Sonntag, 22. April 2012

Neuer Davis-Cup-Kapitän gesucht

Über den World Team Cup möchte ich eigentlich nicht schon wieder schreiben, also handeln wir den Einstieg ins heutige Thema ganz schnell ab: Beim World Team Cup wird Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen die deutsche Mannschaft nicht coachen. Details sind hier und hier nachzulesen.

Hier die Zusammenfassung dieser Details: Der deutsche Spitzenspieler Florian Mayer, dessen Recht es beim World Team Cup ist, den Betreuuer der deutschen Mannschaft zu bestimmen, hat sich für seinen persönlichen Coach Tobias Summerer entschieden. Und das, obwohl die Deutschen seit vielen Jahren für diese Aufgabe immer den jeweils amtierenden Davis-Cup-Kapitän ausgewählt haben. Trotz aller Beschwichtigungen von offizieller Seite lässt sich schwerlich leugnen, dass der Haussegen zwischen Kapitän Kühnen und seinen Spielern schief hängt.

Die Entscheidung hat also nicht nur Auswirkungen auf den sportlich wenig bedeutenden World-Team-Cup, sondern auch auf den Davis-Cup. Dem Vernehmen nach ist der Deutsche Tennis-Bund bisher entschlossen, Kühnens Vertrag, der zum Jahresende ausläuft, zu verlängern. Diese Entschlossenheit dürfte jetzt nachlassen, und zwar unabhängig davon, ob das Team im September im Relegationsspiel gegen Australien den Klassenerhalt in der Weltgruppe schafft. Denn ein Kapitän, der das Vertrauen der Spieler nicht hat, ist auf verlorenem Posten. Er ist ja nicht wie im Fußball ein Trainer, der eine Mannschaft auf dem Platz formt und die taktische Marschroute ausgibt. Sein Job ist es im Wesentlichen, die besten Spieler seines Landes zu nominieren und dafür zu sorgen, dass es kein böses Blut gibt, wenn die Individualisten, die den Rest des Jahres für sich alleine kämpfen, plötzlich alle an einem Tisch sitzen. Ganz wichtig ist die Fähigkeit, vor einer Davis-Cup-Begegnung zu erkennen, wer unter den gegebenen Bedingungen aktuell die besten Spieler sind. Das hat Kühnen in den vergangenen Jahren, und er ist schon sehr lange Davis-Cup-Kapitän, meistens ganz ordentlich hinbekommen, auch wenn einzelne Entscheidungen diskussionswürdig waren.

Schwierig wird es immer dann, wenn ein Kapitän einen Interessenkonflikt hat, weil er gleichzeitig der Coach eines bestimmten Spielers ist. Denn dann kann es schnell böses Blut geben, was der Käptn ja eigentlich verhindern soll. In diesem Frühjahr hat Patrik Kühnen Tommy Haas betreut – und ihn prompt ins Davis-Cup-Team zurückgeholt und im Doppel sogar aufgestellt. Mit etwas gutem Willen war die Entscheidung sportlich vertretbar. Wirklich aufgedrängt hatte Haas sich nicht.

Kühnen hat noch eine weitere Rolle: Er ist Direktor des ATP-Turniers von München. Auch hier lassen sich Interessenkonflikte ausmachen. Wird vielleicht ein Spieler, der in München antritt, eher für den Davis-Cup nominiert, als einer, der München auslässt? In diesem Zusammenhang ist übrigens Florian Mayers aktueller Turnierplan interessant. In einer Woche beginnt das Münchner Turnier. Florian Mayer steht nicht auf der Meldeliste. Stattdessen hat er in Casablanca gespielt und spielt in der jetzt beginnenden Woche in Bukarest. Dabei ist Mayer Bayer und München mithin sein Heimatturnier. Die These, Mayers Abwesenheit in München habe mit Kühnen zu tun, ist wohl nicht zu gewagt, auch wenn sich mit etwas Fantasie gewiss auch andere Erklärungsansätze finden lassen.

