. Aber es gab Anfang Dezember bereits eine Verlautbarung, derzufolge neben Kohlschreiber (Nr. 20) auch Florian Mayer (Nr. 28) in München aufschlagen wird. Da ist für Patrik Kühnen noch einiges zu tun, bis er ein attraktives Teilnehmerfeld zusammen hat.

Rainer Schüttler ist schon einen Schritt weiter. Zusammen mit seinem neuen Ziehvater Ion Tiriac setzt er in Düsseldorf (20. bis 26. Mai) ein reguläres 250er-Turnier an die Stelle des eingegangenen World Team Cups. Hier hat nicht nur Philipp Kohlschreiber bereits zugesagt, sondern auch ein aktueller Top-10-Spieler: Janko Tipsarevic aus Serbien. Außerdem Tobias Kamke (Nr. 98) und Benjamin Becker (Nr. 65). Diese beiden Namen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Wenn Kamke in der Rangliste bis zum Stichtag Anfang April auch nur fünf oder sechs Plätze abrutscht, muss er bei den French Open in die Qualifikation. Und die findet in derselben Woche statt wie das Düsseldorfer Turnier. Auch Benni Becker kann bis dahin durchaus aus den Top 100 fallen, schließlich verliert er im Februar 180 Punkte aus seinem Halbfinale beim 500er-Turnier in Memphis.

Das beste Feld in Deutschland hat auch 2013 wieder einmal der Rasen von Halle/Westfalen (10. bis 16. Juni) zu bieten.  Roger Federer (Nr. 2) gehört dort ja schon zum Inventar. Auch Rafael Nadal (Nr. 4), der in diesem Jahr nach längerer Pause erstmals wieder nach Halle kam, will 2013 wiederkommen. Dass auch Janko Tisparevic zugesagt hat, fällt bei diesen Namen kaum noch ins Gewicht. Freuen dürfen wir uns auch auf zwei Spieler, die schon in Kürze zu den absoluten Topstars gehören könnten: Kei Nishikori (22 Jahre, Nr. 19) aus Japan und Milos Raonic (21 Jahre, Nr. 13) aus Kanada. Philipp Kohlschreiber ist wie in München und Düsseldorf auch in Halle dabei. Titelverteidiger Tommy Haas (Nr. 21) aber hat offiziell noch nicht zugesagt.

Dafür ist Haas in Stuttgart (8. bis 14. Juli) dabei.  Damit ist er aber auch der einzige Spieler den die Schwaben bisher präsentieren konnten.

Das nominell größte Tennisturnier auf deutschem Boden ist da unwesentlich weiter. Am Hamburger Rothenbaum (15. bis 21. Juli) wirbt Turnierdirektor Michael Stich mit Mats Wilander – und mit sich selbst. Die beiden sollen das Legendenmatch bestreiten, das auf deutschen Turnieren inzwischen zum guten Ton gehört. Von den aktiven Spielern hat – wie in Stuttgart – bislang nur Tommy Haas zugesagt.

So weit die deutschen Turniere. Was das Ausland angeht, beschränken wir uns auf einen Blick auf die großen Vier: Wo außer auf den Grand Slams und den Masters-Turnieren wollen Novak Djokovic, Roger Federer, Rafael Nadal und Andy Murray spielen?

Novak Djokovic beginnt nach einem Schauturnier in Abu Dhabi mit dem Hopman Cup, der inoffiziellen Mixed-WM in Perth (29. Dezember bis 5. Januar), wo er zusammen mit Ana Ivanovic Serbien vertritt. (Für Deutschland spielen Tommy Haas und Andrea Petkovic.) Darüber hinaus hat Nole bisher nur zwei Auftritte bestätigt: Den Davis-Cup in Belgien (1. bis 3. Februar) und das 500er-Turnier in Dubai (25. Februar bis 3. März).

Roger Federer hat bisher drei Zusagen gegeben: Rotterdam (11. bis 17. Februar), Dubai und Halle. In der Schweiz ist aufmerksam registriert worden, dass auf dieser Liste seine Heimatstadt Basel (21. bis 27. Oktober) fehlt, wo er sonst nie schwänzt. Dort scheint man noch über die Höhe der Antrittsprämie zu verhandeln.

Andy Murray beginnt nach Abu Dhabi die offizielle Saison zu Neujahr auf dem 250er-Turnier von Brisbane. Außerdem steht das Halbmasters von Monte Carlo (14. bis 21. April) auf seinem Turnierplan.

Besonders spannend ist die Frage, was Rafael Nadal vorhat, der ja zum Jahreswechsel nach einem halben Jahr Verletzungspause zurückkehrt. Wird er, wo immer es geht, einen Bogen um die gelenkunfreundlichen Hartplätze machen? Wohl eher nein. Jedenfalls beginnt er ebenso wie Djokovic und Murray mit dem Hartplatz-Schauturnier in Abu Dhabi und fährt dann gleich weiter nach Katar, wo er auf dem Hartplatz von Doha (31. Dezember bis 6. Januar) spielen will. Man munkelt, nach den Australian Open könne Nadal den Davis-Cup auslassen und stattdessen in der Woche drauf den chilenischen Sandplatz von Vina del Mar (4. bis 10. Februar) ausprobieren – für eine Antrittsprämie, die das offizielle Preisgeld des gesamten Turniers weiter übersteigt. Statt Dubai wird er das parallel laufende 500er-Sandplatzturnier von Acapulco spielen.

Es wird sich noch einiges tun in den kommenden Wochen und Monaten. Die offizielle Meldefrist endet jeweils sechs Wochen vor Turnierbeginn. Aber dann gibt es ja noch die Wild Cards, die nicht nur dazu dienen, hoffnungsvollen Nachwuchskräften einen Platz im Hauptfeld zu verschaffen, sondern auch dazu, einem Star, mit dem man sich erst nach Ablauf der Meldefrist handelseinig wird, ins Boot zu holen.

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