Sonntag, 5. September 2010

Jack Sock, Joao Zwetsch und der Satz von Wolstenholme

In der ersten Runde der US Open verlor Jack Sock mit 1:6, 4:6, 6:1 und 1:6 gegen Marco Chiudinelli aus der Schweiz. Jack Sock ist hoffnungsvolle 17 Jahre alt und belegt auf der Weltrangliste den 651. Platz. Die Wild Card verdiente er sich als US-Jugendmeister. Aufmerksamkeit erregte er in dieser Woche weniger dadurch, dass er gegen Chiudinelli (immerhin die Nummer 63) einen Satz gewann, sondern durch die geniale Schlichtheit seines Namens: Jack Sock – das rockt. Wer so heißt, der kann ganz groß rauskommen. Womit wir bei unserem heutigen Thema wären: Spieler mit einprägsamen, abseitigen oder anderweitig auffälligen Namen. (Chiudinelli ist auch kein schlechter Name, übrigens)

Der einzige aktuelle Weltklassemann in dieser Kategorie ist ohne Frage Jo-Wilfried Tsonga (Nr. 11). Tsonga allein ist ja schon bemerkenswert. Aber dann auch noch als Franzose mit dem äußeren Erscheinungsbild des legendären Muhammed Ali als zweiten Vornamen in Verbindung mit dem schlichten Jo den alten deutschen Namen Wilfried zu tragen, das ist kaum zu toppen.

Mit Jo-Wilfried Tsonga assoziierte ich stets Jesse Huta Galung (Niederlande/Nr. 144). Die beiden Namen habe ich vor einigen Jahren ungefähr zur gleichen Zeit entdeckt und fand sie in ihrer Seltsamkeit derart ähnlich, dass ich meinen Augen kaum glauben mochte, als ich Jesse Huta Galung zum ersten Mal sah: Er hat überhaupt keine Ähnlichkeit mit Tsonga. Er scheint indonesische Vorfahren zu haben, das sieht man aber nur, wenn man genau hinguckt.

Aus dem aktuellen Teilnehmerfeld der US Open (dem Huta Galung nicht angehört) ist Carsten Ball (Australien, Nr. 145) zu nennen. Als Profi-Ballsportler Ball zu heißen, ist von vorbildlicher Konsequenz. Das ist mir aber anfangs gar nicht aufgefallen. Am meisten staune ich noch immer über den Vornamen: Carsten. Da kommt einer aus Australien und trägt als Namen die plattdeutsche Variante von Christian.

Überhaupt sorgen ja deutsche Namen, deren Träger von der Südhalbkugel kommen, immer wieder für ein gewisses Hurra, was wir nicht erst seit dem brasilianischen Champion Gustavo Kuerten wissen, der seine ersten Triumphe feierte, als Dieter Kürten noch das ZDF-Sportstudio moderierte. Aktuell haben die Argentinier insbesondere Leonardo Mayer (Nr. 79) und Eduardo Schwank (Nr. 57) zu bieten. Schwanks Vorfahren sollen Schweizer gewesen sein und keine Deutschen, aber das tut nichts zu Sache, hier geht es ja um Namen und nicht um Blut. Überhaupt sind im argenitischen Tennis die deutschnamigen Spieler viel häufiger als im Fußball (wo mir im Moment nur Gabriel Heinze einfällt – und Paolo Rink, aber ist ja sowieso Deutscher).
Der zweitschönste dieser Namen: Leonardo Kirche (Brasilien/Nr. 392). Den allerschönsten deutsche Namen in Brasilien aber trägt nur einer: Joao Zwetsch. Den Namen las ich Ende der 80er mal im Tennis-Magazin in einem Artikel über das ATP-Regelwerk. Der Autor wählte als Schlusspointe, dass die meisten Regeln für alle Spieler gleich seien – von Ivan Lendl bis Joao Zwetsch. Zwetsch war damals nämlich Weltranglistenletzter, und diese Ehre hatte er seinem Namen zu verdanken. Am Ende der Rangliste waren alle Spieler mit genau einem Weltranglistenpunkt alphabetisch sortiert. Damals hatten wir ja noch kein Internet, und das Tennis-Magazin druckte die Rangliste immer nur monatlich bis Platz 75 ab. Es schien also schier aussichtslos, jemals den Namen des Weltranglistenletzten zu erfahren. Schon allein deshalb bewahrte ich Joao Zwetsch tief in meinem Herzen. Tröstlich übrigens, dass Zwetsch nicht Letzter blieb, sondern kurz darauf bis auf Platz 231 kletterte. Er gewann sogar mal einen Satz gegen Bernd Karbacher. Ich hatte fast Tränen der Rührung, als ich ihm neulich wieder begegnete: Er ist heute Brasiliens Davis-Cup-Kapitän.

