Sonntag, 23. Januar 2011

Was ist eigentlich ein Rafa-Slam?

Bei den Fernsehübertragungen von den Australian Open in dieser Woche habe ich ein neues Wort gelernt: Rafa-Slam.

Ein Rafa-Slam, so scheint es, ist ein Grand Slam, der sich über zwei Kalenderjahre erstreckt. So etwas kann Rafael Nadal am nächsten Sonntag gelingen. Dazu muss er noch vier Matches gewinnen. Im Achtelfinale ist er ja schon, und bis hierhin hat er kaum Schwächen gezeigt.

Aber jetzt von vorn. Einen Grand Slam nennt man es bekanntlich, wenn ein Tennisspieler in einem Jahr alle vier Grand-Slam-Turniere gewinnt. Also die Australian Open in Melbourne, die French Open in Paris, die Wimbledon Championships in London und die US Open in New York. Bei den Männern hat das erst zwei Spieler geschafft: Donald Budge (USA) 1938 undder Australier Rod Laver gleich zwei Mal 1962 und 1969. Bei den Frauen waren es drei: Maureen Connolly (USA) 1953, Margaret Smith Court (Australien) 1970 und Steffi Graf (Deutschland) 1988.

Steffi Graf ist übrigens die einzige Spielerin, die für den Grand Slam auf drei verschiedenen Bodenbelägen erfolgreich sein musste: Hartplatz (Melbourne und New York), Sand (Paris) und Rasen (Wimbledon). Bei den US Open wird erst seit 1978 auf Hartplatz gespielt, in Melbourne seit 1988. Ursprünglich spielte man dort auf Rasen (und bei den US Open in den 70ern zwischenzeitlich auch mal auf Sand).

Den Grand Slam zu gewinnen, ist nach überwiegend herrschender Meinung der größte Erfolg, der im Profitennis möglich ist. Beschäftigen wir uns nun also mit der Frage, ob ein Rafa-Slam einem echten Grand Slam in seiner Bedeutung gleichkommt. Für das Herrentennis ist das eine offene Frage. Es hat noch nie jemand einen Rafa-Slam geschafft.

Rafael Nadal hat 2010 die letzten drei der vier Grand-Slam-Turniere gewonnen: die French Open, Wimbledon und die US Open. Bei den Australian Open vor einem Jahr musste er im Viertelfinale gegen Andy Murray verletzt aufgeben.

Es gab in der Tennishistorie erst einen einzigen Spieler, der dichter dran war am Rafa-Slam, als Rafael Nadal es jetzt ist. Das ist Roger Federer, und der war gleich zwei Mal ganz dicht dran. 2006 und 2007 in Paris. Beide Male hatte er zuvor in Wimbledon, bei den US Open und in Melbourne gewonnen. Beide Male verlor er das Endspiel in Paris in vier Sätzen – gegen Rafael Nadal. Der Unterschied: Auf Sand war Nadal damals schon klar der bessere Spieler und ging als Favorit ins Turnier. Federers Aussichten, den Rafa-Slam, der damals wohl Roger-Slam geheißen hätte, waren also eher gering. Das ist diesmal anders. Nadal und Federer sind auf Hartplatz auf Augenhöhe, Nadal hat meines Erachtens leichte Vorteile, auch wenn Federer das letzte Aufeinandertreffen im Endspiel des Tour-Finales 2010 für sich entschieden hat.

Ich wage also einfach mal die Prognose, auch wenn ich mir keinesfalls sicher bin: Rafael Nadal gelingt der Rafa-Slam mit einem Viersatzerfolg gegen Roger Federer. (Oder vielleicht auch gegen Novak Djokovic oder Tomas Berdych? Kann ich mir irgendwie nicht richtig vorstellen im Moment.)

Die sportliche Leistung ist zweifellos ebenso groß, wie wenn er die vier Grand-Slam-Turniere in der korrekten Reihenfolge gewonnen hätte, also erst Melbourne, dann Paris, dann die beiden anderen. In der Tennisgeschichte wird er trotzdem nicht auf einer Stufe mit Rod Laver stehen. Ein Rafa-Slam ist nun einmal kein echter Grand Slam. Sonst könnte man ja ebenso gut an jedem beliebigen Spieltag jede Fußball-Mannschaft zum Deutschen Meister erklären, die in den letzten 34 Spielen die meisten Punkte geholt hat, egal, ob zwischendurch Saisonpause war oder nicht.

