Sonntag, 1. Januar 2012

Rainer Schüttler will tatsächlich aufhören

Achtung, dieser Einstiegsvergleich könnte auf manche Leser etwas makaber wirken, aber ich mag mich nicht von ihm trennen. Also: Los geht’s.

Es gibt Ereignisse, von denen man weiß, dass sie bald eintreten werden, aber dann lassen sie so lange auf sich warten, dass man aufhört, an sie zu glauben. Wer hätte gedacht, dass Johannes Heesters (108) doch noch mal stirbt? Und wer hätte gedacht, dass Rainer Schüttler (35) doch noch mal sein Karriereende ankündigt? Er hat es tatsächlich getan, jedenfalls mehr oder weniger Kurz vor Weihnachten sagte er der dpa: „Es gibt kein festes Rücktrittsdatum oder eine Entscheidung über mein letztes Turnier. Aber mit Sicherheit werde ich 2013 nicht mehr als Tennisprofi unterwegs sein.“
Irgendwann in diesem Jahr ist also Schluss. Wann, das wird wohl auch davon abhängen, wie gut er in die Saison startet. Im April wird er 36, bis dahin wird er wohl am Ball bleiben und dann vielleicht irgendwann im Sommer seinen Abschied feiern – auf einem der deutschen Sandplatzturniere, wo man dem alten Zirkuspferd noch mal eine Wild Card geben wird. Denn für den direkten Zugang in die Hauptfelder von ATP-Turnieren reicht es bei ihm schon seit einiger Zeit nicht mehr. Seit Ende Mai 2011 stand er nicht mehr unter den ersten 100 der Welt. Den Großteil seiner Ranglistenpunkte holt er inzwischen auf Challenger-Turnieren – und da leistet er durchaus noch Beachtliches. Im August gewann er das Challenger von Astana in Kasachstan. Das hat ein bisschen was von einem abgehalfterten Schlagerstar, der jetzt auf Sparkassen-Jubiläumsfeiern sein Geld verdient. Aber ich habe bei Rainer Schüttler nie das Gefühl, dass er unter seinem sportlichen Abstieg leidet. Er ist in Würde gealtert, und gelegentlich hat er auch immer wieder Glanzlichter auf der großen Bühne setzen können – zum Beispiel als er in Wimbledon – bei seinem wohl letzten Auftritt – in der ersten Runde mit Thomaz Bellucci einen gesetzten Spieler bezwang. Und was für einen grandiosen Auftritt legte er 2008 in Wimbledon hin! Kurze Zeit vorher stand er in der Rangliste noch weiter hinten als jetzt – und dann kam er ins Halbfinale und bewies allen Moserern, dass seine Zeit keineswegs schon abgelaufen war.

Andere Spieler müssen irgendwann aufhören, weil ihnen alle Knochen wehtun und sie mehr bei Dr. Müller-Wohlfahrt sind als auf dem Trainingsplatz. Das Erstaunliche an Rainer Schüttler – der ja eine durchaus kraftraubende Spielweise mit viel Laufeinsatz pflegt - ist, dass er sich praktisch nie verletzt – und vermutlich auch deshalb nicht so schnell auf die Idee kam, zu alt für den Tennis-Zirkus zu sein.

In dieser Woche spielt er in Doha (Katar). Das ist das Turnier, auf dem er vor 13 Jahren seinen ersten ATP-Titel gewann. Er muss diesmal durch die Qualifikation. Die beiden ersten Matches hat er schon gewonnen. Im dritten und entscheidenden Match trifft er morgen auf Denis Gremelmayr. Auch da dürfte Rainer Schüttler gute Chancen haben.

Hier das Tableau aus Doha
Qualifikation
Hauptfeld

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