Sonntag, 3. April 2011

Quiet, please?

Vor einiger Zeit hörte ich einmal im Radio einen Musikhistoriker erzählen, im 19. Jahrhundert sei es völlig normal gewesen, als Besucher eines klassischen Konzertes zwischendurch vom Platz aufzustehen, um sich etwas zu Essen oder zu Trinken zu holen. So, wie man es noch heute aus Jazz- und Rockkonzerten kennt.

Daran erinnerte ich mich, als David Ferrer in dieser Woche im Viertelfinale von Key Biscayne einen Ball auf die Tribüne drosch, weil dort oben ein Baby schrie. Über dieses schreiende Baby (das von Ferrers Ball nicht getroffen wurde) ist viel diskutiert worden. Darf man Babys mit Tennisbällen beschießen? Darf man Babys mit auf den Center Court nehmen? Stimmt es, dass der Ordner am Ausgang der Mutter, die mit dem Baby auf dem Arm den Center Court verlassen wollte, sagte, das gehe nicht, er dürfe nur während der Seitenwechsel Leute rein und raus lassen, das sei nun einmal die Vorschrift?

Das will ich jetzt gar nicht alles ausdiskutieren. Aber eine Frage finde ich durchaus spannend: Muss es im Tennisstadion wirklich immer so leise sein, wenn die Damen und Herren Profis ihre Rackets schwingen? Man stelle sich das mal beim Fußball vor: Elfmeterschießen im Pokalfinale, ein Höllenlärm im Olympiastadion – und Schiedsrichter Kinhöfer appelliert übers Mikrophon an die Fans: „Bitte nehmen Sie Platz“ und „Ruhe bitte“, weil Manuel Neuer sonst zu sehr abgelenkt wird, wenn der Ball auf seinen Kasten zufliegt.

Klar, die Standardantwort ist: Das ist doch überhaupt nicht vergleichbar. Aber ich glaube, wenn Fußballer es gewohnt wären, im entscheidenden Moment vor dem Tor stets absolute Ruhe zu haben, täten sie sich mit einem schreienden Fan auf der Tribüne ebenso schwer, wie es die Tennisspieler tun. Beim Fußball muss man sich ja auch konzentrieren. Da muss man auch komplexe Bewegungsabläufe ausführen. Es täte mich einfach mal als Experiment interessieren, was passieren würde, würde man dem Publikum vor einem ATP-Match sagen: Nehmt eure Tröten mit ins Stadion, macht so viel Radau, wie ihr lustig seid, und wenn ihr auf Klo müsst, während der Spieler sich gerade auf den Aufschlag vorbereitet, steht einfach auf und geht zum Klo. Freizeitspieler kommen mit sowas ja auch klar. Wenn man als schreiendes Baby an einer Dorftennisanlage vorbeikommt, ist die Gefahr, von einem Spieler mit einem Tennisball beschossen zu werden, jedenfalls ausgesprochen gering. Und was früher sogar bei Sinfoniekonzerten ging, wird ja wohl auch beim Tennis funktionieren.

Das war jetzt mal ein komplett undifferenzierter und deshalb vielleicht blödsinniger Text. Aber immer nur ausgewogen ist ja auch langweilig.

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