Falls Rafa es schafft, wäre ich übrigens dafür, von einem Martina-Slam zu sprechen und nicht von einem Rafa-Slam. Anders als bei den Männern ist ein solches Kunststück bei den Frauen nämlich schon gelegentlich vorgekommen, und Martina Navratilova 1984/85 war die erste. Steffi Graf gelang es ein paar Jahre nach ihrem echten Grand Slam, nämlich 1993/94. Die letzte war Serena Williams 2002/03.

Kommentare:

noko hat gesagt…

Von einem "Martina-Slam" habe ich noch nie etwas gehört - ich weiß nicht, ob zu den Zeiten so absurde Begriffsgebungen schon in der Mode waren - die 80er waren etwas vor meiner Zeit, aber der Serena-Slam ist durchaus ein Begriff. Als ich den Begriff kurz bei Google eingegeben habe, habe ich diesen Artikel gefunden:

https://emagazine.credit-suisse.com/app/article/index.cfm?fuseaction=OpenArticle&aoid=296709&coid=279860&lang=DE

(keine Ahnung, ob diese Domain immer https verwendet, finde es für so einen Artikel eigentlich ungewöhnlich)

Er greift auch einige Dinge auf, die du anbringst.


Dass man für so Einzelleistungen wie den Grand Slam das ganze Kalenderjahr betrachtet und nicht irgendwie 4 gewonnene Grand-Slam-Turniere hintereinander, ist auch nur sinnvoll. Ansonsten könnte ich sagen, dass in Jahr 1 die Australian Open, in Jahr 2 die French Open, in Jahr 3 Wimbledon und in Jahr 4 die US Open zu gewinnen, wahrscheinlich noch beeindruckender ist, weil größere insgesamte Konstanz benötigt wird. So gesehen könnte ich mir arbiträre Statistiken ausdenken, warum Federer mit seinen gewonnenen Grand-Slam-Turnieren viel besser ist als Laver mit dem Grand Slam. Das war aber nicht als Kritik an deinem Artikel gedacht, sondern mehr als Ergänzung, warum solche Betrachtungsweisen arbiträr sind. Der Grand Slam wird nunmal als ganz besonders betrachtet und so ist es besonders, ihn zu erreichen.

Zacks Tennis hat gesagt…

Den "Career Grand Slam", also im Laufe der Jahre nach und nach alle Grand-Slam-Turniere zu gewinnen, ist natürlich auch eine herausragende Leistung. Ich hab mich als Federer-Anhänger schon ziemlich gefreut, als Roger das in Paris 2009 geschafft hat. Es ist ein Zeichen für Beständigkeit und Vielseitigkeit auf sehr hohem Niveau, aber letztlich doch etwas ganz anderes als der "echte" Grand Slam, der drückende Überlegenheit in einem bestimmten Jahr ausdrückt.

loreley hat gesagt…

Vielleicht verkrampft ja auch einmal ein Nadal, wenn so viel auf dem Spiel steht.

Ganz 100 % scheint er mir nicht zu sein und das wird er sein müssen, gegen Murray und später Federer oder meinetwegen Djokovic.

Anonym hat gesagt…

Was ist mit dem Grand Slam von Don Bugde 1938? Ich finde man könnte schon von einem Grand Slam sprechen, wenn ein Spieler 4 Mayors in Folge gewinnt. Denn wenn jemand innerhalb eines Jahres die Nummer 1 wird und dies am Ende des Jahres nicht mehr ist, zählt dies ja auch! Man könnte ählich wie im Fußball bei einem Hattrick von einem lupenreinen Grand Slam sprechen, wenn es geling alle Mayors in einem Jahr zu gewinnen! Aber Rafa ist ja eh raus!

Zacks Tennis hat gesagt…

Ja, sorry, Donald Budge 1938 hätte ich natürlich erwähnen müssen. Das war jazweifellos ein echter Grand Slam.

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