Vor diesem Hintergrund schauen wir einfach mal, wer Kühnen im nächsten Jahr als Davis-Cup-Kapitän nachfolgen könnte.

Wahrscheinlich wird in diesem Zusammenhang sehr bald der Name Alexander Waske fallen. Ich glaube, das Waske tatsächlich einige Qualitäten als Teammanager hätte, in der gegenwärtigen Konstellation wäre er aber wohl keine glückliche Wahl, denn es könnte bald zu einem ganz ähnlichen Interessenkonflikt kommen wie bei Kühnen mit Haas. Waske betreut den Davis-Cup-Ersatzspieler Cedrik-Marcel Stebe. Außerdem soll auch zwischen Waske und anderen Davis-Cup-Spielern schon mal geknirscht haben.

Überhaupt, alle Trainer, die derzeit irgendeinen der deutschen Profis betreuen, sollte man lieber außenvor lassen. Denn selbst wenn jemand sein Engagement für den Davis-Cup-Kapitäns-Posten aufgibt, gäbe es sofort ein Geschmäckle, sobald der Kapitän seinen ehemaligen Schützling nominiert. Damit ist schon mal gleich der Mann aus dem Rennen, der Deutschland beim World Team Cup in Düsseldorf betreuen wird, Mayers Trainer Summerer, der sowieso zu jung ist (29 Jahre) und kein ausreichendes Standing aus seiner Profizeit hat (beste Platzierung: Nummer 159).

Sehen wir uns also unter den deutschen Ex-Profis um. (Ein Ausländer ist gemäß Davis-Cup-Regularien nicht zulässig. Den müsste man, wie weiland Niki Pilic, erst einbürgern.) Unsere früheren Helden und Halbhelden Boris Becker, Michael Stich und Charly Steeb waren allesamt schon mal Davis-Cup-Kapitäne und sind gescheitert.

Relativ neu unter den Ex-Profis ist Nicolas Kiefer. Meines Erachtens ein gescheiter Mensch, aber wohl – wie so viele seiner Kollegen - zu sehr Individualist, als dass er den Diplomatenjob, um den es hier geht, angemessen ausfüllen könnte.

Rainer Schüttler darf man wohl neuerdings auch zu den Ex-Profis zählen, auch wenn er sich offiziell zu seinem Karriereende bisher nicht geäußert hat. Ich kann gar nicht genau sagen, warum ich ihn mir im Moment als Davis-Cup-Kapitän nicht vorstellen kann. Es hat nicht nur damit zu tun, dass er zusammen mit Alexander Waske die Tennis-Akademie gegründet hat, in der unter anderem Stebe trainiert, womit die erwähnten Interessenkonflikte verbunden wären.

David Prinosil, Marc Göllner oder Hendrik Dreekmann wirken auf mich zu wenig profiliert. Eric Jelen ebenfalls.

Vielleich Bernd Karbacher? Was man von dem Mann hört, ist, dass er jetzt Chariry-Events organisiert. Das wäre vermutlich kein Interessenkonflikt. Vor ein paar Jahren engagierte er sich bei der inzwischen anscheinend wieder eingeschlafenen Spieler-Interessenvertretung „Tennis-Germany“. Markus Zoecke fiele mir noch ein, der zuletzt als Eurosport-Cokommentator daran erinnerte, dass es ihn auch mal gab.

Und dann gibt es natürlich noch Katze Braasch Vor acht langen Jahren hat er sich mal im Spiegel zum Thema Davis-Cup geäußert. Damals noch als Spieler. Heute arbeitet er als Tennistrainer und ist einer der besten deutschen Senioren-Spieler. Vielleicht hätte er ja Lust auf mehr. Das alte Interview jedenfalls beweist, dass Karsten Braasch schon mal darüber nachgedacht hat, wie ein Davis-Cup-Kapitän seinen Job machen sollte.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Zoecke sucht jetzt neue Talente in seiner Tennis-Akademie: http://www.tennis-point.de/wildcard

Und Braasch geht nicht, weil er auf der Bank nicht qualmen darf ...

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