Sonntag, 24. Juli 2011

Tennis-Bundesliga ist okay, Herr Stich!

Juan Ignacio Chela (Argentinien/ATP Nr. 21) hat heute gegen Victor Troicki (Serbien/Nr. 13) gewonnen. Guillermo Garcia-Lopez (Spanien/Nr. 37) schlug Potito Starace (Italien/Nr. 53), Philipp Kohlschreiber (Nr. 43) schlug Alexander Flock (Nr. 283), Cedrik-Marcel Stebe (Nr. 168) bezwang Thomas Muster (Nr. 1006).

Das alles sind Spiele, deren Ergebnisse die Presseagenturen nicht melden und die nur findet, wer im Internet gezielt danach sucht oder die Sportseiten der Lokalzeitungen von Halle/Westfalen, Nürnberg, Aachen oder Amberg studiert. Es sind Ergebnisse vom sechsten Spieltag der Tennis-Bundesliga, der heute ausgetragen wurde.

Auch Jürgen Melzer, Janko Tisparevic, Andreas Seppi, Xavier Malisse, Florian Mayer, Albert Montañes und Ivan Dodig haben in diesem Sommer schon Bundesliga-Partien bestritten. (Für Nicht-Insider: Das sind alles Leute aus den Top 50 der aktuellen Weltrangliste.)

Michael Stich scheint diese Tatsache ein Dorn im Auge zu sein. Der Turnierdirektor am Hamburger Rothenbaum sagte in einem Pressegespräch in dieser Woche, es sollte verboten sein, Bundesliga zu spielen, wenn man in derselben Woche zu einem ATP-Turnier angetreten ist. Das ist ein ganz altes Thema, und es wurde schon diskutiert, als Stich noch Wimbledon gewann. Ich meine mich gar zu erinnern, dass der damalige Davis-Cup-Kapitän Niki Pilic mal mutmaßte, manche Spieler würden absichtlich in der ersten Runde der US Open verlieren, um rechtzeitig zur Bundesligapartie am Freitag wieder in Deutschland zu sein.

Erstaunlich ist, dass die Bundesliga noch immer so viele Spieler der erweiterten Weltklasse anzieht wie in den Jahren des großen deutschen Tennisbooms. Es mag damit zusammenhängen, dass die Liga, deren Saison innerhalb von sechs Wochen von Anfang Juli bis Mitte August ausgespielt wird, von Sponsoren finanziert wird, die damit ihr spleeniges Hobby pflegen. Als Beispiel hier ein Link zu meinem Artikel über den TC Logopak Hartenholm von vor drei Jahren:

http://zackstennis.blogspot.com/2008/08/live-aus-hartenholm-ohne-stich-mit.html

Diese Mannschaft, für die übrigens auch Michael Stich antrat, existiert inzwischen nicht mehr. Als der Geldgeber Chris Hastings-Long die Leitung seines Unternehmens aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste, stoppten seine Stiefsöhne, die sein Unternehmen nun führten, als erstes die Ausgaben für dessen aus ihrer Sicht seltsame Tennismannschaft. Stich, Tobias Kamke, Julian Reister und ein paar andere standen plötzlich ohne Bundesligateam da.
(Vor ein paar Wochen übrigens wurde Hastings-Longs Firma verkauft.)

Stich sieht nun also in der Bundesliga eine Konkurrenz für sein Turnier und meint, die ATP sollte mittels ihrer Marktmacht diese Konkurrenz ausschalten. Abgesehen davon, dass ich das kartellrechtlich bedenklich fände (was die ATP nicht weiter scheren wird), könnte ein solches Vorgehen am Ende auch kontraproduktiv für die ATP-Turniere von Hamburg und Stuttgart (und die übrigen Hochsommer-Sandplatz-Events in Mitteleuropa wie Kitzbühel oder Gstaad) sein. Denn vermutlich spielen eine ganze Reihe Profis genau deshalb hier und nicht auf den parallel ausgetragenen amerikanischen Hartplätz-Turnieren, weil sie zwischendurch ein paar gut bezahlte Trainingsmatches in der Bundesliga einstreuen können.

Außerdem: Auch wenn ich die Tennis-Bundesliga selber kaum verfolge, finde ich es wunderbar, dass es ein Wettbewerbsformat gibt, das so völlig anders ist als der übliche ATP-Zirkus.

Hier die offizielle Seite der Tennis-Bundesliga

Keine Kommentare:

Beliebte Posts

Impressum

Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de