Sonntag, 13. März 2011

Cedrik-Marcel Stebe: Aus dem wird was

Cedrik-Marcel Stebe hat heute ein Tennisspiel verloren. Das ist bemerkenswert, denn das ist ihm im ganzen Jahr 2011 noch nicht passiert. Die 17 Spieler, die er in den vergangenen Wochen bezwungen hat, hießen zwar nicht Federer, Nadal und Djokovic, sondern Brydolf, Kiziltuna, Udomchoke, Soeda usw. Bemerkenswert ist diese Beständigkeit trotzdem. Mir scheint – und mit dieser Prognose wage ich mal einen Fernschuss auf das 50 Meter entfernte Tor – Cedrik-Marcel Stebe wird am Ende des Jahres zu den besten 100 Spielern der Welt gehören. In dieser Woche steht der 20-jährige Schwabe noch auf Platz 335. Nächste Woche wird es schon ungefähr Platz 250 sein.

Schauen wir uns den Jungen mal näher an. In meinem Blog fand er zuletzt vor zweieinhalb Jahren Erwähnung, als er zusammen mit Niki Moser aus Österreich das Junioren-Doppel bei den US Open gewann und wenig später vom Deutschen Tennis-Bund ob dieser Leistung mit dem „Deutschen Tennis Preis“ ausgezeichnet wurde.

Seine Karriere bei den Erwachsenen begann dann zwar nicht direkt schleppend, aber auch nicht so furios, dass man sonderlich viel von ihm gehört hätte. Dabei hat er auf kleineren Turnieren mehrmals Spieler geschlagen, die kurz darauf den Durchbruch auf der ATP-Tour schafften: Rikardas Berankis (Litauen/heute Nr. 74), Michal Przysiezny (Polen/später Nr. 76), Blaz Kavcic (Slowenien/heute Nr. 81). Aber Stebe selbst blieb bisher weitgehend auf den drittklassigen Future-Turnieren hängen. Das hatte auch damit zu tun, dass er Anfang des vorigen Jahres erst lange krank war, sich dann am Rücken verletzte und im Herbst noch mal wieder krank war.

Im Februar dann startete er mit frischer Kraft durch. Er spielte zwei Future-Turniere in der Türkei und gewann beide. Darauf vorbereitet hat er sich mit einem neuen Trainer, dessen Name vielen noch gut in Erinnerung sein dürfte und der seine eigene aktive Karriere bisher offiziell nicht beendet hat: Alexander Waske (der jetzt übrigens auch Michael Berrer betreut).

Viele der hoffnungsvollen deutschen Talente habe ich bei der Qualifikation am Hamburger Rothenbaum spielen sehen. Stebe ist dort aber bisher nie aufgetaucht. Zur Beurteilung seiner Spielweise muss ich mich deshalb Youtube-Videos stützen, die sein Vater online gestellt hat. Zum Beispiel dieses (gegen Arnaud Clement in Heilbronn) und dieses (gegen Alexander Peya in München). Stebe ist der linkshändige Blondschopf.

Der Sandplatz in München scheint seinem Spiel eher entgegenzukommen als der Hallen-Hartplatz in Heilbronn. Er rückt in Heilbronn zwar immer wieder ans Netz vor, aber das führt meistens zu nichts Gutem. Ich habe lange gucken müssen, bis ich mal einen Slice entdeckt habe, aber immerhin probiert er überhaupt mal einen aus. Die Rückhand scheint bei ihm hauptsächlich dazu da zu sein, den Ball irgendwie im Spiel zu halten. Aber als Linkshänder hat er ja sowieso da, wo andere ihre Rückhand haben, die Vorhand, und die sieht sehr okay aus. Stebe war eine Zeitlang auf einer Tennisakademie in Italien, und danach sieht sein Spiel auch aus: Kraftvolles Grundlinien-Sandplatztennis.

Spielszenen aus diesem Jahr habe ich leider nicht gesehen. Aber wenn er mit Alexander Waske gearbeitet hat, wird er gewiss offensiver geworden sein. Schließlich ist Waske ein Spezialist für schnelle Hallenteppiche. Und damit sind wir in der aktuellen Woche angekommen: Stebe hat in Japan gespielt und kam als Qualifikant beim Challenger in Kyoto ins Endspiel auf einem Belag, den sein Finalgegner Dominik Meffert als Kunstrasen bezeichnete.

Meffert, ein Kölner, den ich guten Gewissens als Rasen-Fachmann bezeichnen möchte (letztes Jahr in Halle/Westfalen schlug er Juan Carlos Ferrero), gewann 4:6, 6:4, 6:2 und sagte hinterher: „Es war ein hart umkämpftes Match, indem ich nur im dritten Satz leichte Vorteile hatte.“

In der neuen Woche geht es für Stebe und Meffert in Guangzhou
(China) weiter. Meffert führt übrigens auf seiner Internet-Seite einen stets sehr lebendigen Blog, in dem er auch berichtet, wie es ihm in dieser Woche in Japan ergangen ist: „Obwohl wir hier recht weit weg sind, und somit momentan nichts befürchten müssen, so bleibt doch eine Restgefahr bestehen. Ich kann nur hoffen, dass die Platten tief unter uns jetzt still halten und es nicht zu einem weiteren Erdbeben kommt, und dass der Nordostwind weiter bläst! Die Japaner um uns rum stört das alles übrigens recht wenig. Während wir Europär permanent am Internet sitzen, um uns zu informieren, sind die Einheimischen die Ruhe in Person.“

Hier die Ergebnisse aus Kyoto (PDF)

Und hier das ATP-Profil von Cedrik-Marcel Stebe

(Falls sich bei den Youtube-Videos, die Stebes Vater online gestellt hat, jemand gefragt haben sollte, ob es sich dabei um Charly handelt: Dem ist selbstredend nicht so. Bei Carl-Uwe Steebs Nachnamen sind die beiden letzten Buchstaben in einer anderen Reihenfolge.)

Kommentare:

VIPer7 hat gesagt…

Morgen treffen Stebe und Meffert im Viertelfinale von Guangzhou erneut aufeinander. Mal schaun ob's da eine Revanche gibt :)

VIPer7 hat gesagt…

Revanche gelungen!
Auf zum nächsten Finale! :)

Claudia hat gesagt…

Revanche gelungen bei 2 Breaks hinten - wär schon stark 2. Finale :)

Beliebte Posts

Impressum

Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de