Montag, 12. März 2012

Mit Petko/Petzsche auf Medaillenkurs

Neulich war der 29. Februar, woraus wir lernen, dass wir uns in einem Schaltjahr befinden. Schaltjahr bedeutet bekanntlich: Es finden Olympische Sommerspiele statt. Vier Monate haben wir noch, bis es in London losgeht. Nur drei Wochen nach dem Wimbledon-Finale spielen die Tennisprofis schon wieder in Wimbledon – dann um olympisches Edelmetall. Und es gibt eine neue olympische Disziplin: das gemischte Doppel.

Darüber habe doch neulich schon einmal was geschrieben, schwante mir, als ich in dieser Woche darüber nachdachte, dieses Thema einmal aufzugreifen. Aber dann stellte ich fest: Das ist mehr als zwei Jahre her, und es handelte sich um Vorüberlegungen allgemeiner Art.

Langsam können wir anfangen zu spekulieren, wer denn Wohl Olympiasieger im Mixed werden wird. Teilweise wird sich das nämlich schon weit vor dem ersten Ballwechsel entscheiden. „Dabeisein ist alles“, gilt bei Olympia zwar schon lange nicht mehr, aber im gemischten Doppel gilt: Dabeisein ist die halbe Miete. Es werden nur 16 Teams an den Start gehen. Zwölf qualifizieren sich über die Weltrangliste, dazu gibt es vier Wild-Card-ähnliche Zusatzplätze, die vom Tennis-Weltverband ITF vergeben werden und außer an Großbritannien vermutlich an Länder wie Japan oder Südafrika gehen werden, um das Teilnehmerfeld erdteilgerecht zu quotieren.

Es geht also gleich mit dem Achtelfinale los. Mit zwei Siegen ist man schon im Halbfinale und mithin ganz dicht an einer Medaille.

Die gute Nachricht aus nationaler Sicht: Deutschland wird wohl einen der zwölf Startplätze abbekommen – nicht nur wenn das nominell bestmögliche Duo Andrea Petkovic (Nr. 10 im Einzel) und Philipp Petzschner (Nr. 15 im Doppel) sich zusammenfinden sollte. Die beiden würden definitiv zu den Medaillenkandidaten zählen.

Die Qualifikation fürs olympische Mixed-Turnier funktioniert ganz ähnlich wie für jede normale Doppelkonkurrenz auf der ATP-Tour, nur dass halt jeweils eine Frau und ein Mann, die aus demselben Land kommen, gemeinsam antreten. Die Weltranglistenpositionen der beiden werden addiert, dabei zählt entweder die Einzel- oder die Doppel-Weltrangliste – je nachdem, auf welcher Liste der Spieler oder die Spielerin besser platziert ist. Stichtag ist sechs Wochen vor Turnierbeginn, also der 11. Juni – die Weltrangliste unmittelbar nach den French Open. Es dürfen nur Leute mitmachen, die auch im Einzel oder im gleichgeschlechtlichen Doppel für Olympia nominiert sind.

Nehmen wir die die Weltrangliste von dieser Woche zur Grundlage, (die sich bis Juni natürlich ändern wird), wären folgende zwölf Doppel qualifiziert:

1. USA 2 (Liezel Huber (D1)/Bob oder Mike Bryan (D1))
2. Weißrussland 4 (Viktoria Azarenka (E1)/Max Mirnyi (D3))
3. Tschechien 10 (Petra Kvitova (E3)/Tomas Berdych (E7))
4. Frankreich 12 (Marion Bartoli (E7)/Michael Llodra (D5))
5. Indien 14 (Sanya Mirza (D7)/Leander Paes (D7))
6. Serbien 15 (Jelena Jankovic (E14)/Novak Djokovic (E1))
7. Polen 18 (Agnieszka Radwanska (E5)/Mariusz Fyrstenberg (D13)
8. Argentinien 22 (Gisela Dulko (D13)/Juan Martin del Potro (E9))
9. Deutschland 25 (Andrea Petkovic (E10)/Philipp Petzschner (D15)
10. Spanien 28 (Anabel Medina Garriugues (E26)/Rafael Nadal (E2)
11. Russland 37 (Maria Scharapowa (E2)/Michail Juschni (E35))
12. Slowakei 38 (Dominika Cibulkova (E17)/Filip Polasek (D21))

Das Problem für die Slowaken ist, dass Filip Polasek möglicherweise gar nicht fürs Herren-Doppel (und fürs Einzel sowieso nicht) qualifiziert sein wird, was ja die Voraussetzung für einen Start im Mixed wäre. Reine Doppelspezialisten sind nämlich nur dann sicher dabei, wenn sie unter den Top 10 der Rangliste stehen. Andernfalls brauchen sie einen starken Doppelpartner aus dem eigenen Land. Die slowakische Nr.2 Michal Mertinak (D 51) könnte sich als zu schlecht platziert erweisen. Außerdem haben die Franzosen ein Problem. Marion Bartoli liegt im Clinch mit den nationalen Tennisverband und weil sie auch nicht im Fed-Cup für Frankreich zu spielen bereit ist, wird sie wohl nicht für die Olympischen Spiele nominiert werden. Die zweitbeste Französin im Ranking rangiert jenseits von Platz 60 - keine gute Chance für eine Mixed-Qualifikation.

