Sonntag, 12. Dezember 2010

Jahresrückblick 2010

Wie vor einer Woche angekündigt, gibt es heute den ATP-Tour-Jahresrückblick 2010. Dazu vergegenwärtigen wir uns erst einmal die Ausgangssituation: Rafael Nadal war 2009 von Verletzungen gebeutelt und hatte den Weltranglistenplatz 1 an Roger Federer verloren. Hinter den beiden hatten sich Novak Djokovic und Andy Murray etabliert. Diese Spieler gingen als die großen Vier in die Saison. Der eigentliche Shootingstar war aber Juan Martin del Potro, der 2009 die US Open gewonnen hatte und nach einer Verletzungsunterbrechung beim World-Tour-Finale das Endspiel erreichte.

Aber nun ins Jahr 2010:

Abschnitt 1: Januar mit den Australian Open

Nikolai Dawidenko startet ins Jahr 2010 so gut, wie er das Jahr 2009 beendet hatte: Nach seinem Sieg beim Worldtour-Finale in London im November gewinnt er im Januar in Doha. Den Titel beim anderen wichtige Vorbereitungsturnier in der ersten Woche des Jahren, in Brisbane, holt sich Andy Roddick.

Dann ging es nach Melbourne: Rafael Nadals Mission, Platz 1 der Weltrangliste zurückzuerobern, beginnt mit einem Rückschlag: Er verliert im Viertelfinale gegen Andy Roddick. Am 1. Februar ist Nadal nur noch die Nummer 4 im Ranking – hinter Roger Federer, Novak Djokovic und Murray. Roger Federer gewinnt standesgemäß den Titel, Murray kommt ins Endspiel. 2008, Jo-Wilfried Tsonga. Die große Überraschung war der an 14 gesetzte Kroate Marin Cilic, der im Achtelfinale den neuen Superstar aus Argentinien schlug: Juan Martin del Potro. Es ist del Potros letztes Match vor einer Verletzungspause, die fast das gesamte Jahr andauern wird.
Dann schlägt Cilic auch noch Andy Roddick zieht ins Halbfinale ein, wo er in vier Sätzen gegen Andy Murray verliert. Ach ja: Novak Djokovic, nun Nummer 2 der Welt, kam bis ins Viertelfinale.

Abschnitt 2: Hartplatz-Frühjahr (Februar, März)

Die Frühjahrssaison gehört einem Mann, der schon fast vergessen war und dessen Turniersieg in Brisbane kaum jemand wirklich ernst nahm: Andy Roddick: Endspiele in San Jose und Indian Wells, Turniersieg in Miami. Den Titel in Indian Wells holt sich ein anderer fast Vergessener: Ivan Ljubicic. Roddicks Endspielgegner beim Masters in Miami ist ein ebenfalls fast vergessenes ewiges Talent: Tomas Berdych. Die großen Vier halten sich bei den beiden Frühjahsmasters mit ihren Aktionen eher bedeckt: Von ihnen schafft es nur Rafael Nadal jeweils bis ins Halbfinale. Ganz unauffällig gelingt dasselbe Kunststück (also zwei Mal Halbfinale) auch einem Schweden, der außer mit seinem Roland-Garros-Endspiel 2009 bisher nicht weiter aufgefallen war: Robin Söderling.

Abschnitt 3: Sandplatz-Frühjahr mit den French Open (April und Mai)

Nach Miami hat sich Rafael Nadal immerhin wieder auf Platz 3 zurückgekämpft. Auf europäischem Sand ist er unschlagbar: Er gewinnt hintereinander die Masters-Turniere von Monte Carlo, Rom und Madrid und natürlich auch die French Open und gibt in dieser Zeit nur zwei Sätze ab. Danach ist er wieder die Nummer 1. Ins French-Open-Halbfinale spielen sich Tomas Berdych und überraschend auch Jürgen Melzer. Aber neben Nadal ist eigentlich niemand groß zu erwähnen – außer Robin Söderling. Der schafft es bei den French Open schon wieder ins Endspiel. Dass er unterwegs Roger Federer schlägt, ist bloß noch eine Randnotiz.
Fernando Verdasco, David Ferrer und Roger Federer dürfen sich jeweils eine Masters-Finalniederlage gegen Nadal abholen.

