Montag, 18. April 2011

Stop War, Start Tennis

Heute befassen wir uns mit Aisam-Ul-Haq Qureshi, Rohan Bopanna und der internationalen Politik. Das Thema habe ich schon seit Monaten auf dem Zettel, aber ich habe nie den rechten Anlass erwischt.

Im vergangenen September erreichten Bopanna und Qureshi das Doppelfinale der US Open, das sie in zwei Tie-Breaks gegen Bob und Mike Bryan (USA) verloren. Einen vergleichbaren Erfolg haben Bopanna/Qureshi seither nicht gefeiert, was damit zusammenhängen mag, dass sie ein solides, aber kein überragendes Doppelgespann sind. In dieser Woche dachte ich, jetzt klappt es endlich mit dem nächsten großen Finale, denn Bopanna/Qureshi spielten im Halbfinale von Monte Carlo gegen das zwar ebenso solide, aber auch ebenso wenig überragende und zudem wenig eingespielte Duo Juan Ignacio Chela und Bruno Soares (Argentinien/Brasilien). Nun, Bopanna/Qureshi verloren – aber jetzt warte ich nicht noch länger, heute kommt endlich der seit langem angepeilte Artikel über die beiden.

Das Besondere an ihnen ist: Aisam-Ul-Haq Qureshi ist ein Moslem aus Pakistan, Rohan Bopanna ist ein Hindu aus Indien. Ihre Heimatländer haben bekanntlich schon vier Mal gegeneinander Krieg geführt und standen zuletzt 2002 kurz vor dem fünften Krieg.

Im November 2009 gewannen Bopanna/Qureshi gemeinsam das Challenger-Turnier von Aachen. Von da an gingen sie eine dauerhafte Doppelpartnerschaft ein, die sie – wie erwähnt – von Aachen bis ins US-Open-Finale führte. Befreundes waren sie schon lange, und gelegentlich hatten sie auch schon in den Jahren zuvor erfolgreich zusammen gespielt. Natürlich wurden sie von Anfang an darauf angesprochen, dass sie ein politisch bemerkenswertes Gespann sind. Am Anfang wollten sie das gar nicht so sehen, über die politische Dimension hatten sie anscheinend tatsächlich kaum nachgedacht. Sie hatten einfach festgestellt, dass sie mit ihrer Spielweise auf dem Platz wunderbar harmonieren.

Aber sie begriffen bald, dass die Sache so einfach nicht ist. Und sie haben begriffen, dass es – entgegen dem landläufigen Klischee – nicht immer etwas Negatives ist, Sport und Politik zu vermengen, sondern dass man auf dem Sportplatz auch Friedensbotschaften aussenden kann (auch wenn man damit nicht so schnell globale Umwälzungen bewirken dürfte). Im Zweitrundenmatch von Wimbledon gegen Philipp Marx und Igor Zelenay liefen Bopanna/Qureshi erstmals mit dem Schriftzug „Stop War Start Tennis“ auf ihren Trainingsjacken auf.

Und in diesem Januar beim ATP-Tunrier im indischen Chennai (Madras) präsentierten sie T-Shirts und Sweatshirts mit diesem Slogan als Merchandising-Produkte für wohltätioge Zwecke.

Hier das ATP-Profil von Aisam-ul-Haq Qureshi

Und hier das Profil von Rohan Bopanna

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