Sonntag, 7. November 2010

Tobias Kamke. Hm.

Es wird Zeit, dass ich mal einen Artikel über Tobias Kamke (24) schreibe. Das Problem dabei: Ich finde ihn langweilig.

Das ist natürlich ein völlig unmöglicher Einstieg in diesen Text. Warum sollte irgend jemand weiterlesen, wenn ich gleich im zweiten Satz Langeweile ankündige? Aber es ist nun mal die Wahrheit.

Dabei habe ich Tobias Kamkes Erfolge schon in der Regionalpresse verfolgt, als er noch zur Schule ging. Er ist mein schleswig-holsteinischer Landsmann, und das erste Mal spielen gesehen habe ich ihn, als er sich als 18-Jähriger im Februar 2005 für das Challenger in seiner Heimatstadt Lübeck qualifizierte und in der ersten Runde gegen den damals noch irgendwo in den 200ern platzierten Michael Berrer verlor. Bei demselben Turnier kam Mischa Zverev aus Hamburg, damals 17 Jahre alt, ins Viertelfinale, und ich war mir sicher, dass ich Zverev sehr viel dringender im Auge behalten muss als Tobias Kamke. Ich behielt Zverev also im Auge und musste drei Monate später lesen, dass Zverev bei einem Future in Finnland gegen Tobias Kamke sang- und klanglos verlor.

In dieser Woche hat Kamke zum ersten Mal gegen einen Top-10-Spieler gewonnen. In Basel schlug er in der ersten Runde den tschechischen Wimbledonfinalisten Tomas Berdych. Kamke steht in der Rangliste jetzt auf Platz 70, zwölf Plätze vor Zverev, und ich wage die Prognose: Er wird noch weiter nach oben klettern, wahrscheinlich sogar unter die ersten 50, und es wird ganz fürchterlich langweilig sein.

Sogar sein Sieg gegen Tomas Berdych war langweilig. Kamke hat großartig gespielt, er hat passgenaue und kräftige Vorhände übers Netz gedroschen, er stand fast immer richtig zum Ball. Berdych sah aber nicht so aus, als würde ihn dieses Match irgendwie interessieren, wie er sich seit seinem Wimbledonfinale überhaupt für keine Turniere mehr zu interessieren scheint, die keine Grand Slams sind.

Tobias Kamke ist als Lucky Loser ins Baseler Hauptfeld gerutscht. Andere Lucky Loser hätten beim Matchball gegen den Wimbledonfinalisten vor Aufregung zwei Doppelfehler serviert, und der Wimbledonfinalst hätte gar nicht anders gekonnt, als das Match, für das er sich eigentlich gar nicht interessiert, doch noch zu gewinnen.

Aber Tobias Kamke umgibt einfach keinerlei Drama. Wenn er der bessere Mann auf dem Platz ist, dann gewinnt er auch. Damit qualifizierte er sich in diesem Jahr für die French Open und für Wimbledon und erreichte die zweite und die dritte Runde. Damit gewann er zwei Challengers und kam bei zwei weiteren ins Finale. Er ist einfach unglaublich solide.
Ganz im Gegensatz zum oben erwähnten Mischa Zverev. Nicht nur, dass der in seinen jungen Jahren Kamikaze-Serve-und-Volley gespielt hat, wie es Tobias Kamke im Traum nicht einfallen würde. Tobias Kamke würde es auch im Traum nicht einfallen, wie Zverev dutzendfach Matches zu vergeigen, nachdem er den ersten Satz 6:1 gewonnen hat. Aber anders als Kamke hat Zverev schon mal ein Endspiel auf der ATP-Tour erreicht (in diesem September in Metz) und ein Masters-Viertelfinale (letztes Jahr in Rom).

Vielleicht schafft Kamke sowas in den nächsten zwei, drei Jahren auch noch – ganz unspektakulär wie bei seinem Sieg gegen Berdych in dieser Woche. Zverev wird in der Rangliste weiter zwischen Platz 40 und 140 herumschwanken, während Kamke Pünktchen für Pünktchen nach oben klettern wird. Dabei wachsen die Bäume für ihn nicht in den Himmel. So unspektakulär, wie er gegen Berdych gewann, verlor er in der zweiten Runde gegen Richard Gasquet. Und gestern schied er in der Qualifikation für das Masters in Paris-Bercy aus.

Die ATP hat Kamke übrigens für den Preis Newcomer of the year nominiert.

Hier das ATP-Profil von Tobias Kamke

Kommentare:

jmg hat gesagt…

Das meiste sehe ich gegenteilig. Kamke war doch immer als "choker" bekannt, gerade das Match gegen Tursunov in Helsinki (6-4 5-1) ist legendär. Auch seine Spielweise ist anders als die der meisten anderen deutschen Spieler. Als ich ihn das erste Mal 2005 gesehen habe, hatte ich sofort den Eindruck, eine Nachwuchshoffnung mit attraktiver Spielweise zu sehen.

Zack hat gesagt…

Naja, das Match gegen Tursunov ist zwei Jahre her. Ich find nicht, dass er seitdem großartig gechokt hat.

Und seine Spielweise ist natürlich nicht direkt schlimm, aber ich find sie eben auch nicht besonders aufregend.

Anonym hat gesagt…

So mal ne kleine Klarstellung:
Tobias Kamke ist derzeit die Nr. 66 der ATP-Weltrangliste und das finde ich mehr als eine Sensation!

Ich weiß gar nicht was Zack gegen ihn hat?
Erstmal selber Tennisspielen können wär evt. ein Anfang, als solche Kommentare hier zulassen!

Ich habe Kamkes Spiele seit gut 2 Jahren aktiv verfolgt und muss sagen er spielt ein super Tennis!!!

Anonym hat gesagt…

Entschuldigung, ich nehme das mit dem Tennisspielen können zurück!!!

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