Sonntag, 29. Mai 2011

Der legendäre Alexander Waske ist zurück

Tatsächlich ist es gar nicht so lange her, dass Alexander Waske auf der ATP-Tour gespielt hat. Genau zwei Jahre. 2009 erreichte er im Doppel an der Seite von Michael Kohlmann das Achtelfinale der French Open. Aber das war nur ein kurzes Gastspiel. Seine Karriere als Vollzeitprofi ist seit fast vier Jahren vorbei, seit er sich mit kaputtem Ellenbogen und unfassbarer Willenskraft durch das Davis-Cup-Halbfinal-Doppel gegen Russland quälte. Waske und Philipp Petzschner gewannen das Doppel irgendwie. Seitdem ist Alexander Waskes Ellenbogen nicht mehr das geworden, was er mal war.

Wie lange das her ist, mag man ermessen, wenn man daran denkt, welche Erklärung in Deutschland damals dafür kursierte, dass das Davis-Cup-Halbfinale am Ende trotz des Erfolgs im Doppel verloren ging. Erinnert sich noch jemand an den Gift-Haartest von Tommy Haas? Tommy Haas, damals fast ein Top-Ten-Spieler, fühlte sich hundeelend damals in Moskau. Sein erstes Einzel verlor er deshalb haushoch. Zum zweiten Einzel konnte er gar nicht mehr antreten, und Philipp Petzschner, der damals im Einzel noch weit weg war von der erweiterten Weltspitze und eigentlich nur als Doppelspieler zum Team gehörte, vertrat ihn erfolglos.

Es war Alexander Waske, der später sagte, ein russischer Sportmanager habe angedeutet, es gebe Gerüchte, Tommy Haas sei vor der Partie vergiftet worden. Weil man sich sehr gut vorstellen kann, dass dubiose Funktionäre oder Wettpaten in Moskau genau sowas machen, wurde die Sache in Deutschland ziemlich ernst genommen und Haas ließ Wochen später Blut und Haare auf verdächtige Spuren untersuchen. Soweit ich weiß, hat man später nie wieder was von der Sache gehört.

Das Ganze ist so lange her, damals gab es diesen Blog noch nicht einmal, weshalb ich mich nun zu einem etwas ausführlicheren Exkurs habe hinreißen lassen, um das Thema nachzuholen.

Also zurück zu Waskes Schulter. 2008 konnte er mit diesem Ellenbogen drei Turniere bestreiten, 2009 zwei Turniere, 2010 gar kein Turnier mehr. Danach rechnete er wohl selbst nicht mehr damit, noch einmal als Spieler auf die Profitour zurückzukehren. Als er sich in Moskau verletzte, war er 32 Jahre alt. Jetzt ist er 36. Als ich das letzte Mal in einem Artikel Alexander Waske erwähnte, geschah dass, weil er Trainer von Cedrik-Marcel Stebe ist. Er ist auch Trainer von Michael Berrer, der in dieser Woche für Aufsehen sorgte, weil er der einzige Deutsche war, der in Roland Garros bis in Runde 3 vorstieß.

Jedenfalls war Berrer der einzige Deutsche, der im Herren-Einzel in Runde 3 vorstieß. Im Doppel gelang dies auch Dustin Brown und Michael Kohlmann (gemeinsam) sowie Christopher Kas (zusammen mit Alexander Peya aus Österreich). In die zweite Runde des Herren-Doppel stieß das Duo Rainer Schüttler/Alexander Waske vor. Auch wenn gegen die soliden US-Amerikaner Scott Lipsky und Rajeev Ram dann Schluss war, darf man von einem gelungenen Waske-Comeback sprechen, zumal Alexander Waske schon in der Vorwoche bei einem Challenger in Italien zusammen mit Michael Kohlmann in die zweite Runde gekommen war.

Ich bin gespannt, ob es für Waske diesmal zu mehr als drei oder vier Turnierteilnahmen reicht. Für einen Sportler ist es viel Wert, die Karriere nicht mit einer Verletzung zu beenden, sondern aus freien Stücken und mit einem guten Gefühl. Das ist wohl auch der Grund, warum Tommy Haas in diesen Tagen sein Comeback gestartet hat.

Was Waske nach seinem Erstrundensieg in Paris gegenüber der FAZ sagte, klingt nicht nach einer auf Dauer angelegten Rückkehr als Vollzeitprofi: „Mein Aufschlag ist nicht mehr derselbe wie früher, ich muss meine Kraft einteilen und so wenig aufschlagen wie möglich. Zwei Tage nach dem vorletzten Match hatte ich 15 Prozent weniger Power im Arm.“

Zudem ist er eigentlich längst Vollzeit-Trainer und Trainingscamp-Manager. Waske war früher schon jemand, der genau wusste, wie man mit manchmal auch gezielt provokanten Äußerungen Aufmerksamkeit in den Medien erzielt und der über wirtschaftliche Zusammenhänge nachdachte. Auch wenn er seine Karriere als Spieler wohl in ein paar Monaten offizielle beenden wird – im deutschen Profitennis werden wir ihn garantiert noch an verschiedenen Fronten sehen. Als Trainer, als Turnierdirektor und vielleicht auch mal als Davis-Cup-Kapitän.

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