Donnerstag, 22. November 2012

Carsten Arriens – Martin Jaite 6:3, 2:6, 7:6

Seit heute ist es offiziell: Deutschlands neuer Davis-Cup-Kapitän heißt Carsten Arriens. Das DTB-Präsidium preist ihn insbesondere als erfolgreichen Verbands- und Bundesliga-Trainer. Ein Unterschied zu allen seinen Vorgängern der vergangenen Jahre: Die meisten Gelegenheitsfans haben von dem Mann noch nie was gehört. Nach dem Ende der Ära Niki Pilic haben in Deutschland ausschließlich Leute das Davis-Cup-Team gecoacht, die auch selber als Spieler den Davis-Cup gewonnen haben: Michael Stich, Boris Becker, Charly Steeb und Patrik Kühnen. Mit Kühnen ging das noch am längsten gut. Es lässt sich also mit etwas Chuzpe die Regel aufstellen: Je schlechter jemand als Spieler war, desto eher eignet er sich als Davis-Cup-Kapitän.

Da stellt sich die Frage: War Carsten Arriens als Spieler überhaupt schlecht genug, um Deutschland zum Erfolg zu führen? Er brachte es immerhin auf Platz 109 der Weltrangliste. Einmal gewann er sogar ein Grand-Prix-Turnier: 1992 im brasilianischen Guaruja. Dort bezwang er im Finale niemand Geringeren als Alex Corretja, den späteren Weltranglistenzweiten und amtierenden Davis-Cup-Kapitän der Tennis-Weltmacht Spanien.

Vergleichen wir einmal die höchsten Weltranglistenplatzierungen, die die Kapitäne der 16 Nationen, die im kommenden Jahr in der Davis-Cup-Weltgruppe gespielt haben, während ihrer aktiven Laufbahn erreichten, stellen wir fest: Carsten Arriens befindet sich im soliden hinteren Mittelfeld:

Jim Courier, USA, Nr. 1
Alex Corretja, Spanien, Nr. 2
Guy Forget, Frankreich, Nr. 4
Corrado Barazzutti, Italien, Nr. 7
Martin Jaite, Argentinien, Nr. 10
Jaroslav Navratil, Tschechien, Nr. 64
Johan van Herck, Belgien, Nr. 65
Zeljko Krajan, Kroatien, Nr. 88
Martin Laurendeau, Kanada, Nr. 90
Carsten Arriens, Deutschland, Nr. 109
Eyal Ran, Israel, Nr. 138
Clemens Trimmel, Österreich, Nr. 147
Joao Zwetsch, Brasilien, Nr. 231
Severin Lüthi, Schweiz, Nr. 622
Dias Doskarayev, Kasachstan, Nr. 945
Bogdan Obradovic, Serbien, nicht platziert

Ich hoffe, die Liste ist korrekt. Es ist weder auf der Davis-Cup-Seite noch mit Hilfe von Wikipedia hundertprozentig zuverlässig zu ermitteln, ob irgendein anderes Land außer Deutschland im nächsten Jahr mit einem neuen Kapitän antritt. Die Namen zusammenzustellen, war eine wahre Freude. Es wurde die eine oder andere Erinnerung an die guten alten Zeiten wach. Welche Rolle Joao Zwetsch (Brasilien) dabei spielt, erwähnte ich bereits vor zwei Jahren. Auch Martin Laurendeau (Kanada) bewege ich seit meiner Kindheit tief in meinem Herzen: Im ersten „tennis magazin“, das ich jemals in Händen hielt, waren die Ergebnisse der Sommer-Hartplatz-Turniere in Nordamerika abgebildet. Dazu die Fotos von zwei bis dato völlig unbekannten Nachwuchsspielern, die erstmals auf sich aufmerksam machten. Ich merkte mir ihre Namen, weil ich dachte: Den beiden gehört die Zukunft. Die Namen lauteten Martin Laurendeau und Andre Agassi.

Aber zurück zu Carsten Arriens. Dank der unerschöpflichen statistischen Daten auf der ATP-Webseite lässt sich ja schnell herausfinden, wie er sich im Laufe seiner Karriere gegen die richtig Guten geschlagen hat. Da kommt eine bemerkenswerte Reihe von Namen zusammen. Mir scheint, kaum ein anderer Spieler ist bei kleinsten Turnieren so oft auf spätere Stars getroffen. Und wenn Arriens mal die Qualifikation für ein großes Turnier schaffte, kam oft gleich in Runde 1 ein Slam-Gewinner. Er verlor gegen Boris Becker, Ivan Lendl, Stefan Edberg, Michael Stich und Thomas Muster. Sein allerletzes Profimatch bestritt er bei einem Future in Kassel 1999 gegen den späteren French-Open-Finalisten Martin Verkerk. In seinem vorletzen Turnier schied er gegen den späteren Olympiasieger Nicolas Massú aus. Bei seinem letzten Auftritt auf der ATP-World-Tour 1998 in Moskau zwang er den späteren Wimbledonsieger Goran Ivanisevic in zwei Tie-Breaks.

Dass er bei seinem einzigen Grand-Prix-Finale gegen Alex Corretja gewann, hatten wir oben schon. Im Juni 1996 verlor er bei zwei aufeinander folgenden Challengern gegen den damals 18-jährigen Tommy Haas. Jetzt warten wir gespannt, ob es Carsten Arriens wohl gelingt, Tommy Haas zu überzeugen, 2013 im Davis-Cup mitzuspielen.

In der ersten Runde geht es gegen Argentinien. Vergleichen wir also mal Arriens mit dem argentinischen Kapitän Martin Jaite. Der Mann war mal in den Top 10. Aber hat es ihm geholfen? Beim Challenger-Turnier von Neu-Ulm 1993 trafen Jaite und Arriens in der ersten Runde aufeinander. Arriens gewann im Tie-Break des dritten Satzes.
 
Hier das ATP-Profil von Carsten Arriens

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