Platz 11 und 12 gingen also eventuell an

13. Rumänien 39 (Monica Niculescu (E29)/Horia Tecau (D10))
14. Australien 42 (Samantha Stosur (E6)/Bernard Tomic (E36)

… aber halt nur, wenn Tecau bis Juni nicht auf Platz 11 abrutscht. Ansonsten folgt

15. Belgien 50 (Yanina Wickmayer (E24)/Xavier Malisse (E26))

Weitere Ersatzkandidate wären:

16. Italien 59 (Francesca Schiavone (E11)/Andreas Seppi (D46)
17. Österreich 65 (Tamira Paszek (E49)/Jürgen Melzer (D16)
18. Schweden 65 (Sofia Arvidsson (E56)/Robert Lindstedt (D9)
19. Großbritannien 66 (Elena Baltacha (E62)/Andy Murray (E4)
20. Schweiz 67 (Romina Oprandi (E64)/Roger Federer (E3)

Nun ist natürlich nicht gesagt, dass genau die Paare, die auf dieser Liste stehen, auch antreten werden. Dass Rafael Nadal Mixed spielt, halte ich zum Beispiel für sehr unwahrscheinlich. Auch die Serben werden wohl eher Nenad Zimonjic (Nr. 6 im Doppel) auf den Platz schicken als Novak Djokovic.

Um eine ungefähre Vorstellung zu haben, mit welchen Paarungen wir zu rechnen haben, lohnt ein Blick auf die letzten großen Mixed-Turniere, derer es ja nicht gerade viele gibt. Mixed spielen die Profis praktisch nur bei den Grand Slams und beim Hopman-Cup in Perth, der Mixed-WM kurz vor den Australian Open.

Der Hopman-Cup ist besonders interessant, weil hier – wie bei Olympia – Nationalmannschaften antreten. Gewinner in diesem Januar war Tschechien mit Petra Kvitova und Tomas Berdych. Dieses Duo steht auch auf der Liste oben – mit den beiden dürfen wir auch in London ziemlich sicher rechnen, denke ich. Finalist beim Hopman-Cup war Frankreich mit Marion Bartoli und dann aber nicht wie oben auf der Liste mit Michael Llodra, sondern mit Richard Gasquet (E16). Auch dieses Duo wäre locker qualifiziert, wäre also eine denkbare Option. Für Spanien spielte in Perth Fernando Versdasco (E19) an der Seite von Anabel Medina Garriugues.

Sowohl bei den Australian Open als auch im vergangenen Jahr bei den US Open trat das rein argentinische Mixed Gisela Dulko/Eduardo Schwank (D30) an. Aus Indien dürfen wir wie bei den Austalian Open statt mit Leander Paes eventuell mit Mahesh Bhupati (D12) an der Seite von Sania Mirza rechnen, aber – siehe oben – nur, wenn Bhupati bis Juni noch von Platz 12 auf Platz 10 klettert.

Und was die möglichen deutschen Kombiantinen angeht: Nach Stand der Dinge wäre jede Verbindung denkbar, deren kombinierte Weltranglistenpositionen besser als 42 ist. Da geht ziemlich viel. Eigentlich alle erdenklichen Kombinationen mit Andrea Petkovic (E10), Sabine Lisicki (E13), Julia Görges (E15) oder Angelique Kerber (E19) einerseits und Philipp Petzschner (D15), Florian Mayer (E18) oder Christopher Kas (D18) andererseits. Philipp Kohlschreiber (E34) antreten sollte, müsste man ein wenig rechnen, aber zumindest im Schlepptau von Andrea Petkovic könnte vielleicht auch Kohli qualifiziert sein, zumal ich mir vorstellen kann, dass die traditionell doppelfaueln Russen ihren Platz im 16er-Feld gar nicht in Anspruch nehmen werden. Petko, kann ich mir vorstellen, würde aber wohl eher Petzsche wählen.

Hier die olympischen Nominierungskriterien (PDF)

Keine Kommentare:

Beliebte Posts

Impressum

Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de