Sonntag, 15. Mai 2011

Wer wird denn nun Weltmeister?

Ich muss zugeben: Dafür, dass ich den World Team Cup irrelevant finde, beschäftige ich mich in diesem Blog ziemlich oft mit ihm. Dies ist innerhalb von drei Jahren mein siebter Artikel über ihn, und am nächsten Sonntag folgt der achte. In meinem sechsten Artikel, das war im Januar, hatte ich geschrieben, ich würde mir die Veranstaltung in diesem Jahr mal angucken. Daran halte ich mich. Im Laufe der Woche fahre ich für einen Tag nach Düsseldorf. Nächstes Mal gibt es hier also wieder einmal einen Vor-Ort-Bericht.

Nehmen wir die so genannte ATP-Mannschaftsweltmeisterschaft also einfach mal ernst und versuchen zu tippen, wer Weltmeister wird. (Die echten Weltmeister freilich, die sich heute im Masters-Endspiel von Rom gegenüberstanden, halten sich von Düsseldorf fern.)

Folgende acht Team machen mit:
In der „blauen Gruppe“ Deutschland, Serbien, Russland und Spanien.
In der „roten Gruppe“ Argentinien, Schweden, USA und Kasachstan.


In der blauen Gruppe spielen die folgenden Spieler mit:

Deutschland: Florian Mayer (Nr. 28), Philipp Kohlschreiber (Nr. 45), Philipp Petzschner (Nr. 76), Christopher Kas (Nr.47 im Doppel)
Serbien: Viktor Troicki (Nr. 15), Janko Tipsarevic (Nr. 33), Nenad Zimonjic (Nr. 4 im Doppel)
Russland: Michail Juschni (Nr. 13), Dimitri Tursunov (Nr. 75), Igor Andrejew (Nr. 100) und Sparringspartner namens Viktor Baluda (Nr. 640)
Spanien: Marcel Granollers (Nr. 47), Daniel Gimeno-Traver (Nr. 52), Marc Lopez (Nr. 24 im Doppel)

In der roten Gruppe sind dabei:
Argentinien: Juan Monaco (Nr. 37), Juan Ignacio Chela (Nr. 42), Maximo Gonzalez (Nr. 83)
Schweden: Robin Söderling (Nr. 5), Christian Lindell (Nr. 326), Robert Lindstedt (Nr. 22 im Doppel), Simon Aspelin (Nr. 66 im Doppel)
USA: Mardy Fish (Nr. 11), Sam Querrey (Nr. 25), John Isner (Nr. 35), James Blake (Nr. 103)
Kasachstan: Andrei Golubew (Nr. 43), Michail Kukuschkin (Nr. 63), Denis Jewsejew (Nr. 1207)

Die ersten Spiele haben heute schon stattgefunden, wir haben also schon eine ungefähre Ahnung, wohin die Reise gehen könnte.

In der blauen Gruppe ist Deutschland ist gegen Serbien mit 1:0 in Führung gegangen, weil Philipp Kohlschreiber (Nr. 45) einen guten Tag hatte und Janko Tipsarevic (Nr. 33) mit 6:4 und 7:6 geschlagen hat. Russland führt gegen Spanien uneinholbar mit 2:0, was damit zusammenhängt, dass die acht bestplatzierten Spanier allesamt auf einen Start in Düsseldorf verzichtet haben, währen der derzeit stärkste Russe Michail Juschni einer der ganz wenigen echten Weltklasseleute bei dieser Weltmeisterschaft ist. Mit Marcel Granollers, Daniel Gimeno-Traver und Doppelspezialist Marc Lopez sind die Spanier in dieser Gruppe der klare Außenseiter. Russland, Deutschland und Serbien sind ziemlich gleichwertig, wobei die Russen den Nachteil haben, traditionell im Doppel schlecht zu sein. Zwischen Florian Mayer und Viktor Troicki könnte es morgen schon eine Vorentscheidung geben. Flo ist im Moment bärenstark, und vorletzte Woche in Madrid hat er gegen Troicki gewonnen, aber wegen seiner bekannten Unbeständigkeit glaube ich, dass diesmal Troicki mit einem Sieg an der Reihe ist. Im Doppel halte ich die Serben mit Zimonjic auch für favorisiert, also dürfte Serbien den aktuellen 0:1-Rückstand noch drehen – und dann mit weiteren Siegen gegen Russland und Spanien ins Endspiel einziehen.

In der roten Gruppe hat Argentinien heute Kasachstan mit 3:0 geschlagen. Damit ist klar: Im Gegensatz zu Aserbaidschan wird Kasachstan Düsseldorf nicht als strahlender Sieger verlassen. (Wer wissen will, wieso es überhaupt kasachische Tennisprofis gibt, klickt hier.) Die Schweden können wir auch schon gleich aussortieren. Die haben zwar mit Robin Söderling den besten Einzelspieler des gesamten Turniers, aber mit einem Mann allein gewinnt man keine Mannschafts-WM. Der zweite Einzelspieler Christian Lindell (selbst den mussten die Schweden aus Brasilien holen, wo er aufgewachsen ist), wird nichts gewinnen. Die beiden Doppelspezialisten sind zwar ganz okay, aber auch keine überragenden Leute, auf deren Siege man sich verlassen könnte. Es wird sich also zwischen Argentinien und den USA entscheiden. Die Argentinier sind die besseren Sandplatzspieler, aber die Amis sind die insgesamt besseren Spieler. Hier hängt einiges davon, welche US-Spieler überhaupt antreten werden. Morgen spielen John Isner und Sam Querrey die Einzel gegen Schweden. Möglicherweise heißt das, dass Fish und Blake dann Doppel spielen und nicht das im Moment überragende Duo Isner/Querrey. Alle vier werden unter der Prämisse nach Düsseldorf gefahren sein, für die French Open Spielpraxis auf Sand zu sammeln. Wenn am Ende sogar irgendwann Blake im Einzel antritt, wird es eng. Ich glaube, die Argentinier werden WTC etwas ernster nehmen als die US-Amerikaner. Also Finaleinzug für Argentinien.

Im auf diese Weise hergeleiteten Endspiel zwischen Serbien und Argentinien siegt dann Argentinien mit 2:1, weil deren Einzelspieler im Moment etwas besser in Form sind.

Hier die offizielle Webseite des World Team Cup


Ach ja: Bei aller Häme über die Pseudo-WM: Das Teilnehmerfeld ist in diesem Jahr gar nicht so übel. Mit Söderling, Fish, Juschni und Troicki sind vier Top-20-Spieler dabei. Und wenn wir einfach mal ganz forsch Florian Mayer mitzählen, der ab morgen immerhin die Nummer 21 ist, sind es sogar fünf.

1 Kommentar:

Baris hat gesagt…

Ich denke, die Amis machen es. Dennoch hatte ich die Deutschen gar nicht auf dem Zettel und dachte die Serbien ziehen ins Finale ein.

Hut ab!

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