Sonntag, 29. Januar 2012

Tennisspieler für das Dschungelcamp

In den vergangenen zwei Wochen war in Australien nicht nur Tennisspieler im Einsatz. Ungefähr 1300 Kilometer nordöstlich von Melbourne kämpften tapfere Angehörige der deutschen B-Prominenz im Dschungelcamp um die RTL-Dschungelkrone. Ein Tennisspieler war nicht dabei. Dabei liegt doch eigentlich nichts näher als das. Schließlich sind Tennisprofis es ja gewohnt, den Januar in Australien zu verbringen. Das bringt der Turnierkalender so mit sich. Und bisher war noch in jeder Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ein Ex-Sportler am Start. Wer es genau wissen will, schlägt bei Wikipedia nach: 2004 erst Carlo Thränhardt (Hochsprung) und dann Jimmy Hartwig (Fußball), 2008 Eike Immel (Fußball), 2009 Norbert Schramm (Eiskunstlauf), 2011 Thomas Rupprath (Schwimmen) und diesmal Ailton (Fußball). Ailton ist überhaupt schuld daran, dass ich – in meiner Eigenschaft als Anhänger Werder Bremens - auf die Idee gekommen bin, diesmal reinzuzappen ins Dschungelcamp.

Für diejenigen unter den Lesern, die – was ja verständlich ist – bisher nicht auf die Idee kamen, sich das Dschungelcamp anzusehen und nicht wissen, wovon wir hier überhaupt reden, hier der Link, der hoffentlich alle Fragen klären hilft:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dschungelcamp

Wir befassen uns also heute mit der Frage, welchen Tennisspieler wir ins Dschungelcamp 2013 schicken können, damit unsere Sportart dort endlich angemessen vertreten ist. Für die meisten Teilnehmer des Dschungelcamps gilt ja, dass sie nur mit sehr viel Wohlwollen als Prominente durchgehen. Im Vergleich zu ihren Mitbewohnern waren die Sportler indes meist richtig große LinkNummern. Im Fußball ein Nationaltorwart und zwei Deutsche Meister, im Schwimmen ein Weltmeister, im Eiskunstlauf ein Europameister und im Hochsprung ein Halleneuropameister. Da müssten wir im Tennis, wenn wir etwas Vergleichbares aufbieten wollen, schon fast zu Wimbledonsiegern greifen. Aber ehrlich: Boris Becker wäre zwar vom Typ her abenteuerlustig und publicityfreudig genug fürs Dschungelcamp, ist letztlich aber ein zu großer Star für sowas. Steffi Graf ist zu grundsolide, und Michael Stich ist Anzugträger und passt von daher nicht ins Camp. Aber wir haben ja noch andere Wimbledonsieger: Anna-Lena Grönefeld gewann 2009 im Mixed, Philipp Petzschner 2010 im Herren-Doppel. Aber die beiden sind noch aktiv und haben mithin gar keine Zeit. Sie müssen zeitgleich in Melbourne spielen.

Sehen wir uns also unter den nicht mehr aktiven Nicht-Wimbledonsiegern um. Es kommen nicht nur Deutsche in Frage. Es reicht, wenn man Deutsch sprechen kann. Die gestern gekrönte deutsche Dschungelkönigin 2012 kommt bekanntlich aus Dänemark. (Für die Nicht-Fachleute: Es handelt sich um Sylvester Stallones Ex-Frau Brigitte Nielsen). Eigentlich muss man noch nicht einmal richtig Deutsch sprechen können. Es reicht, wenn man die wichtigsten Substantive kennt. Das ha Ailton bewiesen.

Hier also die Liste möglicher Kandidaten:

1.) Thomas Muster
Die Idealbesetzung. Ein ehemaliger Weltranglistenerster, der auf Pro7 an Stefan Raabs Stock-Car-Rennen teilnimmt und mit 43 Jahren auf die Idee kommt, noch mal für Challenger-Turniere den Tennisschläger auszupacken, wird auch bereit sich, sich durchs Dschungelcamp zu kämpfen. Außerdem hat er seinen zweiten Wohnsitz in Queensland, also gar nicht weit weg vom Camp.