Abschnitt 4: Rasensaison mit Wimbledon (Juni und Anfang Juli)

Bei den Vorbereitungsturnieren in Halle/Westfalen und im Londoner Queen's Club gewinnen diesmal nicht Roger Federer und Rafael Nadal, sondern Lleyton Hewitt und Sam Querrey. Auf dem heiligen Rasen von Wimbledon werden die Verhältnisse wieder zurechtgerückt – jedenfalls aus Nadals Sicht. Der holt sich den Titel im Endspiel gegen Tomas Berdych. Federer muss so früh die Koffer packen wie seit 2002 nicht mehr: Er scheidet im Viertelfinale aus – gegen Berdych. Andy Roddick, der die Frühjahrs-Hartplatzsaison dominiert hatte und der die Sandplatzsaison fast komplett ausfallen ließ, misslingt die Rückkehr auf den Platz: Der Vorjahresfinalist scheidet im Achtelfinale gegen einen gewissen Lu Yen-Hsun aus Taiwan aus. Großbritanniens Titelhoffnung Andy Murray schafft immerhin ein Halbfinale – aber gegen Rafael Nadal ist auch er chancenlos. Auch Novak Djokovic kommt ins Halbfinale – und schafft es damit endlich mal auf den Radar unseres Jahresrückblicks.

Abschnitt 5: Sommer-Hartplatzsaison mit US Open (Juli bis September)

Ach ja, ein paar europäische Sandplatzturniere gibt es im Hochsommer ja auch. Beim größten von ihnen, am Hamburger Rothenbaum, gewinnt ein aus Russland eingebürgerter Kasache: Andrei Golubew, bis dahin die Nummer 82 der Welt. Die eigentliche Musik spielt in Amerika. Im Masters-Finale von Toronto gewinnt Andy Murray gegen Roger Federer. Halbfinalisten sind Nadal und Djokovic – die großen Vier endlich mal unter sich. Beim Masters in Cincinnati kommt von den Großen nur Federer durch: Er schlägt im Finale Mardy Fish.

Dann die US Open: Titelverteidiger del Potro sitzt noch immer verletzt in Argentinien. Mittlerweile häufen sich Meldungen, er habe nicht nur mit einem lädierten Handgelenk zu kämpfen, sondern auch mit einer angeknacksten Psyche. Rafael Nadal gewinnt erstmals in seiner Laufbahn die US Open. Er dominiert die Szene längst wieder wie vor seinem Verletzungsjahr 2009. Auch Djokovic ist wieder da: Im Halbfinale ringt er Federer mit 7:5 im fünften Satz nieder. Der vierte Halbfinalist ist Michail Juschni aus Russland.

Abschnitt 6: Asiatische Hartplatz- und europäische Hallensaison (Oktober und November)

Der chinesische Markt ist ja von überragender Bedeutung, also fliegen die Spitzenprofis alle schnell nach Schanghai. Roger Federer und Andy Murray strengen sich dort sogar an und ziehen ins Endspiel ein, das Murray gewinnt. Juan Martin del Potro, der eigentlich auch wieder dabei sein wollte, verzichtet nach einer ehrbaren und einer vernichtenden Erstrundenniederlage (Bangkok und Tokio) auch Schanghai und beendet die Saison nach nur drei bestrittenen Turnieren. Nun kommt noch das Masters von Paris-Bercy. Es gewinnt Robin Söderling (im Finale gegen Gael Monfils), damit bricht er endgültig in die Viererphalanx von Nadal, Federer, Djokovic und Murray ein. Beim Worldtour-Finale in London aber muss sich Söderling wieder hinten anstellen: Das Endspiel gewinnt Federer gegen Nadal. Murray und Djokovic spielen Halbfinale.


Das war es also, dieses Jahr. Die große Titel teilten sich Rafael Nadal und Roger Federer unter sich auf. Im Gegensatz zu Andy Murray hat Novak Djokovic einen starken Trost: Er holte mit Serbien den Davis-Cup. Andy Murray hatte ein starkes Frühjahr, Tomas Berdych einen starken Sommer und Robin Söderling mischte sich konstant immer mal wieder oben ein.

Und wie geht es nun weiter? Interessant wird sein, ob und wie schnell Juan Martin del Potro sein überragendes Talent wird ausspielen können und ob Roger Federer sein Topniveau weiter wird halten können. Er wird im Sommer 30 und gehört dann zur Seniorenfraktion auf der Tour. Dass Rafael Nadal schlapp macht, glaube ich im Moment nicht. Er scheint einen Weg gefunden zu haben, mit seinem Körper etwas ressourcenschonender umzugehen als noch vor zwei Jahren.

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