Donnerstag, 30. August 2012

US-Open-Anmeldung vergessen: Gnade für Petzschner und Melzer

Vielleicht erinnert sich jemand: Vor einem Jahr gewannen Philipp Petzschner und sein österreichischer Partner Jürgen Melzer die US Open. Es war nach Wimbledon 2010 bereits ihr zweiter Grand-Slam-Titel im Doppel.

Als vor drei Wochen die Meldeliste für die US Open 2012 auf verschiedenen Internetseiten inoffiziell veröffentlicht wurde (offiziell werden keine Meldelisten veröffentlicht), war die Irritation groß: Melzer und Petzschner standen nicht drauf auf der Liste. Wollten sie ihren Titel etwa nicht verteidigen? Beide treten auch in der Einzel-Konkurrenz an. Es wäre theoretisch vorstellbar, dass sie sich diesmal darauf konzentrieren möchten. Aber wirklich nur theoretisch. Beiden ist die Doppel-Konkurrenz seit Jahren immer sehr wichtig gewesen – und sie sind im Doppel ja auch erfolgreicher als im Einzel, wo keiner von beiden eine realistische Chance auf den Titel bei einem Grand-Slam-Turnier hat. Und wenn einer von beiden nicht im Doppel – warum auch immer – ausgerechnet bei der Verteidigung des wichtigsten Titels nicht antreten möchte, dann würde gewiss wenigstens der andere mitmachen. Beide würden problemlos einen Ersatz-Partner finden.

Eigentlich gab es von Anfang an nur eine plausible Lösung für das Rätsel. Sie müssen vergessen haben, sich rechtzeitig anzumelden. Und tatsächlich: So war es. Das hat Philipp Petzschner jetzt verraten. Aber erst nachdem die US Open schon begonnen hatten und er sein Einzel-Erstrundenmatch gegen Nicolas Mahut nach 0:2-Satzrückstand doch noch im Tie-Break des fünften Satzes gewonnen hatte. Inzwischen war auch die Auslosung fürs Herren-Doppel veröffentlicht - und das Duo Melzer/Petzschner war doch noch dabei – an Nummer 10 gesetzt und mit einer Wild Card ausgestattet. Wild Cards gehen zwar normalerweise an Nachwuchsspieler oder gealterte Stars, deren Weltranglistenplatzierung sie nicht für die Teilnahme am Turnier qualifiziert; Wild Cards haben aber auch den Charme, dass sie erst kurz vor Turnierbeginn nach Ende der offiziellen Meldefrist vergeben werden.

Philipp Petzschner hat jetzt auch verraten, warum er und Jürgen Melzer auf keinerlei Anfragen geantwortet haben, warum sie denn nicht bei den US Open mitmachen wollen: „Ich habe mich gar nicht getraut, zu antworten, denn dazu kann man wirklich nicht mehr sagen, als dass es eine dümmliche Aktion war.“  Beide Spieler hatten sich anscheinend darauf verlassen, dass der jeweils andere sich schon um die Anmeldung kümmern wird.

Dass es so weit kommen konnte, zeigt aber auch, welch geringen Stellenwert die Veranstalter der US Open der Doppelkonkurrenz beimessen. Wäre es anders, hätte eigentlich jemandem auffallen müssen, dass die Titelverteidiger auf der Meldeliste fehlen. Dann hätte man ein paar Stunden vor Meldeschluss kurz angerufen und gefragt: Wo bleibt ihr?

Immerhin war dem US-Tennisverband USTA die Teilnahme der Doppel-Titelverteidiger dann doch eine Wild Card wert. Irgendwelche dahergelaufenen Durchschnitts-Doppelspieler hätten vermutlich Pech gehabt, wenn sie die Meldefrist versäumt hätten. Im Einzel kann es übrigens nicht passieren, dass der Titelverteidiger vergisst sich anzumelden. Die bestplatzierten 100 Spieler der Weltrangliste sind verpflichtet, bei den Grand-Slam-Turnieren anzutreten. Sie stehen automatisch auf der Meldeliste. Im Doppel gibt es eine solche Pflicht nicht.

Hier das Herren-Doppel-Tableau der US Open. Melzer/Petzschner spielen in Runde 1 gegen die Australier Ashley Fisher und Jordan Kerr.

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