Sonntag, 31. Oktober 2010

Dustin Brown spielt jetzt als Deutscher

Deutschland hat einen neuen Tennisprofi. Es ist Dustin Brown aus Celle. Er ist 25 Jahre alt, belegt auf der Einzel-Weltrangliste Platz 102 und auf der Doppel-Weltrangliste Platz 68. Dem interessierten Fernsehpublikum wurde der Rasta-Mann bekannt, als er in diesem Jahr die zweite Runde der US Open erreichte und dort gegen Andy Murray spielte.

Bisher führte die ATP ihn als Jamaikaner. Beim Challenger in Eckental bei Nürnberg, das morgen beginnt und bei dem er an Nummer 1 gesetzt ist, steht in den offiziellen Ergebnislisten erstmals „BROWN, Dustin (GER)“ . Seinen Nationalitätenwechsel gab Brown am Wochenende via Facebook bekannt. Ganz überraschend kam der Schritt nicht. Deutscher Staatsbürger ist er sowieso. Er ist hier geboren und auch überwiegend hier aufgewachsen. Seine Mutter heißt Inge und ist eingeborene Niedersächsin. Mit dem jamaikanischen Tennisverband liegt er seit einiger Zeit in einem öffentlich ausgetragenen Clinch, weil er sich vom Verband nicht genügend unterstützt fühlt.

Schon im Sommer – genau genommen während Wimbledon - wurde kolportiert, er könnte seine Länderflagge wechseln. Komischerweise berichteten darüber vorwiegend englische Medien, und man meinte, Brown würde nun gewiss Brite werden, weil sein jamaikanischer Vater britische Vorfahren hat.

Für Großbritannien wäre Dustin Brown für den Davis-Cup hochinteressant gewesen. Nach Andy Murray (Nr. 4) ist derzeit James Ward (Nr. 220) zweitbester Brite. In Deutschland ist er nur der zehntbeste Spieler und damit nicht unbedingt ein Kandidat fürs Davis-Cup-Team. Insofern kann man sich fragen, was sich Brown eigentlich davon verspricht, nun für sein Geburtsland zu spielen. Als Jamaikaner ist er auch nicht schlecht gefahren. Wegen seines Exotenstatus als Bob Marley des Tenniszirkus war ihm überall auf der Welt, wo er zu einem Turnier antrat, eine gewisse Aufmerksamkeit sicher. Und um Unterstützung vom Tennisverband kann es ihn jetzt eigentlich nicht mehr gehen, dieser Phase ist er entwachsen. So etwas wäre in den letzten Jahren hilfreich gewesen, als er im Campingbus durch Deutschland und die Nachbarländer von Future-Turnier zu Future-Turnier gurkte. In diesem Jahr hat er schon 200.000 Dollar Preisgeld verdient. Abzüglich der Reise- und Unterkunftskosten macht ihn das nicht zum reichen Mann, aber er wird auch ohne Hilfe eines Tennisverbandes über die Runden kommen.

Vielleicht spielt für Browns Entscheidung doch der Davis-Cup eine Rolle. Im Einzel dürfte er seinen Zenit bald erreicht haben, aber er ist auch ein exzellenter Doppelspieler. Neulich gewann er in Metz zusammen mit dem Holländer Rogier Wassen sein ersten ATP-Turnier. In dieser Woche standen die beiden in Monpellier im Halbfinale. In der Dopepel-Rangliste ist Dustin Brown schon jetzt der fünftbeste Deutsche, und weil Doppelspieler oft erst jenseits der 30 ihre besten Leistungen bringen, ist da noch Luft nach oben.

Mit Großbritannien würde er in der dritten Davis-Cup-Division gegen Länder wie Tunesien, Litauen oder die Türkei spielen. Das klingt nicht wesentlich spektakulärer als die Einsätze, die er 2003 für Jamaika schon absolviert hat: gegen Bolivien, El Salvador und Puerto Rico. Als Deutscher muss er um eine Platz im Team zwar hart kämpfen, aber wenn er zum Einsatz käme, wäre es immerhin auf der großen Bühne der Davis-Cup-Weltgruppe.

Und außerdem: Wenn ich ihn in diesem ATP-Video reden höre, klingt mir das doch sehr nach Englisch mit leicht deutschem Akzent:



Also: Willkommen zu Hause, Dustin!


Kleiner Nachtrag am Montagmorgen: Auf der heute veröffentlichten Weltrangliste wird Dustin Brown noch als Jamaikaner geführt.

Noch ein Nachtrag am Montagabend: Jetzt ist er auf der Welttangliste Deutscher. Dafür haben sie ihn auf der Eckentaler Ergebnisliste wieder zum Jamaikaner gemacht. Hoffentlich sehen sich jetzt nicht all diejenigen bestätigt, die meinen, doppelte Staatsbürgerschaften sorgen für Loyalitäts- und sonstige Konflikte.

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