Sonntag, 6. November 2011

Über Südtirol nach Australien: Benjamin Becker kommt zurück

Erinnert sich noch jemand an Benjamin Becker? Man hat lange nichts gehört von dem Mann aus dem Saarland, dem sein Nachname eine gewisse Bekanntheit über den Kreis der Hardcore-Tennisfreunde hinaus beschert hat. An diesem Wochenende hat er sich auf den Weg nach Gröden in Südtirol gemacht, um zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahr wieder an einem Tennisturnier teilzunehmen.

Sein Ellenbogen war kaputt und ist zwei Mal operiert worden. B. Becker dachte zwischenzeitlich darüber nach, seine Profi-Laufbahn zu beenden und in Amerika sein Studium der Wirtschaftswissenschaften abzuschließen.

Becker ist im Sommer 30 geworden, und sowas ist ja, wie man so schön sagt, kein Alter mehr heutzutage. Ich traue ihm durchaus zu, dass er noch mal wieder zurückkehrt in die Top 100. Dort stand er in den vergangenen fünf Jahren nahezu durchgehend, wenn man mal vom Jahr 2008 absieht, als er auch schon Probleme im Arm hatte.

Wie schon 2008, biss er Anfang des Jahres monatelang die Zähne zusammen und spielte trotz Schmerzen einfach weiter – mit möglichst viel Slice, da brauchte er nicht so viel Kraft im Arm. Nüchtern betrachtet ist das kein besonders kluges Vorgehen. Aber als Tennisspieler denkt man Woche für Woche daran, wie viele Weltranglistenpunkte man verteidigen muss. Dass Benjamin Becker da nicht anders denkt, erzählte er zum Beispiel beim Challenger-Turnier in Heilbronn 2009.

Damals wollte er eine Operation um jeden Preis vermeiden, was auch klappte. Diesmal ging es irgendwann nicht mehr. Ende April legte er, um den schmerzenden Ellenbogen zu schonen, eine Pause ein, die eigentlich vier Wochen später zu den French Open vorüber sein sollte. Aber dann fiel für ihn auch noch der Juni aus, mit der Rasensaison, in der er - wie viele andere Deutsche auch – stets besonders stark ist. Ende Juni dann in Heidelberg die erste Operation, die einen Knorpelschaden im Ellenbogen beheben sollte. Aber die Schmerzen gingen nicht weg. Im August ließ er sich dann, wie er jetzt der Saarbrücker Zeitung erzählte, in Florida untersuchen, wo ein kleiner Spalt in einem Knochen festgestellt und dann – die zweite Operation – ein Teil der Trizepssehne entfernt wurde.

Zu dem Zeitpunkt sah es so aus, als würde Becker in diesem Jahr nicht mehr zurückkehren auf den Tenniszirkus. „Da die Turnierserie im November endet, kann man davon ausgehen, dass Benjamin erst wieder im Januar auf die Tour zurückkehrt“, stand Ende August auf seiner Internetseite.

Aber jetzt geht wohl doch noch was. Für das Challenger-Turnier in Eckental in der gerade abgelaufenen Woche hatte er gemeldet, die Teilnahme dann aber doch noch kurzfristig abgesagt. Nun soll es also in der kommenden Woche in Gröden losgehen. Er sagt, er sei immer noch nicht ganz schmerzfrei, will aber unbedingt Spielpraxis sammeln, bevor im Januar die neue Saison in Australien die neue Saison losgeht.

Obwohl er seit April kein Tunrier mehr gespielt hat, steht er in der Weltrangliste immer noch auf Platz 254, was, wenn auch knapp, für einen Platz im Hauptfeld von Gröden reicht. Für die Australian Open reicht das natürlich nicht. Aber seine Pause war lang genug für das so genannte „Protected Ranking“, das ein paar Turniere lang nutzen darf, wer mehr als ein halbes Jahr verletzungsbedingt gefehlt hat. Das „Protected Ranking“ ist die durchschnittliche Ranglistenplatzierung aus den ersten Wochen nach Beginn der Verletzungspause. Für Benjamin Becker bedeutet das: Nr. 80. Das reicht für die Grand-Slam-Turniere und für die meisten kleineren ATP-Turniere der 250er-Kategorie. Gute Ausgangsbedingungen also für einen Comeback-Versuch.

Hier die Auslosung für das Challenger in St. Ulrich in Gröden. Im Viertelfinale könnte Benjamin Becker auf den topgesetzten Philipp Petzschner treffen. Das wäre ein echter Härtetest.

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