Sonntag, 19. Februar 2012

Loblied auf Björn Phau

Preisfrage: Was unterscheidet den Darmstädter Tennisprofi Björn Phau von den folgenden 13 Altmeistern: Arnaud Clement, Nikolai Dawidenko, Roger Federer, Juan Carlos Ferrero, Lleyton Hewitt, Michael Llodra, Jürgen Melzer, Albert Montanes, David Nalbandian, Jarkko Nieminen, Ruben Ramirez-Hidalgo, Andy Roddick und Rainer Schüttler?

Alle anderen waren mal und sind noch Top-20-Spieler? Nein, Ramirez-Hidalgo stand nie auch nur annähernd so weit vorn in der Rangliste, und auch Montanes schaffte es nur bis Platz 22. Llodra bis Platz 21.

Der Unterschied zwischen den 13 auf der Liste und Björn Phau liegt in der Woche vom 24. bis zum 31. März 2008. Jene Woche ist die einzige der vergangenen zehn Jahre, in der Björn Phau nicht unter den besten 200 Spielern der Weltrangliste stand. Die anderen 13 sind die einzigen Spieler, die sich seit Februar 2002 ununterbrochen da oben halten.

Wenn wir uns jene Woche im Frühjahr 2009 wegdenken, ist Björn Phau also so konstant wie sonst fast nur Profis, die es zu echter Weltklasse gebracht haben. Es wird Zeit, dass wir an dieser Stelle endlich mal ein Loblied auf Björn Phau singen. Wenn ich meine bisherigen Artikel durchgehe, muss ich feststellen, dass ich Björn Phau bisher ungefähr einmal im Jahr erwähnt habe und immer nur am Rande. Er erregt ja auch nie viel Aufsehen. Er hat nie ein Endspiel auf der ATP-Tour erreicht und auch nur eine sehr überschaubare Zahl von Halbfinals in Casablanca und in Tokio. Er spielte nie im Davis-Cup. Er hat 21 Mal im Einzel an Grand-Slam-Turnieren teilgenommen. Davon schied er 16 Mal in der ersten Runde aus und fünf Mal in der zweiten. Im Frühjahr 2006 stand er mal in vielen Zeitungen, als er in Dubai gegen Andre Agassi gewann. Der war damals aber schon auf seiner Abschiedstour, und es wunderte niemanden mehr, wenn er mal ein Match gegen einen Spieler verlor, den niemand kannte. In demselben Jahr erreichte Phau zusammen mit Alexander Peya im Doppel das Viertelfinale der French Open, aber sowas steht in fast keiner Zeitung.

Schon als Björn Phau Ende der 1990er Mitglied in Boris Beckers hoffnungsvollem und hochgejubeltem „Mercedes Junior Team“ wurde, beachtete ihn fast niemand. Alle Augen waren auf Nicolas Kiefer gerichtet und – des Vornamens wegen – auf einen gewissen Boris Bachert, von dem nie wieder jemand was hörte.

Björn Phau ist immer noch da. Mittlerweile ist er 32 Jahre alt, und es sieht nicht so aus, als sollte er in absehbarer Zeit von der Bildfläche verschwinden mit seinen schnellen Beinen und seiner sicheren Vorhand. Heute hat er das Challenger-Turnier von Bergamo gewonnen. Nach Heilbronn ist das schon sein zweiter Challenger-Titel in diesem Jahr. In der Rangliste klettert er damit morgen von Platz 132 auf ungefähr Platz 110. Weil er in den kommenden Monaten kaum Punkte zu verteidigen hat, wird er wahrscheinlich bald wieder unter den ersten 100 stehen und direkt für die Hauptfelder von Roland Garros und Wimbledon qualifiziert sein. Seine Grand-Slam-Einzel Nummer 22 und 23. Weiter als in die zweite Runde wird er wieder nicht kommen.

Hier die Ergebnisse aus Bergamo von dieser Woche (PDF)

Und hier das ATP-Profil von Björn Phau

Kommentare:

noko hat gesagt…

Mir ist Björn Phau ziemlich sympathisch, auch wenn man ihn leider so selten sieht, weil er primär auf der Challengertour spielt.

Aber mal eine Frage: Hast du dir echt die Mühe gemacht, die Ranglisten von 2008 bis heute durchzuschauen, um zu sehen, ob da nicht doch einer mal eine Woche außerhalb der Top 200 stand?

Zack hat gesagt…

Das mit der Statistik war relativ einfach: Ich hab mir die Rangliste vom Februar 2002 angesehen und mir von der relativ überschaubaren Zahl der damaligen Top-200-Spieler, die heute noch aktiv sind, die "Ranking History" auf der ATP-Seite angesehen. Das geht mit zwei Klicks ganz flott.

Hier ist - als Beispiel - die Ranking History von Björn Phau:

http://www.atpworldtour.com/Tennis/Players/Ph/B/Bjorn-Phau.aspx?t=rh

VIPer7 hat gesagt…

Da ist der Herr Phau ja wirklich in illustrer Gesellschaft. Sehr schöne Statistik, danke für's Zusammenstellen!

Ich wollte mich schon beschweren, dass Hewitt doch letztes Jahr aus den Top 200 rausgefallen ist, aber er hat tatsächlich im September 2011 ne Punktlandung auf Platz 200 gemacht und ist danach wieder höher geklettert :D

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