Sonntag, 16. Januar 2011

Trotz Lena Meyer-Landrut: Der World Team Cup wird doch nicht abgeschafft

Theoretisch vorstellbar war es ja schon vor vier Wochen, dass der World Team Cup in Düsseldorf 2011 stattfindet, als wäre nie was gewesen.

Jetzt ist aus der Theorie plötzlich Praxis geworden. Einen Monat, nachdem Turnierdirektor Dietloff von Arnim auf einer Pressekonferenz das sofortige Ende des traditionsreichen Nationenwettbewerbs verkündet hat, scheint die Veranstaltung gerettet. Erste Meldungen in diese Richtung gab es schon seit Mittwoch; heute Abend hat die ATP es offiziell bestätigt.

Nachdem die ARAG-Versicherung als Hauptsponsor abgesprungen ist, springt also ein oberösterreichischer Getränkeanbieter namens Power Horse Energy Drinks ein. Über österreichische Energy-Drinks wusste ich bisher nur, dass Red Bull schmeckt wie ein Knüppel auf den Kopf. Power Horse aber ist wohl was ganz anderes, auch wenn das Getränk weitgehend dieselben Zutaten zu haben scheint wie Red Bull. Laut eigener Webseite operiert das Unternehmen weltweit mit Niederlassungen in Dubai und San Francisco. Zu einem Wikipedia-Eintrag hat es bisher aber nur in der deutschsprachigen Welt gereicht.

Der World Team Cup also soll Power Horse weltweit bekannt machen. Wie viel Geld die Österreicher dafür hinblättern, dazu schweigt man sich in Düsseldorf bisher aus. Es scheint aber messbar weniger zu sein als die 1,4 Millionen, die die ARAG zahlte. Zumindest ist in den offiziellen Statements die Rede von einer Finanzierungslücke von 1,3 Millionen Euro, die mit Hilfe von Power Horse und anderen Sponsoren geschlossen worden sei.

Wahscheinlich war es tatsächlich so wie spekuliert: Der Rochus Club als Veranstalter hat mit seiner Ankündigung, das Turnier aufzugeben, auch die ATP unter Druck gesetzt, bei den Lizenzgebühren, die 750.000 Euro betragen haben sollen, einen Rabatt zu gewähren.

So definitiv, wie Dietloff von Arnim im Dezember tat, war das Ende des World Team Cups wohl sowieso nicht. Die ATP strich ihn jedenfalls zu keinem Zeitpunkt aus ihrem Kalender und kündigte stattdessen stets bald folgende Details zum Ticketverkauf an. In dieser Woche beeilte man sich außerdem zu versichern, dass die Zimmer in den Spielerhotels selbstverständlich weiterhin frei gehalten worden seien, und das, obwohl am Vorabend des World Team Cups in Düsseldorf das größte Medienereignis seit Ben Hur ansteht: Lena Meyer-Landrut verteidigt am 14. Mai ihren Titel beim Eurovision Song Contest. (Außerdem bindet angeblich die Verpackungsmesse Interpack in der fraglichen Woche gewisse Hotelkapazitäten in der Landeshauptstadt..)

Eine kleine Unwägbarkeit scheint noch zu sein, ob der WDR wieder die Fernsehübertragung in alle Welt sicherstellt, ohne die den österreichischen Engergydrinkbrauern ihre Sponsorenschaft ja nix nützt. Aber auch das wird sich wohl einrenken.

Nur: Was haben wir nun davon? In den letzten Jahren, ich wiederhole mich, ist der World Team Cup zu einer durch und durch verzichtbaren Veranstaltung geworden. Bisher ist nur davon die Rede, dass das Turnier für dieses Jahr gerettet ist. Danach geht das Geschrei vielleicht von vorne los. Aber vielleicht tut der Wirbel um die Beinahe-Abschaffung der Veranstaltung ja auch ganz gut.

Ich jedenfalls werde wohl mal hinfahren und mir die ganze Sache angucken. Vorausgesetzt, ich finde trotz Lena und trotz Interpack irgendwo eine Unterkunft.

Ach ja: Vor lauter Aufregung hat sich noch fast niemand damit befasst, welche Länder 2011 eigentlich qualifiziert sind. Die Zeiten, in denen die besten Teams tatsächlich alle antraten, sind zwar vorbei, aber man kann ja trotzdem mal nachschauen, wer es gewesen wäre. Es zählt die kombinierte Weltranglistenposition der beiden bestplatzierten Spieler eines Landes vom 6. Dezember 2010, als da wären:

Spanien 8 Rafael Nadal (1), David Ferrer (7)
Schweiz 23 Roger Federer (2), Stanislas Wawrinka (21)
USA 24 Andy Roddick (8), Mardy Fish (16)
Frankreich 25 Gael Monfils (12), Jo-Wilfried Tsonga (13)
Serbien 31 Novak Djokovic (3), Viktor Troicki (28)
Kroatien 31 Marin Cilic (14), Ivan Ljubicic (17)
Argentinien 31 Juan Martin del Potro (PR 5), Juan Monaco (26)

Die Wild Card würde dann, wie gewohnt, an Deutschland gehen: Philipp Kohlschreiber (34), Florian Mayer (37) = 71

Erster Nachrücker wäre Russland: Michail Juschni (10), Nikolai Dawidenko (22) = 32.

Und hier die Webseite des World Team Cups

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