Sonntag, 25. März 2012

Daniel Köllerer: Das Zornbinkerl bleibt gesperrt

Ob sich wohl Joachim Gauck jemals zur emotionalen Verfassung eines deutschen Tennisprofis, der in der Rangliste irgendwo um Platz 100 herumschleicht, äußern wird? Man darf skeptisch sein. In Österreich hingegen, da gehen die Uhren anders. Bundespräsident Heinz Fischer, so kolportiert es zumindest die seriöse Wiener Tageszeitung „Die Presse“, hat einmal Daniel Köllerer als „Zornbinkerl“ beschrieben, was sich ins Deutsche wohl mit „ungezogenes AD(H)S-Kind“ übersetzen ließe.

Daniel Köllerer ist immer wieder für eine Schlagzeile gut gewesen in den vergangenen Jahren. Meistens, weil er irgendwen beschimpft hatte, sei es ein Gegner, ein Linienrichter oder ein Zuschauer. Einmal auch, weil in jemand, und zwar ein anderes österreichisches Zornbinkerl, beim Seitenwechsel würgte, oder zuletzt, weil er irgendwas mit Wettmanipulation zu tun gehabt haben soll.

Jetzt aber sieht es so aus, als würde die Akte Köllerer für immer geschlossen. Der internationale Sportgerichtshof CAS hat die lebenslange Sperre, die die „Tennis Integrity Unit“ vor neun Monaten gegen ihn verhängte, bestätigt. Die Urteilsbegründung ist so vage geblieben wie im ersten Urteil. Er soll Spieler zur Wettmanipulation angestiftet haben. Niemand außer den Beteiligen selbst weiß, wen. Man kann nur vermuten, dass der Anstiftung keine Taten gefolgt sind, denn es gibt keine Spieler, die wegen tatsächlicher Wettmanipulation im fraglichen Zeitraum zwischen Oktober 2009 und Juli 2010 zur Rechenschaft gezogen worden wären.
Die Sachlage ist heute also genau so, wie im letzten Juni beschrieben. Sicher scheint inzwischen, dass es sich bei einem der Spieler, die gegen Köllerer aussagten, um den überführten Dopingsünder Wayne Odesnik handelt, dessen zweijährige Sperre daraufhin halbiert wurde und der sich inzwischen wieder auf dem Weg in die Top 100 befindet.

Köllerer selbst ist seit langer Zeit auf Tauchstation. Auf seiner einst sehr regen Webseite hat sich seit über einem Jahr nichts gerührt. Tröstlich dürfte für ihn sein, dass der CAS die Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dollar aufgehoben hat, die die „Tennis Integrity Unit“ zusätzlich zur lebenslangen Sperre verhängt hatte. Die Begründung, Köllerer habe sich nicht persönlich bereichert, macht die ganze Angelegenheit nicht weniger rätselhaft. Demnach hat er also selber keine Spiele manipuliert, sondern lediglich andere Spieler erfolglos angestiftet, dies zu tun, und das ohne eigenes finanzielles Interesse. Bleibe am Ende nicht mehr als ein paar blöde Sprüche übrig, die das Zornbinkerl seinen Gegner zugefaucht hat? Die für ihre Intransparenz berüchtigte Sportgerichtsbarkeit täte gut daran, ein so drastisches Urteil mit etwas mehr Fakten zu begründen.

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