Montag, 13. August 2012

Rainer Schüttler ist plötzlich wieder da

Wer bei den Olympischen Spielen die Tenniswettbewerbe verfolgt hat, mag sich an das Drama erinnert haben, das sich vor acht Jahren in Athen im Endspiel des Herrendoppels abspielte. Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer verpassten die Goldmedaille, nachdem sie gegen Nicolas Massú und Fernando Gonzalez aus Chile vier Matchbälle nicht verwandeln konnten.

Während Nicolas Kiefer seine Karriere nach der Saison 2010 ganz offiziell beendete, hat Rainer Schüttler nach den Australian Open Anfang dieses Jahres einfach aufgehört, an Turnieren teilzunehmen. Vorher sagte er, dass 2012 sein letztes Jahr auf der Tour sein wird. Alle Fragen, ob er derzeit noch aktiver Tennisprofi ist, ließ er unbeantwortet. Es wurde lediglich kolportiert, Schüttler wolle eine Weile testweise ohne Tennisturniere leben, um auszuprobieren, ob er sich mit einer solchen Art von Alltag anfreunden kann.

Jetzt ist Rainer Schüttler wieder aufgetaucht. Er ist in der vergangenen Woche Schweizer Meister geworden. Während in London die olympischen Spiele liefen, griff er in der Nationalliga A für den Verein Ried Wollerau zum Schläger. Er bestritt fünf Matches im Einzel und zwei im Doppel (jeweils zusammen mit Dominik Meffert). Fast alle seine Gegner waren aktive Profis, zum Beispiel Ivo Minar (Tschechien, Nr. 193). An Liga-Matches teilzunehmen, ist indes durchaus mit einem Leben als Ex-Profi vereinbar. Michael Stich spielte noch 2008 für den deutschen Zweitligisten TC Hartenholm.

Ein besonders enges Match spielte Schüttler nun gegen Arnaud Clément. Der Franzose hatte seine Profi-Laufbahn erst vor einem Monat in Wimbledon offiziell beendet – und trat in der Schweizer Liga nun für Genf an. Dass diese beiden nun aufeinandertrafen, gefiel mir. Beide haben an derselben Stelle ihren größten Einzel-Erfolg gefeiert: Sie erreichten das Endspiel der Australian Open. Clément 2001 und Schüttler 2003. Jahre später, 2008, als beide schon als komplette Auslaufmodelle galten, erreichten sie beide überraschend das Wimbledon-Viertelfinale und trafen dort aufeinander. Schüttler gewann mit 8:6 im fünften Satz und wurde auf seine alten Tage noch zum Wimbledon-Halbfinalisten. Diesmal im Schweizer Ligamatch gewann Clément den Tie-Break im entscheidenden dritten Satz. Das Ergebnis zeigt, dass Schüttler weiterhin in der Lage ist, mit einem fast nach aktiven Profi mitzuhalten. Ansonsten indes wird man nicht behaupten können, dass er für seinen Verein eine berauschende Performance hingelegt hat (hier alle seine Ergebnisse).

Interessant ist der Zeitpunkt, den er für seine Rückkehr auf eine Nebenbühne des Tennis-Zirkus gewählt hat. Er hat nach seinem Aus in der Qualifikation für die Australian Open im Januar genau sechs Monate gewartet. Das ist der Zeitraum, über den ein verletzter Profi pausieren muss, um in den Genuss des so genannten „Protected Ranking“ zu gelangen. Statt mit seiner aktuellen Weltranglistenposition 351 könnte Schüttler sich mit seiner Platzierug vom Januar (ca. 130) auf die Teilnehmerlisten von ATP-Turnieren setzen lassen. Das würde für das Hauptfeld von so gut wie jedem Challenger reichen und mit etwas Glück auch für das eine oder andere schwach besetzte 250er-Turnier. Er war zwar allem Anschein nach im vergangenen halben Jahr nicht verletzt, aber erfahrungsgemäß stellt die ATP keine besonders scharfen Nachforschungen zum Gesundheitszustand von Spielern an, die nach längerer Pause ein Protected Ranking beantragen.

Es wäre jedenfalls angemessen, wenn Schüttler noch einmal irgendwo ein echtes Abschiedsturnier bestreiten würde, anstatt einfach heimlich von der Bildfläche zu verschwinden.

Zum Schluss eine Anmerkung in eigener Sache: Mein wöchentlicher Blog-Artikel ist jetzt zum zweiten Mal in Folge erst am Montag erschienen und nicht wie in den vergangenen viereinhalb Jahren am Sonntag. Der Sonntag ist für mich ein etwas ungünstiger Termin geworden. Deshalb wechsle ich versuchsweise auf den Montag. Ich weiß noch nicht, ob es dabei bleibt. Vielleicht wird es dauerhaft auch der Mittwoch oder Donnerstag.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schüttler wurde mit Ried Wollerau gar Meister nicht nur Vizemeister...

Zack hat gesagt…

.. oh, danke, ich korrigiere!

Anonym hat gesagt…

Würde mich freuen, wenn du auch weiterhin wöchentlich einen Text schreiben würdest! Der Tag ist doch egal! Habe es auch erst heute geschafft die letzten 3 Wochen zu lesen! Lese die Texte immer sehr gern! Also mach weiter so!

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Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de