Sonntag, 11. Dezember 2011

Safin in der Duma - und Petkovic im Bundestag?

Nun ist Marat Safin also in der Duma. Was will der da eigentlich? Warum lässt man sich als ehemaliger Tennisstar ins russische Parlament wählen? Um die Welt zu verbessern oder wenigstens Russland? Um weiter in der Öffentlichkeit zu stehen? Einfach, um irgendwas zu tun zu haben? Was er bisher hat verlautbaren lassen, spricht nicht für die ganz großen politischen Visionen. Sein Programm, soweit es sich mir bislang erschlossen hat, besteht darin, dafür sorgen zu wollen, dass Sporttalente aus seinem Wahlkreis Nischni Nowgorod es leichter haben, international groß rauszukommen, ohne dafür nach Kasan oder nach Moskau gehen zu müssen.

Auch der Riesenboxer Nikolai Walujew ist jetzt Duma-Abgeordneter. In Osteuropa scheint ja gar nicht so selten zu sein, dass berühmte Sportler in die Politik gehen. Nicht immer mit demselben Erfolg wie Safin. Ilie Nastase hat erfolglos versucht, Bürgermeister von Bukarest zu werden, Vitali Klitschko hat zwei Mal erfolglos für das Bürgermeisteramt in Kiew kandidiert.

Aus Deutschland fallen mir solche Fälle spontan nicht ein. Der Hacklschorsch macht für die CSU Kommunalpolitik im Landkreis Berchtesgadener Land. Klaus Toppmöller saß mal für die SPD im Gemeinderat seines Heimatortes Rivenich in Rheinland-Pfalz. In den Bundestag hat es immerhin ein Fußball-Schiedsrichter mal geschafft: Bernd Heynemann (CDU) aus Magdeburg. Der Main-Kinzig-Kreis hatte viele Jahre lang einen ehemaligen 1500-Meter-Lauf-Olympioniken als Landrat (Karl Eyerkaufer von der SPD).

Dass einige deutsche Ex-Tennisprofis gelegentlich im Dunstkreis der FDP auftauchen, haben wir bereits anlässlich eines anderen Themas gesehen. In diesem Artikel von vor gut zwei Jahren steht auch, dass die ehemalige Weltranglisten-18. Anne Kremer für die Liberalen für das luxemburgische Parlament kandidiert hat.

Ein Fundstück aus den Tiefen der Geschichte: Der Ire John Pius Boland, 1896 erster Tennis-Olympiasieger überhaupt, zog vier Jahre später ein als „gemäßigter Befürworter der irischen Unabhängigkeit“ in das britische Unterhaus in London ein.

Pele war mal brasilianischer Sportminister. Es gibt gewiss noch viel mehr Sportler in der ganzen Welt, die Politik machen. Selbst Ailton sagte neulich, er könne sich vorstellen, Bürgermeister zu werden.

Aber zurück zum Tennis: Wer schon seit langem ganz sanft in die Politik drängt, ist unsere amtierende deutsche Nummer 1 Andrea Petkovic. „Noch weiß ich nicht ganz genau, wie mein späterer Weg in der Politik aussehen wird, von der Parteigründung bis zur Wahl als Bundeskanzlerin ist aber alles drin“, steht auf ihrer Internetseite. Dass sie sich ausgerechnet Roland Koch als Mentor gesucht hat, spricht für ernste Absichten. Das ist schließlich nicht gerade ein Mann, mit dem man sich sehen lässt, wenn man einfach nur die eigene Popularität steigern will. (Normalerweise gibt es ja für Sportler, die keine Fans und mithin keine Sponsoren verärgern wollen, überhaupt nur zwei mögliche Antworten auf die Frage nach einem Politiker, den sie schätzen: die unantastbaren Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker.)

Marat Safin indes unterstützt einen, gegen den Roland Koch eine lupenreine Seele hat: Safin zieht auf dem Ticket von Wladimir Putins Partei „Einiges Russland“ in die Duma ein.

Einen russischen Ex-Sportler gibt es immerhin, der sich seit Jahren gegen das System Putin stellt und damit freilich keine Chance hat, in die Duma einzuziehen: Schachlegende Gary Kasparow.

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