Sonntag, 17. Oktober 2010

Wette gegen Federer? Forstmanns 40.000 Dollar

Eine kuriose Schlagzeile kam in dieser Woche aus Amerika und wurde zwar nicht von den deutschen Medien, wohl aber von den schweizerischen aufgegriffen: In einer Klageschrift in Los Angeles, in der es um Wettbetrug geht, taucht der Name Roger Federer auf.

Das Klatschportal TMZ hat die Geschichte aufgebracht, und ganz verstanden habe ich sie noch nicht. Soweit ich die Sache bisher zu durchdringen in der Lage bin, gibt es keine ernsthaften Anzeichen dafür, dass Roger Federer ein Wettbetrüger sein könnte. Es könnte aber sehr wohl sein, dass er sich in absehbarer Zeit immer wieder mal mit entsprechenden Verdächtigungen wird herumschlagen müssen. Deshalb sehen wir uns diese Sache jetzt mal näher an.

Im Vordergrund der TMZ-Geschichte steht Golfstar Tiger Woods, mit dem man in den USA mehr Aufmerksamkeit erregen kann als mit Federer. Inhaltlich geht es aber genauso um Federer. Theodore Forstmann, der Haupteigentümer des Sportmanagement-Unternehmens IMG, das sowohl Woods als auch Federer betreut, soll Wetten abgeschlossen haben auf Niederlagen von Woods und Federer – und er soll dabei Insider-Wissen genutzt haben. Forstmann soll eine Wette auf das French-Open-Finale zwischen Rafael Nadal und Federer 2006 oder 2007 (da gibt es widersprüchliche Angaben) von 10.000 auf 40.000 Dollar erhöht haben, nachdem er mit Federer über das bevorstehende Match gesprochen haben soll. Beide Endspiele, 2006 und 2007, gewann Nadal. In beiden Fällen war das Ergebnis keine Überraschung. Federer war damals zwar die Nummer 1, aber auf Sand war Nadal ihm überlegen.

Der Vorwurf, wie er auf TMZ formuliert ist, lautet nun, Federer habe Frostmann Insider-Informationen gegeben. Das ist natürlich banal, wenn es bedeutet, dass Federer vor seinem Match mit seinem Manager sprach und dabei Sachen sagte wie „Ich bin der Außenseiter.“ Wettbetrug wäre es, wenn er absichtlich verlöre und einen Strohmann Geld gegen sich setze ließe. Darauf deutet aber nichts hin. (Außerdem haben die Schweizer Medien natürlich Recht, wenn sie sagen, dass Federer bei seinem Millionenverdienst keinerlei Veranlassung hatte, seine Reputation und einen möglichen Grand-Slam-Titel für eine 40.000-Dollar-Wette aufzugeben.)

Bleibt die Frage, ob Frostmann unabhängig von Federers Plänen auf Nadal gesetzt haben könnte, weil er nach einem Gespräch mit seinem Klienten den Eindruck bekam, dass die Nadal-Wette aussichtsreich sein könnte. Ich kenne Frostmanns Vermögensverhältnisse nicht, aber wer das Unternehmen besitzt, dass Roger Federer und Tiger Woods managt, wird nicht so klamm sein, dass er wegen 40.000 Dollar die Ante-Sapina-Schiene fährt. Laut englischer Wikipedia stand er 2008 auf der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner. Was ich natürlich nicht weiß, ist, ob Frostmann den Nervenkitzel liebt und gern mal irgendwo ein paar Tausender setzt so wie unsereins mal zwei, drei Euro riskiert.

Die Verteidigungsstrategie von Frostmann besteht anscheinend darin, die Glaubwürdigkeit des Mannes zu unterminieren, der die Vorwürfe erhoben hat. Es handelt sich um einen gewissen James Agate von der Firma Agate Printing, der als Mittelsmann für Forstmanns Wetteinsätze gehandelt haben will.

Zu den Dingen, die ich bisher nicht durchschaut habe, gehört, um was für eine Art von Klage es vor dem Los Angeles County Superior Court überhaupt geht. James Agate scheint der Kläger zu sein. Es ist also kein Strafverfahren (dann müsste ja die Staatsanwaltschaft Anklage erheben), sondern eine zivilrechtliche Auseinandersetzung, in der es um Geld gehen dürfte, das Agate von Forstmann haben will.

Einen allgemeinen Einstieg ins Thema Wettmanipulation gibt es hier.

Kommentare:

Doogie hat gesagt…

Du einen gravierenden Fehler in deinem Denken: Das weitergeben von Insiderinformationen IST Wettbetrug (auch wenn man nicht selber wetten) - das ist ähnlich wie mit Aktien usw!!!

Zack hat gesagt…

Das Weitergeben von Insider-Informationen ist dann kein Wettbetrug, wenn man nicht im Entferntesten damit rechnet, dass jemand zu wetten beabsichtigt. Sonst dürfte Federer ja nicht einmal seine Trainer sagen, dass er sich unwohl fühlt. Mit seinem Manager muss er auch ein Vertrauensverhältnis pflegen können, dass es ihm erlaubt, über seine Befindlichkeiten zu reden.

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