Sonntag, 5. Februar 2012

Davis-Cup: Argentinien ist schlagbar

Florian Mayer (Nr. 21), Philipp Kohlschreiber (Nr. 33), Philipp Petzschner (Nr. 56) und – Tommy Haas (Nr. 170). Das ist das deutsche Davis-Cup-Team für die Erstrundenbegegnung gegen Argentinien am kommenden Wochenende. Tommy Haas ist also nach vier Jahren Unterbrechung tatsächlich wieder an Bord, nachdem er sich im vergangenen Jahr einmal selbst in Gespräch gebracht hat. Dafür musste Christopher Kas, der in letzter Zeit meistens zum Team gehörte und im Doppel mal zum Einsatz kam und mal nicht, draußen bleiben. Ob Haas wirklich stark genug ist, um dem deutschen Team weiterzuhelfen? Ich bin da skeptisch. Nach langer Verletzungspause ist er seit einem guten halben Jahr wieder auf der Tour unterwegs. Sein einziges einigermaßen gutes Ergebnis war die dritte Runde bei den US Open. Er hat seitdem nur ein einziges Mal einen Spieler geschlagen, der unter den ersten 50 stand. Das war immerhin ein argentinischer Davis-Cup-Spieler, nämlich Juan Ignacio Chela (Wien, erste Runde) – aber ob das allein reicht, Haas nun auch im Davis-Cup aufzubieten? Man könnte glatt den Verdacht haben, Kapitän Patrik Kühnen hat Haas in erster Linie deshalb nominiert, um den Kartenvorverkauf anzukurbeln. Sein Name ist eben noch immer klangvoller als der der anderen Davis-Cup-Spieler.

Setzen wir mal voraus, dass Haas – zumindest im Einzel, solange die Begegnung noch nicht entschieden ist – ohnehin nicht zum Einsatz kommt. Dann gibt es eigentlich keinen Grund für allzu großen Pessimismus. Auf den ersten Blick mag Argentinien als Vorjahres-Finalist als Favorit erscheinen. Aber Argentinien ist schlagbar. In der Stechert-Arena von Bamberg wird ein Sandplatz aufgeschüttet – und das hat zur Folge, dass Argentiniens Spitzenspieler Juan Martin del Potro der Halle fernbleibt, weil er seine Vorbereitung auf die bevorstehende US-amerikanische Hartplatz-Saison nicht unterbrechen möchte. Die verbleibenden Argentinier sind auch nicht besser als die Deutschen. Da hätten wir den bereits erwähnten Juan Ignacio Chela (Nr. 25), Juan Monaco (Nr. 29), David Nalbandian (Nr. 86) und Eduardo Schwank (Nr. 157).

Gehen wir mal davon aus, dass Kapitän Martin Jaite im Einzel Monaco und Chela aufstellen wird. Nalbandian ist zwar ein exzellenter Hallen-Spieler, auf Sand aber eigentlich keine Alternative. Monaco spielt, während ich dies schreibe, gerade das Finale des 250er-Sandplatzturniers von Vina del Mar in Chile gegen Carlos Berlocq, einen weiteren, aber nicht nominierten, Argentinier, der seinerseits im Halbfinale gegen Chela gewann.

Monaco hat gerade erst bei den Australian Open gegen Philipp Kohlschreiber verloren. Das war zwar nicht auf Sand, aber Monaco ist Kohlschreiber in bestechender Form in die Saison gestartet: Halbfinale in Auckland, Achtelfinale bei den Australian Open und in dieser Woche Halbfinale in Montpellier. Wenn er so weitermacht, schlägt er – zumal in einem Heimspiel - nicht nur Monaco, sondern auch Chela. So optimistisch bin ich einfach mal. Das wären schon mal zwei der drei für einen Sieg nötigen Punkte. Dann kommt Florian Mayer. Der Mann ist im Moment eine noch größere Wundertüte als sowieso schon. Beim letzten World-Team-Cup hat er Deutschland mit drei Siegen (unter anderem gegen Monaco!) zum Titel geführt. Lange Zeit war er im Davis-Cup hart an der Grenze zum Totalausfall. Er kam nervlich nicht sonderlich gut damit zurecht, für sein Land spielen zu müssen. Letztes Jahr hat er zweimal in fünf Sätzen verloren, allerdings gegen starke Gegner: Marin Cilic (Kroatien) und Richard Gasquet (Frankreich). Überhaupt, die Sache mit den Fünf-Satz-Matches, die es ja nur im Davis-Cup und bei Grand Slams gibt. Die liegen Flo nicht besonders. Ich glaube, das ist weniger eine Konditions- als eine Konzentrationssache. Wenn Flo im Flow ist, zirkelt er seine Slices zentimetergenau übers Netz. Sowas kann man gar nicht fünf Sätze am Stück durchhalten, das schaffe ich nicht einmal als Zuschauer. Da muss ich zwischendurch rausgehen und durchatmen. Das geht natürlich nicht, wenn man selber auf dem Platz steht.

Und dann war Florian Mayer ja zuletzt auch noch verletzt und musste die Australian Open ausfallen lassen. In Montpellier diese Woche ist er in der zweiten Runde gegen Nicolas Mahut ausgeschieden. Keine Ahnung, ob Resultat das viel über seine aktuelle Form aussagt.

Vielleicht gewinnt Flo ja eines seiner beiden Matches in weniger als fünf Sätzen. Und wenn nicht, haben wir ja immer noch das Doppel. Da allerdings sehe ich die Argentinier als Favoriten, denn die haben Eduardo Schwank, der immer dann, wenn es drauf ankommt, ein überragender Doppelspieler ist. Chela/Schwank sind sogar ein eingespieltes Team. Und Nalbandian/Schwank haben im Davis-Cup-Finale das Doppel gegen die Spanier Lopez/Verdasco locker gewonnen.

Philipp Petzschner hat zwar bei den Australian Open mit seinem österreichischen Partner Jürgen Melzer gegen Chela/Schwank gewonnen. Aber Melzer spielt im Davis-Cup ja woanders (nämlich in Wiener Neustadt gegen Russland). Deutschlands nominell zweibester Doppelspieler Christopher Kas musste Platz machen für Tommy Haas. Haas übrigens ist gar kein schlechter Doppelspieler. Er tritt nur höchst selten zu regulären Turnieren an, und wenn, schenkt er meist in der zweiten Runde ab. Haas/Petzschner haben erst ein einziges Mal gemeinsam Doppel gespielt – und verloren. Das war letztes Jahr bei den French Open. Das Match ging immerhin in den dritten Satz und es war gegen das indische Weltklasseduo Bhupati/Paes. Einen zweiten Versuch wäre es also vielleicht wert.

Hier alle Davis-Cup-Begegnungen im Überblick

Kommentare:

Zack hat gesagt…

Tja, jetzt ist Kohli krank und die ganze schöne Prognose hat sich erledigt.

faya hat gesagt…

allerdings finde ich die behauptung, dass nalbandian auf sand "keine alternative" sei, doch etwas daneben für einen zweifachen french-open-halbfinalist und 4-fachen sand-turniersieger. zumal es davis cup ist und nalbandian da immer spielt, egal wo es stattfindet und egal auf welcher ranglistenposition er sich befindet.

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