Sonntag, 8. Januar 2012

Der Ball fliegt wieder: Was verrät uns die erste Tenniswoche 2012?

Die erste ATP-Woche 2012 liegt hinter uns. Schauen wir also, ob sich schon erkennen lässt, was das neue Tennisjahr bringen wird. Zwar standen nur drei kleine 250er-Turniere auf dem Kalender, aber fast alle Spitzenspieler waren im Einsatz, um sich für die Australian Open in Schwung zu bringen, die in einer Woche losgehen.

Nur Novak Djokovic pausierte. Er hat bei einem Schau-Turnier in Abu Dhabi zwischen den Tagen seine Konkurrenten routiniert in die Schranken gewiesen. Der sportliche Wert von sowas ist ungewiss. Aber gehen wir als Arbeitshypothese einfach mal davon aus, dass die alte Nummer 1 auch im neuen Jahr das Maß aller Dinge sein wird.

Bei der Suche nach den Djokovic-Jägern richten sich nach wie vor die meisten Augen auf Rafael Nadal und Roger Federer. Beide spielten in dieser Woche in Doha (Katar). Beide gewannen das Turnier nicht. Nadal hatte in der ersten Runde ganz, ganz leichte Probleme gegen Philipp Kohlschreiber, als er einen Satz im Tie-Break abgab, und kam anschließend geräuschlos bis ins Halbfinale. Dort verlor er glatt gegen Gael Monfils (Frankreich, Nr. 16).

Roger Federer spielte sich problemlos durch die ersten beiden Runden und hatte dann im Viertelfinale größte Mühe, Andreas Seppi (Italien, Nr. 38) zu bezwingen. Zum Halbfinale gegen Jo-Wilfried Tsonga (Frankreich, Nr. 6) trat er wegen Rückenbeschwerden nicht an. Wohl eine reine Vorsichtsmaßnahme. Für Melbourne will er wieder fit sein.

Möglich, dass Nadal in Doha nur mit halber Kraft gespielt hat, um seine Kräfte für Wichtigeres zu schonen. Es fällt auf, dass er inzwischen fast nur noch bei den Grand Slams wirklich überzeugend auftritt. Seit den French Open im Frühsommer gewann er kein einziges Turnier mehr, erreichte aber in Wimbledon und bei den US Open jeweils das Endspiel und trug mit lockeren Siegen entscheidend zum spanischen Davis-Cup-Titel bei. Bei den Australian Open wird er wieder Gas geben – aber mit Erfolg? In der Vergangenheit hat er sich bei diesem Turnier fast immer schwer getan.

Mit Roger Federer dürfte zu rechnen sein, wenn er seine Rückenprobleme in den Griff bekommt. Seit seiner US-Open-Halbfinal-Fünfsatz-Niederlage gegen Djokovic hat er kein offizielles Match mehr verloren und im Herbst drei Turniere hinterander gewonnen (Basel, Paris-Bercy und das Tourfinale in London). Dass man trotzdem Argumente für seinen Niedergang finden kann, wenn man will, bewies an Weihnachten Spiegel Online.

Nun aber zum einzigen unter den ernsthaften Djokovic-Konkurrenten, der noch nie einen großen Titel gewann und noch nie die Nummer 1 war: Andy Murray. Vor ihm wird man sich in Acht nehmen müssen. Er ist schon dort, wo die anderen jetzt erst hinfliegen: In Australien. Dort gewann er – mit Ivan Lendl als neuem Coach - das Turnier von Brisbane. Nach mühsamen Siegen in den ersten Runden kam er richtig in Schwung. Viertelfinale, Halbfinale und Endspiel gewann er so locker, dass er überhaupt keinen Grund gesehen haben dürfte, irgendwelche Kräfte für die Australian Open zu schonen. Der Kräfteverschleiß bei einem munteren 6:1, 6:3 (Finale gegen Alexander Dolgopolov) hält sich in Grenzen.

Wie der aufmerksame Leser festgestellt haben wird, liegen richtig belastbare Informationen darüber, wer 2012 glänzen und wer versagen wird, nicht vor. Aber immerhin hat die neue Saison begonnen, und das ist doch auch schon was wert. Und vielleicht brechen ja auch neue Spieler in die Phalanx der großen Vier ein. Zum Beispiel die anderen beiden Turniersieger dieser Woche. Jo-Wilfried Tsonga wird seit langer Zeit schleichend immer stärker. Ich kann ihn mir bislang nicht als Sieger eines Grand-Slam-Turniers vorstellen, aber immrhin war er in Melbourne 2008 schon einmal im Finale – und damals war er längst nicht so stark wie heute. Das Turnier von Chennai (Indien) gewann Milos Raonic (Kanada, Nr.31). Es spricht also einiges dafür, dass der junge Mann, der Anfang 2011 die Szene aufmischte und sich im Sommer verletzte, 2012 mit dem Aufmischen weitermacht und vielleicht schon in diesem Jahr die Top 10 knackt.

Hier die Ergebnisse der Woche (PDF)
- Chennai
- Brisbane
- Doha

Keine Kommentare:

Beliebte Posts

Impressum

Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de