Sonntag, 8. Mai 2011

Die Ära Djokovic beginnt bald auch offiziell

Novak Djokovic hat schon wieder gewonnen. So wie immer seit Jahresbeginn. Sieben Matches gewann er bei den Australian Open, fünf in Dubai, jeweils sechs in Indian Wells und Miami, fünf in Belgrad und in dieser Woche nochmals fünf in Madrid. Macht 32 Siege bei null Niederlagen im Jahr 2011. Zwei dieser Siege feierte er gegen Roger Federer, drei gegen Rafael Nadal – heute im Endspiel von Madrid ganz locker mit 7:5, 6:4. Die Frage, wer der beste Tennisspieler der Welt ist, erübrigt sich da eigentlich.

Nur die Weltrangliste ist weiterhin anderer Meinung. Auch in der neuen Rangliste, die morgen erscheint, wird Rafael Nadal mit einem scheinbar bequemen Vorsprung an der Spitze stehen. Nadal hat dann 12470 Punkte, Djokovic hat 10665. Das liegt an den Ergebnissen von 2010, denn alle Weltranglistenpunkte bleiben ja ein ganzes Jahr in der Wertung. Nadal hat alle 2010 drei Grand-Slam-Turniere gewonnen, die noch in die aktuelle Wertung einfließen, was ihm jeweils 2000 Punkte bringt. Djokovic kann – was die Ergebnisse aus 2010 betrifft - nur ein für seine diesjährigen Verhältnisse ausgesprochen bescheidenes Viertelfinale in Roland Garros, ein Halbfinale in Wimbledon und ein Finale bei den US Open entgegensetzen.

Das bedeutet aber auch: Rafael Nadal muss in den kommenden Wochen enorm viele Punkte verteidigen. Im Fußball redet man gegen Ende einer Saison ja viel davon, ob eine Mannschaft noch „aus eigener Kraft“ Meister werden oder dem Abstieg entrinnen kann. Das Konzept lässt sich auch aufs Tennis übertragen: Rafael Nadal kann seinen Platz 1 nicht mehr aus eigener Kraft über Wimbledon hinaus retten. Selbst wenn er ab sofort alles gewönne, wäre er darauf angewiesen, dass Djokovic irgendwo frühzeitig ausscheidet, wonach es im Moment nicht aussieht. Wenn beim Masters in Rom in der kommenden Woche, dann bei den French Open und dann im Londoner Queen's Club und in Wimbledon das Endspiele jeweils Nadal gegen Djokovic heißt und Nadal jedes Mal gewinnt, ist hinterher trotzdem Djokovic die neue Nummer 1.

Die Rechnung geht so: Nadal muss drei Turniersiege verteidigen: 1000 Punkte in Rom, dann 2000 Punkte in Roland Garros und 2000 in Wimbledon. Nur im Queen's Club kann er marginal Boden gutmachen (250 Punkte für den Sieger im Vergleich zu 150 für den Endspielverlierer). Djokovic hingegen kann in Rom nur gewinnen, weil er vor genau einem Jahr gar nicht am Start war (also: Er war vor einem Jahr in Madrid nicht am Start. Weil damals das Madrider Turnier eine Woche später stattfand und das römische eher, ersetzen in der Rangliste die Ergebnisse aus Rom 2011 die von Madrid 2010. Die Rangliste interessiert sich nicht dafür, wo jemand seine Punkte geholt hat, sondern nur dafür, wann.). In Paris verliert er 360 Punkte und in Wimbledon 720. Rechnet man alles zusammen, kommt man zum Ergebnis, dass Djokovic selbst bei vier Finalniederlagen gegen Nadal nach Wimbledon einen hauchdünnen Vorsprung vor Nadal hat: 12690 zu 12630. Natürlich alles nur, wenn ich mich nicht verrechnet habe.

Ach ja, dann war da noch die amtierende Nummer 3. Roger Federer. Wenn der alle vier Turniere gewinnt - statt Queen's Club wäre es bei ihm Halle/Westfalen) – käme er auf beachtliche 12580 Punkte, wäre also auch wieder ganz dicht an Platz 1. Aber daran glaubt wohl im Moment kaum jemand. Als er in dieser Woche in Madrid sein Auftaktmatch gegen Feliciano Lopez beinahe verloren hätte, ertappte ich mich dabei, diese Sache ganz und gar nicht sensationell zu finden. Federer ist nicht mehr galaktisch, dachte ich. Er ist jetzt ein ganz normaler Topspieler, der an einem normal formschwachen Tag gegen einen normalen Top-50-Spieler im Topform wie Lopez halt mal verlieren kann. Aber wie er gegen Lopez den Kopf aus der Schlinge zog, das war dann doch wieder ziemlich galaktisch. Also, wer weiß, vielleicht gewinnt er ja doch noch das eine oder andere Grand-Slam-Turnier.

Hier die Ergebnisse aus Madrid (PDF)

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