Sonntag, 13. Februar 2011

Roland Garros bleibt in Roland Garros

Vielleicht wird es den Honoratioren aus dem All England Lawn Tennis Club ja irgendwann zu eng in in Wimbledon und sie ziehen um mit ihrem Tennisturnier irgendwohin, wo Platz ist für ein größeres Stadion. Nach Epping oder nach Hillingdon oder was weiß ich, wo man in der Nähe von London eine grüne Wiese finden kann.

Eine absurde Vorstellung. Annähernd so absurd ist höchstens noch die Vorstellung, dass die French Open ihr angestammtes Stadion Roland Garros verlassen. Genau das aber wäre beinahe passiert. Jetzt aber hat die Vollversammlung des französischen Tennisverbands das Vorhaben gestoppt - beziehungsweise: Man hat sich in einer Prozedur, die an die Vergabe von olympischen Spielen erinnerte, für einen Standort entschieden, und dieser Standort ist derselbe wie seit 85 Jahren.

Nun ist es an der Zeit, dass ich das ganze Drama einmal beleuchte. Davor hatte ich mich bisher gedrückt, weil die meisten Informationen, die ich zu dem Thema fand, auf Französisch waren und meine Französischkenntnisse leider irgendwo zwischen katastrophal und erbärmlich sind. Ich weiß nicht mal mehr, in welcher Stadt die Kinder aus den ersten Seiten meines Französischbuches in der neunten Klasse wohnten. Vielleicht war es Gonesse. Würde passen, denn das oben erwähnte Epping ist das Städtchen, in dem die Kinder aus einem Englischbuch in der fünften Klasse wohnten. Gonesse, ein Städtchen nordöstlich von Paris, stand auf der Liste der möglichen neuen Standorte für die French Open. Außerdem waren im Rennen: Versailles und Euro-Disneyland. Ich weiß gar nicht, was die komischere Wahl gewesen wäre. Man stelle sich vor, es schafft jemals wieder ein Deutscher das French-Open-Finale und trifft dort womöglich noch auf einen Franzosen, wenn das Match dann in Versailles stattfindet...

Aber so weit wird es nun nicht kommen. Dabei haben die Franzosen in Roland Garros tatsächlich ein Platzproblem. Das Stadiongelände ist 8,5 Hektar groß. Das ist nicht einmal die Hälfte der Fläche von Wimbledon. Und es ist ja nicht so, dass noch nie ein Grand-Slam-Turnier umgezogen wäre: Die US Open wechselten in den 70ern von Forest Hills nach Flushing Meadows, die Australian Open in den 80ern von Kooyong in den Flinders Park (der inzwischen einfach Melbourne Park heißt).

Wenn die French Open nicht mehr im Stade Roland Garros stattfänden, müsste das Turnier wohl auch seinen offiziellen Namen („Tournoi de Roland Garros“) ändern. Das würde meinem traditionalistischen Gemüt vermutlich ähnlich wehtun wie der Umstand, dass das Turnier in irgendeinem zweckmäßigen Stadionkomplex vor den Toren der Stadt stattfindet. (Eigentlich sollte ich als friedliebender Mensch ja daran stören, dass das Turnier nach einem Kampfflieger benannt ist, aber da ist mir in diesem Fall die Tradition irgendwie wichtiger als meine Ideale.)

Roland Garros findet seit 85 Jahren in Roland Garros statt. Das ist praktisch seit immer. Vorher gab es das Turnier zwar auch schon, aber für die Jahrzehnte zuvor kann man es schwerlich als Grand-Slam-Turnier bezeichnen, denn es durften nur Franzosen mitmachen.

Jetzt also soll Roland Garros von 8,5 auf 13,5 Hektar wachsen. Das Thema waberte seit langem durch die Pariser Kommunalpolitik. Soweit ich es verstanden habe, wehrten sich Anwohner gegen eine Stadionvergrößerung. Und im Tennisverband waren einige Leute der Ansicht, 13,5 Hektar wären immer noch zu wenig für ein echtes Grand-Slam-Turnier. Mit einer solchen Einschätzung wird auch Amélie Mauresmo zitiert, die zwar die Australian Open und Wimbledon gewinnen konnte, im kleinen Roland Garros aber nie übers Viertelfinale hinauskam.

1 Kommentar:

noko hat gesagt…

Ich frage mich, worum es dabei gehen soll. Bis jetzt scheint es doch geklappt zu haben, 800 Matches (oder wieviele es sind) in 2 Wochen zu absolvieren - und von neuen großen Wettbewerben habe ich nichts gehört. Geht es einfach nur darum, eine gigantische Erweiterung der Stadien vorzunehmen? Ich meine, wenn die bisherige Fläche so ist, dass die Stadien alle gerade eben draufpassen und Erweiterungen kaum vorzunehmen sind, so sollte man doch meinen, dass eine Erweiterung um die Hälfte der bisherigen Fläche ausreichend ist, um einiges zu machen...

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