Sonntag, 1. April 2012

Der World Team Cup lebt immer noch

Auch in diesem Jahr wird es wieder einen ATP-Mannschaftsweltmeister geben. So selbstverständlich ist das nicht. Wir erinnern uns: Anfang 2011 sah es so aus, als würde der offizielle Länderwettkampf, der World Team Cup in Düsseldorf, der Geschichte angehören. Der Hauptsponsor, ein traditionsreiches rheinisches Versicherungshaus, war abgesprungen. Als die Veranstaltung schon so gut wie abgeblasen war, kam die Rettung in Form eines österreichischen Energy-Drinks, bei dem es sich nicht um Red Bull handelte, sondern um ein Konkurrenzprodukt.
Allerdings zunächst nur für ein Jahr. Weil das Publikumsinteresse 2011 nicht größer als in den Vorjahren war, stand es zunächst in den Sternen, ob der neue Sponsor sein Engagement fortsetzen würde.

Er hat es aber getan. Düsseldorf steht auch 2012 auf dem ATP-Turnierkalender. Wie immer in der Woche vor den French Open, vom 20. bis zum 26. Mai. Damit, dass der Titel „Weltmeisterschaft“ angesichts des eher mäßigen Teilnehmerfeldes etwas hochgestapelt klingt, haben wir uns im vergangenen Jahr zur Genüge beschäftigt. Schauen wir uns einfach mal das diesjährige Teilnehmerfeld an, das der Veranstalter in dieser Woche bekanntgegeben hat. Es ist zumindest nicht schwächer als im vergangenen Jahr. Mit Tomas Berdych (Tschechien), Janko Tipsarevic (Serbien) und Mardy Fish (USA) sind drei aktuelle Top-10-Spieler dabei. Mit Florian Mayer (Deutschland) ein weiterer Top-20-Spieler. Und weil die Wild Card für das achte Team noch nicht vergeben ist, kann theoretisch noch ein weiterer Star hinzustoßen.

Direkt qualifiziert sind die sieben Länder mit den besten Einzel-Spielern auf der Weltrangliste. Dafür werden die Ranglistenpositionen der Nummer 1 und der Nummer 2 eines jeden Landes addiert. Ausschlaggebend ist die Rangliste nach Ende der vergangenen Saison. Das ist in diesem Fall die Rangliste vom 5. Dezember 2011.

Die Zeiten, in denen alle qualifizierten Nationalmannschaften auch tatsächlich anreisten nach Düsseldorf, sind lang vorbei. Rafael Nadal samt ganz Spanien sagen ebenso regelmäßig ab wie Roger Federer samt der gesamten Schweiz.

Theoretisch qualifiziert wären die folgenden sieben Länder. Die Länder in Rot haben abgesagt. Nur drei Absagen - das kann sich im Vergleich zu den Vorjahren absolut sehen lassen.

1. Spanien (Nadal 2/Ferrer 5) 7
2. Serbien (Djokovic 1/Tipsarevic 9) 10
3. Frankreich (Tsonga 6/Simon 12) 18
4. Schweiz (Federer 3/Wawrinka 17) 20
5. USA (Fish 8/Roddick 14) 22
6. Tschechien (Berdych 7/Stepanek 28) 35
7. Argentinien (Del Potro 11/Monaco 26) 37

Es rücken nach:
8. Deutschland (Haas 20*/Mayer 23) 43
9. Kroatien (Cilic 21/Ljubicic 30) 51
10.Russland (Juschni 35/Tursunov 40) 75

Diese Teams und diese Spieler haben zugesagt (in Klammer jeweils die aktuelle Weltranglistenposition):

Argentinien: Juan Ignacio Chela (32), Carlos Berlocq (37)
Kroatien: Marin Cilic (23), Ivo Karlovic (54), Ivan Dodig (60)
Tschechien: Tomas Berdych (7), Radek Stepanek (25)
Deutschland: Florian Mayer (19), Philipp Kohlschreiber (35), Philipp Petzschner (76)
Russland: Alex Bogomolov (39), Dmitri Tursunov (65)
Serbien: Janko Tipsarevic (9), Viktor Troicki (27), Nenad Zimonjic (6 im Doppel)
USA: Mardy Fish (8), Andy Roddick (34), James Blake (69)

In früheren Jahren waren die Teams unabhängig davon, ob die Spitzenspieler tatsächlich antanzen, qualifiziert. Das hat sich inwischen geändert. Ausschlaggebend ist nun die Ranglistenposition der Spieler, die tatsächlich mitmachen wollen beim World Team Cup. Damit ist die Schweiz ohne Roger Federer aus dem Rennen. Ihn würde als nationale Nummer drei die Nummer 178 der Welt, Marco Chiudinelli, ersetzen. Spanien und Frankreich indes qualifiziert auch ohne die Top-10-Spieler Nadal, Ferrer und Tsonga. Aber die Motivation der Südeuropäer, den Mai im regnerischen Deutschland zu verbringen, scheint nicht sehr ausgeprägt, zumal parallel ein ganz normales ATP-Turnier in Nizza stattfindet. Die Argentinier immerin sind mit dabei, wenn auch nicht mit Juan Martin del Potro und Juan Monaco, sondern mit der zweiten Garde in Form von Juan Ignacio Chela und Carlos Berlocq. Serbien zählt auch ohne Novak Djokovic zum Favoritenkreis. Alles in allem sieht es nach einem sehr ausgeglichenen Teilnehmerfeld aus. So gut wie jeder Mannschaft ist der Titel zuzutrauen. Den Amis am wenigsten, weil sie ungern auf Sand spielen. Den Russen auch nicht, weil sie kein Doppel können und Bogomolov, der erst seit dieser Saison für sein Geburtsland aufschlägt, eigentlich auch Ami ist und ebenfalls nicht auf Sand spielen kann.

Hier die offizielle Internetseite des World Team Cups

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