Donnerstag, 23. August 2012

Rafa ist raus

Das Thema ist ein Dauerbrenner. Seine Spur lässt sich innerhalb dieses Blogs bis 2008 zurückverfolgen, und schon damals war es nicht ganz neu. Es geht um das Knie von Rafael Nadal, das seiner Karriere vor der Zeit ein Ende bereiten könnte. Im Moment herrscht in der Gerüchteküche mal wieder Hochbetrieb. Rafas Niederlage in der zweiten Runde von Wimbledon gegen einen Tschechen, der Lukas Rosol heißt und auf Platz 100 der Weltrangliste stand, war der Anfang des aktuellen Kapitels. Seitdem ist Nadal auf keinem Tennisplatz mehr gesehen worden. Er sagte die Olympischen Spiele ab, dann die Masters-Turniere von Toronto und Cincinnati und schließlich die US Open, die am Montag losgehen. Für das Davis-Cup-Halbfinale gegen die USA vom 14. bis 16. September in Gijón hat er noch nicht abgesagt. Aber so richtig mit ihm rechnen tut man dort wohl nicht mehr.

Seriöse Medien spekulieren munter darüber, ob der Spanier wohl überhaupt jemals wieder auf die Tour zurückkehren wird. Nun, diese Spekulationen gab es auch schon, als Rafa im Jahr 2009 Wimbledon absagen musste, dann zwar schon im August wieder Turniere spielte, aber bis zum Frühjahr 2010 kein einziges Turnier mehr gewann. Zwischenzeitlich rutschte er auf Platz 4 der Weltrangliste ab, aber schon nach den French Open im Juni war er wieder die Nummer 1, und die Sache mit dem drohenden Karriereende schien vergessen.

Dass er diesmal wieder auf den Spitzenplatz zurückkehrt, halte ich nicht für ausgeschlossen, aber für deutlich unwahrscheinlicher. Den engen Kontakt zum Spitzenduo Roger Federer und Novak Djokovic hatte er schon vor seiner neuerlichen Verletzung verloren, und seit Andy Murray Olympiasieger geworden ist, redet auch der oben ein Wörtchen mit. Und Nadals Körper, der unter seiner extrem kraftraubenden Spielweise leidet, wird immer wieder mal schlapp machen.

Überlegen ist Nadal nur noch auf seinen angestammten Sandplätzen. Der eine oder andere Kniespezialist empfiehlt ihm nun schon, auf Hartplatzturniere völlig zu verzichten, weil die seine Gelenke zu stark angreifen. Die Idee ist möglicherweise besser, als sie auf den ersten Blick aussieht. Die Haupt-Sandplatzsaison dauert zwar nur von April bis Juni, aber es gibt auch außerhalb dieser Zeit ernst zu nehmende Sandplatz-Turniere in ausreichender Zahl. Da hätten wir die Lateinamerika-Tour im Februar mit dem 500er-Turnier in Acapulco als Abschluss und im Sommer die Turniere in Mitteleuropa mit dem 500er-Turnier in Hamburg als Abschluss. Nur im Herbst müsste sich Nadal dann auf Schaukämpfe beschränken.

Weltranglistenerster kann man mit einem solchen Turnierplan zwar nicht werden, aber unter den besten 10 würde Nadal durchaus bleiben können. Das zeigt ein Blick auf seinen aktuellen Punktestand. Selbst wenn er bis Jahresende kein Turnier mehr spielen sollte, blieben ihm rund 7000 Punkte, die er – abgesehen vom Finale der Australian Open – überwiegend auf Sand geholt hat. Das wäre im Dezember immer noch Platz 3 oder 4. Allein mit den 4000 Punkten von seinen Turniersiegen auf Sand in Monte Carlo (1000), Rom (1000) und Roland Garros (2000) wäre er die Nummer 8 auf der aktuellen Weltrangliste.

Mit dem Regelwerk der ATP, die ihre Spitzenspieler verpflichtet, möglichst überall auf der Welt aufzutreten, wäre solch ein Turnierplan zwar nicht ohne Weiteres vereinbar, aber die schlimmste Sanktion, die Nadal drohen könnte, ist, dass ihm weniger Prämien aus dem ATP-Bonustopf ausgeschüttet werden. Irgendwann aber wird sein Knie auch für Sandplätze nicht mehr stabil genug sein.

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