Sonntag, 8. April 2012

Monte Carlo ist ja gar nicht in Monte Carlo

Heute sind die Davis-Cup-Viertelfinal-Begegnungen zu Ende gegangen. Frankreich hat sein Heimspiel gegen die USA mit 2:3 verloren. Der amerikanische Aufschlagriese John Isner war nicht zu stoppen, und das, obwohl die Spiele in Monte Carlo auf Sand ausgetragen wurde. In Monte Carlo. Als ich las, wo die Begegnung stattfinden sollte, stutzte ich kurz. Monte Carlo ist doch gar nicht in Frankreich, sondern in Monaco. Tragen die Franzosen ihr Heimspiel etwa im Ausland aus? So ganz echtes Ausland ist es zwar nicht, der AS Monaco spielt ja auch in der französischen Fußball-Liga. Aber ein bisschen seltsam fand ich das schon. Zumal Monaco ja auch eine eigene Davis-Cup-Mannschaft hat (die im Wesentlichen aus eingebürgerten Franzosen besteht und an diesem Wochenende auswärts mit einem 3:2 gegen Marokko den Klassenerhalt in Liga 3 geschafft hat).

Ich sah mir die Detail-Informationen zum Viertelfinale auf der Davis-Cup-Internetseite näher an und stellte fest: Monte Carlo ist gar nicht in Monte Carlo. Als Austragungsort war angegeben: „Monte Carlo Country Club, Roquebrune, France“. Ein Blick auf Google Maps zeigte: Der „Monte Carlo Country Club“, in dem in einer Woche auch das ATP-Masters von Monte Carlo stattfindet, liegt tatsächlich nicht in Monaco und auch nicht in Monacos Stadtteil Monte Carlo, sondern in Roquebrune-Cap Martin 200 Meter jenseits der Staatsgrenze auf französischem Territorium. Die Veranstalter des Masters-Turniers und die ATP verheimlichen diese geografische Tatsache anscheinend ganz gern. Auf der ATP-Webseite ist als Austragungsort angegeben: „Monte-Carlo, Monaco“. Auf dem „Tournament Fact Sheet“ des Veranstalters ist nicht die Adresse des Stadions angegeben, sondern die des Organisationsbüros auf monegassischem Gebiet.

Nicht dass das ein großer Skandal wäre. Aber als ich das feststellte, fragte ich mich, ob es vielleicht noch ein paar andere Turniere auf der ATP-Tour gibt, die gar nicht genau dort stattfinden, wo man es dem Namen nach vermutet. Ich erinnerte mich an meinen Besuch beim Challenger-Turnier von Heilbronn vor drei Jahren. Es fand nicht in Heilbronn statt, sondern in einem Vorort namens Talheim.

Und tatsächlich. Es gibt noch ein paar weitere dieser Fälle.

Nicht immer ist die Sachlage so eindeutig wie in Monte Carlo, und kein anderes Turnier findet in einem anderen Land statt als geheimhin behauptet. Bei Vororten von Metropolen ist es manchmal Interpretationssache, ob sie zum Stadtgebiet zählen oder nicht. Weil ich mich mit französischem, portugiesischem und australischem Kommunalrecht nicht auskenne, tue ich mich schwer, für jedes Turnier ein abschließendes Urteil zu fällen.

Die Grand-Slam-Turniere, so viel ist klar, sind alle dort zu Hause, wo man es vermutet. Die Australian Open in Melbourne, die French Open in Paris, Wimbledon in London und die US Open in New York. Auch die meisten Masters-Turniere mogeln bei ihren Namen nicht. Madrid in Madrid, Rom in Rom usw. Auch Indian Wells finden in Indian Wells statt, einem 4000-Einwohner-Kaff in der kalifornischen Wüste unweit von Palm Springs und rund 150 Kilometer südöstich von Los Angeles. Dass das Turnier von Miami in Key Biscayne stattfindet, wissen viele. Die Insel Key Biscayne gehört aber zum Stadtgebiet von Miami. Dort ist also alles im Lot. Das Masters von Cincinnati indes findet eindeutig nicht in Cincinnati statt, sondern in einer 22.000 Einwohner zählenden Vorstadt namens Mason, Ohio.

Wenden wir uns kurz der nächstkleineren Turnierkategorie zu, den 500er-Turnieren. Ich bin die Webseiten durchgegangen und habe mir die Wegbeschreibungen zu den Stadien angesehen. Meines Erachtens sind alle elf Stadien in der Stadt, die dem jeweiligen Turnier den Namen gibt. Für den Hamburger Rothenbaum lege ich in diesem Zusammenhang sogar meine Hand ins Feuer.

Das gilt auch für die vier deutschen 250er-Turniere in München, Stuttgart, Halle/Westfalen und Düsseldorf. Weltweit gibt es bei den 250er-Turnieren mindestens zwei Ausreißer: Estoril und Montpellier.

Das Seebad Estroil westlich von Lissabon ist ja auch wegen seiner Motorrenstrecke bekannt, auf der auch Formel-1-Rennen ausgetragen werden. Das Tennisturnier von Estoril indes wird nicht in Estoril ausgetragen, sondern im für portugiesische Ohren wohl weniger glamourös klingenden Nachbarort Oeiras.

Die „Arena Montpellier“ in Pérols unweit des Flughafens von Montpellier kann man sich vielleicht noch irgendwie ins Stadtgebiet von Montpellier definieren, ich neige aber zu der Aussage: Pérols gehört nicht zu Montpellier. Der Ort zählt lediglich zur „Communauté d’agglomération Montpellier Agglomération“. Schauen wird uns die Definition der französischen „Communauté d’agglomération“ an, stellen wir fest: Dies sind Gemeindeverbände, die sogar Gemeinden umfassen können, die zu verschiedenen Départements gehören. Und wenn ich einen Brief nach Pérols schreiben will, schreibe ich Pérols auf den Umschlag und nicht Montpellier. Also: Das ATP-Turnier von Montpellier ist nicht in Montpellier.

Noch etwas komplizierter ist es in Australien. Das Stadion, in dem das Turnier von Brisbane stattfindet, ist in Tennyson. Das Örtchen liegt sieben Kilometer außerhalb von Brisbane und hat seinen Namen nicht wegen des Tennis-Turniers, sondern es ist nach einem Dichter namens Alfred Tennyson benannt. Tennyson gehört allerdings zur „Local government area“ von Brisbane.

Ziemlich schräg ist die Sache in Sydney. Dort findet das Tennisturnier auf der Olympia-Anlage von 2000 statt. Diese Olympia-Anlage wurde in einem Vorort namens Homebush Bay errichtet, der mittlerweile nicht mehr Homebush Bay heißt, sondern „Sydney Olympic Park“. Er gehört zur „Local government area" von Auburn Council. Ob nun Auburn im engeren Sinne zur Stadt Syndey gehört, das übersteigt meine Urteilskraft. Falls nein, dann hätten möglicherweise auch die Olympischen Spiele 2000 überwiegend nicht in Sydney stattgefunden.

Aber zurück nach Monte Carlo. Die Franzosen haben ihr Heimspiel gegen die USA also nicht im Ausland ausgetragen. Die Monegassen indes, die spielen ihre Davis-Cup-Heimspiele ebenfalls im Monte Carlo Country Club in Roquebrune. Und für die ist das eindeutig im Ausland.

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