Sonntag, 18. März 2012

Gonzo und Ljubo treten ab

In Chanty-Mansijsk, 4000 Kilometer von hier im fernen Sibieren, hat heute Magdalena Neuner ihre goldene Biathlon-Karriere beendet. Hätte sie den Ort frei wählen können, es wäre wohl ein anderhttp://www.blogger.com/img/blank.gifer gewesen. In Chanty-Mansijsk ging die Weltcup-Saison zu Ende, und im Wintersport ist es – wie im Fußball und in vielen anderen Disziplinen – nicht üblich, mitten in der Saison aufzuhören. Im Tennis ist das anders. Da kann man überall und immer den Schläger an den Nagel hängen, wenn man spürt, dass es an der Zeit ist.

In der nächsten Woche beginnt das Masters-Turnier von Key Biscayne (Miami). Es wird das letzte Turnier für Fernando Gonzalez sein. Mitte April steht das Masters von Monte Carlo auf dem Kalender. Es wird das letzte Turnier für Ivan Ljubicic sein.

Gonzo kam bis auf Platz 5 der Weltrangliste, Ljubo bis auf Platz 3. Beide haben keine große Tennisgeschichte geschrieben, aber sie haben uns in den letzten zehn Jahren kontinuierlich begleitet, so dass wir ihnen heute einen gebührenden Abschiedsartikel widmen.

Dass Fernando Gonzalez seine Karriere beendet, hat nicht mehr wirklich überrascht. Der Chilene ist zwar erst 31 Jahre alt, schlägt sich aber seit langem mit langwierigen Verletzungen herum. Im Moment scheint er wieder einigermaßen fit zu sein, neulich beim 250er-Turnier in Buenos Aires kam er ins Viertelfinale. In Miami wird er in der ersten oder zweiten Runde ausscheiden. Zu mehr reicht es wohl nicht mehr bei ihm. Gonzo wird fehlen auf der Tour. Nicht nur weil er stets sehr unterhaltsam gespielt hat und nie – wie viele andere Profis aus der spanischsprachigen Welt – davon lebte, einfach mit voller Wucht auf den Ball zu prügeln. Auch sein strahlendes Gesicht wird fehlen. Gonzo sah man immer an, dass er Freude am Tennis hatte. Er wirkte auf dem Platz fast so fröhlich wie sonst nur Claudio Pizarro.



Darin unterscheidet er sich von Ivan Ljubicic. Der kann durchaus furchteinflößend wirken, wenn er auf dem Platz steht. Ich erinnere mich – es war die Zeit, als Ljubo im Zenit stand – wie er über die Anlage am Hamburger Rothenbaum zum Trainingsplatz ging. Kurz zuvor war Roger Federer gut abgeschirmt von mehreren sonnenbebrillten Begleitern vorbeikommen. Ljubicic kam ganz allein. Ein Fan bemerkte treffend: „Ljubicic braucht keine Security. Der ist seine eigene Security.“ Ljubo war auf dem Platz nie eine elegante Elfe, aber für kroatische Verhältnisse, wo man sich ja sonst weitestgehend auf den Aufschlag beschränkt, ist er ein ausgesprochen vielseitiger Spieler. Und er ist jemand, der über den Tellerrand blickt: Er war jahrelang Präsident der ATP-Spielervertretung. Ljubicic wird im April 33 Jahre alt und ist damit ein Stück älter als Gonzalez. Trotzdem war es ziemlich überraschend, dass er plötzlich sein Karriereende verkündet. Er hat keine Verletzungsprobleme, und in der aktuellen Weltrangliste steht er auf Platz 40, womit er bei praktisch jedem Turnier fürs Hauptfeld qualifiziert ist. In den nächsten Wochen hat er ein paar Punkte zu verteidigen, aber weiter als bis Platz 60 sollte ihn das nicht zurückwerfen.

Weder Gonzalez noch Ljubicic haben das große Ziel erreicht, einmal ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Ljubicics größter Erfolg war der Davis-Cup-Gewinn, zu dem er die kroatische Mannschaft 2005 (mit Niki Pilic als Kapitän) führte. Fernando Gonzalez erreichte 2007 das Endspiel der Australian Open. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking holte er die Silbermedaille. 2004 in Athen gewann er zusammen mit Nicolas Massu Gold im Doppel – und Bronze im Einzel.

Bronze in Athen gewann auch Ljubicic – im Doppel an der Seite von Mario Ancic. Somit dürfen wir resümieren, dass nun die „Generation Athen“ abtritt. Nur Einzel-Silbermedaillengewinner Mardy Fish (USA) ist noch da. Massu, der damals auch Gold im Einzel holte, darf man inzwischen wohl cum grano salis aus Hobbyspieler bezeichnen. Er vertreibt sich die Zeit inzwischen damit, mit Wild Cards an südamerikanischen Challenger-Turniere teilzunehmen und steht auf Platz 540. Mario Ancic musste seine Laufbahn schon in jungen Jahren beenden. Doppel-Silbermedaillen-Gewinner Nicolas Kiefer trat vor einem guten Jahr ab – sein Partner Rainer Schüttler, nun, der ist offiziell noch nicht zurückgetreten, aber das dürfte nur noch eine Frage von Wochen sein. Er sagt ja schon im Januar, dass die Australian Open eventuell sein letztes Turnier gewesen sein könnten. Seither ist sein Name auf keiner Meldeliste irgendeines anderen Turniers mehr aufgetaucht.


Fotos: Wikipedia (Charlie Cowins,Phil98)

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