Sonntag, 1. Mai 2011

Career High für Florian Mayer

Heute bietet sich eine prima Gelegenheit, endlich mal wieder über einen meiner Lieblingsspieler zu schreiben, über Florian Mayer. Der letzte Artikel, der sein Wirken ausführlich würdigt, liegt schon mehr als ein halbes Jahr zurück. Es war mein Vor-Ort-Bericht aus Stockholm im Oktober, wo Flo das Finale erreichte.

In dieser Woche hat er wieder ein Finale erreicht, und zwar im heimatlichen München. Er hat das Finale wieder verloren, und anders als in Stockholm ist diese Niederlage etwas ärgerlich. In Stockholm war der übermächtige Roger Federer sein Gegner. Heute in München war es der zuletzt sehr schwächelnde russische Altmeister Nikolai Dawidenko, den Flo mit durchgängig konzentriertem Spiel durchaus in die Schranken hätte weisen können.

Aber blicken wir auf die positive Seite: Auf Florian Mayers Profil auf der ATP-Internetpräsenz ändert sich am morgigen Montag eine statistische Angabe, die seit fast sieben Jahren in Stein gemeißelt schien. Hier noch einmal zur Erinnerung ein Screenshot von heute, 1. Mai 2011:



„Career High - 33 – 27.09.2004“ steht da. Florian Mayer war damals 20 Jahre alt, als er auf Weltranglistenplatz 33 stand. Ein Alter, in dem es eigentlich nur aufwärts gehen kann. Heute, 2011, gibt es nur einen einzigen 20-Jährigen, der vergleichbar gut platziert ist, und das ist der kanadische Superstar in spe Milos Raonic auf Platz 27.

Zwar erklärte die ATP Mayer 2004 zum Nachwuchsspieler des Jahres („Rookie of the year“), aber als kommender Superstar galt er schon damals nicht. Doch dass es sieben magere Jahre dauern würde, bis er in der Weltrangliste wieder so gut steht wie als 20-Jähriger, dass ahnte dann wohl doch niemand. Ich weiß spontan gar nicht, ob schon jemals jemand nach so langer Durststrecke sein „Career High“ getoppt hat.

Es waren keine ernsthaften Verletzungen, die Flo zurückwarfen. Offenbar fühlte er sich im Scheinwerferlicht der ATP-Tour unwohl, und er verlor die Lust am Tennisspielen. 2008 war er nicht einmal mehr unter den ersten 100 und legte eine schöpferische Pause ein. Als er wiederkam, war er vielleicht nicht sofort wieder so stark wie als 20-Jähriger, aber es ging stetig voran. Spätestens seit dem vergangenen Jahr, als er erst das Halbfinale am Hamburger Rothenbaum erreichte und dann das erwähnte Endspiel in Stockholm, spielt er eindeutig stärker als vor sieben Jahren.

Den 33. Weltranglistenplatz vom 27. September 2004 verdankte er im Wesentlichen einem einzigen Turnier, nämlich seinem Wimbledon-Viertelfinale. 2010 und 2011 hat er zwar nicht unbedingt beständig auf hohem Niveau gespielt, seine Formkurve ist und bleibt erratisch, aber er hat über das Jahr verteilt viele gute Ergebnisse abgeliefert. Ab Montag steht er hochverdient in den Top 30 der Weltrangliste.

Hier die Ergebnisse aus München (PDF)

Und hier die aktuelle Weltrangliste

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