Sonntag, 14. August 2011

George Bastl hat sich die Barthaare geschnitten



Der Bart von Matthias Holst ist immer noch nicht ab. Das Foto des aus Husum stammenden Innenverteidigers von Hansa Rostock ging in dieser Woche durch die Republik. Vor einem Jahr setzte ihn eine Knieverletzung außer Gefecht. Er will sich erst wieder rasieren, wenn er wieder ein Pflichtspiel bestreitet. Heute beim 0:0 in Duisburg saß Holst auf der Bank – und wurde nicht eingewechselt. Also kann er sich frühestens am nächsten Freitag nach dem Heimspiel gegen Aachen rasieren.

Aber nun zum Tennis. Holsts Bild erinnerte mich an ein anderes Bild: Das von George Bastl.



Und jetzt die schockierende Nachricht: Bastls Bart ist ab! Jedenfalls zu relevanten Teilen. Neulich beim ATP-Turnier in Gstaad trug er statt seines Rausche- nur noch einen Ziegenbart. Das Drama ist in eidgenössischen Medien dokumentiert.

Auch George Bastl hatte eine Knieverletzung. Die war aber, soweit ich er überblicken kann, nicht so langwierig wie die von Matthias Holst, und außerdem trug Bastl seinen prächtigen Bart schon vor der Verletzung und nahm ihn erst Monate nach seiner Rückkehr auf den Court wieder ab.

George Bastl, ein in den USA geborener Schweizer, ist 36 Jahre alt und aktuell die Nummer 845 der Welt. Es ist anderthalb Jahre her, dass ich ihn das letzte Mal erwähnte: Es ging um Männer, die älter sind als Rainer Schüttler und immer noch auf der ATP-Tour aktiv.

Neun Jahre ist es her, dass George Bastl für einen Tag richtig berühmt war. In der zweiten Runde von Wimbledon 2002 gewann er - glattrasiert - gegen Pete Sampras mit 6:3, 6:2, 4:6, 3:6, 6:4. Es war Sampras' letztes Match auf dem heiligen Rasen. Zuvor hatte Sampras in Wimbledon elf Jahre lang fast nie verloren, und wenn, dann nur gegen Spieler, die selber entweder in demselben Jahr oder später Wimbledonsieger wurden. George Bastl war damals die Nummer 145 der Welt. Seine höchste Platzierung, die er jemals erreichte, war Nr. 71. Das Match fand auf Platz 2 statt, dem so genannten „Friedhof der Stars“. Pete Sampras ist heute noch sauer deshalb. Also, jedenfalls war er 2008 noch sauer, als seine Autobiographie „A Champion's Mind“ erschien. Er habe sonst immer auf dem Center Court oder auf Court 1 gespielt. Court 2 war für ihn „unfamiliar territory“ (S. 255). Sampras behauptet, er habe in den ersten beiden Sätzen noch nicht einmal schlecht gespielt, es habe ihm bloß an Selbstbewusstsein gefehlt. Dieses Match, diese Niederlage war wohl der letzte Auslöser dafür, dass Pete Sampras seine Karriere beendete – ohne weitere desaströse Niederlagen. Es war das letzte Grand-Slam-Match, das Pete Sampras verlor. Ein paar Wochen später gewann er seinen letzten Titel bei den US Open und beendete seine Karriere.

Und George Bastl – der spielt immer noch. Und das finde ich fast kurioser als die Sache mit seinem Bart. Seine Ergebnisse erinnern mich fast an die von Thomas Muster, nur dass Bastl nicht zwischendurch zwölf Jahre pausiert hat, sondern die ganze Zeit durchspielte. Wild Cards bekommt er allerdings seltener als Muster. Also reist er rund um die Welt immer dorthin, wo er ein möglichst großes Turnier findet, bei dem er mit seiner Ranglistenposition zumindest in die Qualifikation kommt. Meistens also verliert er. Aber anders als Pete Sampras, scheint ihm das den Spaß an seinem Beruf nicht zu verderben.

1 Kommentar:

noko hat gesagt…

Das Problem mit George Bastl ist, dass er in ca. 1,5 Monaten ohne Punkte dastehen wird, wenn er so weiterspielt.

Die einzigen beiden noch gültigen Wertungen von Challengertournieren verfallen nämlich im September.

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