2.) Daniel Köllerer
Noch ein Österreicher mit echten Dschungelcamp-Qualitäten. Er hat zwar keine große Titel gewonnen, aber einen Ruf wie Donnerhall. Näheres hier. So wie er Linienrichter, Gegner und selbst Zuschauer beschimpt, wird er im Camp gewiss für quotenträchtige Spannungen zu sorgen wissen. Im vergangenen Jahr ist er wegen Anstiftung zum Wettbetrug (oder so ähnlich, das genaue Urteil ist geheim) lebenslang gesperrt worden. Er muss sich also nach einem neuen Tätigkeitsfeld umsehen – zum Beispiel bei RTL.

3.) Roscoe Tanner
Den kennt in Deutschland zwar kein Mensch, aber der Kerl ist ein echter Wimbledon-Finalist (1979) und Australian-Open-Sieger (1977). Ob er Deutsch kann, weiß ich nicht, aber für ein paar Ailton-Aussagen sollte es reichen. Schließlich hat er mal in Ettlingen gewohnt, wie der „Spiegel“ zu berichten weiß. Tanner ist notorisch pleite. In Karlsruhe saß er ein halbes Jahr wegen Scheckbetrugs und Urkundenfälschung ins Auslieferungshaft. Körperlich soll der 60-Jährige topfit sein, seine Schulden haben nichts mit Drogen zu tun, sondern mehr mit unglücklichen Geldanlagen und Frauengeschichten. Zwei Wochen Dschungelcamp also kein Problem. Nur was soll er mit einer fünfstelligen Gage, wenn er die sowieso nur wieder bei seinen Gläubigern abliefern muss?

4.) Maxi Abel
In jungen Jahren war er ein hoffnungsvoller Nachwuchsspieler, schaffte es aber nur bis auf Platz 183. Dann wurde er kokainabhängig. In der Umkleide beklaute er seine Mitspieler, um sich den Stoff leisten zu können, 2009 landete er im Gefängnis. Da war er 26. Das machte ihn kurzzeitig zum Bildzeitungs-Promi. Alles in allem keine schlechte Story, um das Interesse des Dschungelcamp-Publikums zu wecken.

5.) Sebastian Waske
Kennt den noch jemand? Es handelt sich um den kleinen Bruder des ehemaligen Davis-Cup-Spielers Alexander Waske, den man vielleicht ebenfalls für das Camp ins Gespräch bringen könnte. Sebastian Waske hat tatsächlich mal an zwei Challenger-Turnieren teilgenommen. 2006 in Mexiko und 2007 in der Schweiz. Beide Mal im Doppel an der Seite seines Bruders. Beide Male verlor er in Runde 1, aber schaffte es immerhin jeweils in einen Tie-Break. Was Sebastian Waske besonders qualifiziert: Er ist der einzige auf dieser Liste, der schon Erfahrung hat als Teilnehmer einer absonderlichen Reality-Show. Das muss 2005 gewesen sein und auf Sat1. Die Sendung hieß „Die Bachelorette“. Er hat nicht gewonnen.

So. Weitere Vorschläge? Stefan Koubek? Franky Moser? Daniel Elsner? Claudia Kohde-Kilsch? Jessica Stockmann?

Auch andere Länder haben ihr Dschungelcamp. Ein Tennisprofi war noch nirgends dabei. Aber in Schweden immerhin mal eine gewisse Jannike Björling, die ihre Bekanntheit daraus bezog, die Ex-Freundin von Björn Borg zu sein. Also vielleicht wirklich Jessica Stockmann.

Kommentare:

Mahqz hat gesagt…

Ich halte ja von seinem Auftreten her Carsten Braasch für gar nicht ungeeignet. Aber welcher 90er Jahre halb erfolgreiche Tennisprofi könnte denn Geld brauchen?

MArc -Kevin Goellner? Henrik Dreekmann? Alxander Popp? David Prinosil? Bernd Karbacher? Da sind doch nen paar zur Auswahl. ;-)

jmg hat gesagt…

Kohde-Kilsch hatte doch Insolvenz angemeldet und wäre vielleicht geeignet.

Und in GBR war doch Martina Navratilova im Dschungelcamp vor ein paar Jahren.

Zack hat gesagt…

Navratilova, tatsächlich, das war mir entgangen. In der Geschichte der Dschungelcamps habe ich Nachholbedarf...

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