Abschließend zum Kapitel mit den deutschen Namen: Mariusz Fyrstenberg (Nr. 18 im Doppel) schätze ich besonders wegen der eingepolnischten Form mit dem Y. Die meisten aktuellen polnischen Tennisprofis sind für deutsche Zungen relativ gut aussprechbar, aber einen Mann gibt es, für den hat irgendjemand sämtliche Klischees über die polnische Sprache zu einem Nachnamen zusammengerührt: Michał Przysiężny (Nr. 90). Dagegen agieren wir mit Philipp Petzschner (Nr. 52), Philipp Kohlschreiber (Nr. 31) und Denis Gremelmayr (Nr. 135) im Sinne internationaler Aussprechbarkeit noch geradezu vorbildlich. Auch den Tschechen kann man mit Lukas Dlouhy (Nr. 5 im Doppel) nur geringfügige Vorwürfe machen.

Sehr schöne Namen hat man traditionell in Thailand zu bieten. Unvergessen ist Paradorn Srichaphan (ehemals Nr. 9). Sein Landsmann Danai Udomchoke (ehemals Nr. 77) kann da nicht nur sportlich, sondern auch namentlich nicht wirklich konkurrieren. Aber es gibt ja noch die Zwillinge Sanchai und Sonchat Ratiwatana (Nr. 93 im Doppel) und natürlich der wegen seiner Wild Cards für das ATP-Turnier von Bangkok bekannte Kittipong Wachiramanowong (Nr. 534).

Auch die Philippinen haben unterhaltsame Namen zu bieten, auch wenn die beiden folgenden Spieler eigentlich aus den USA kommen und im Wesentlichen aus Davis-Cup-Gründen für das Land ihrer Vorfahren spielen: Cecil Mamiit (ehemals Nr. 72) erzielt Coolness dank seines doppelten i. Treat Conrad Huey (Nr. 108 im Doppel) klingt cool ganz ohne jede Dopplung in der Schreibweise.

Wegen ungewöhnlicher Buchstabenkombinationen schaffen es auch Michael Llodra (Frankreich, Nr. 35) und Carlos Berlocq (Argentinien, Nr. 101) in diese Zusammenstellung. Lovro Zovko (Kroatien, Nr. 90 im Doppel) schätze ich wegen des um Haaresbreite abgewendete Reimes.

In eine ganz andere Kategorie auffälliger Namen gehören Sergei Bubka (Ukraine, Nr. 306) und Miloslav Mecir (Slowakei, Nr. 318), die genau wie ihre berühmten Väter heißen.

Zum Abschluss ein paar unvergessene Namen aus den Tiefen des vergangenen Jahrhunderts: Wir beginnen mit Ricki Osterthun (Hamburg, ehemals Nr. 58).

Erinnert sei zudem an die australischen Doppelspezialisten Todd Woodbridge und Mark Woodforde, denen gar nichts anderes übrig blieb, als gemeinsam Grand-Slam-Titel zu sammeln. Ich fand es tragisch, als Woodforde, der etwas Ältere der beiden, eines Tages seine Karriere beendete und Woodbridge mit einem anderen Doppelpartner (immerhin war es Jonas Björkman) weitermachen musste.

Der Franzose Guy Forget (ehemals Nr. 4) war bemerkenswert, weil sich sein Name so schön auf Englisch aussprechen ließ.

Wer wissen will, was das Besondere an Jaime Yzaga (Peru, ehemals Nr. 18) war, liest den Nachnamen einfach mal rückwärts.

Wenn Christo van Rensburg (Südafrika, ehemals Nr. 19) gewann, freute ich mich damals stets über den Sieg für meine Nachbarstadt (auch wenn Rendsburg natürlich mit d geschrieben wird).

Warum mir Martin Wostenholme (Kanada, ehemals Nr. 84) tief im Gedächtnis geblieben ist, kann ich nicht sagen. Ich fand immer, der Name habe etwas Magisches. Beim Googeln fand ich den mathematischen „Satz von Wostenholme“. An dem kann es aber nicht liegen. Der Satz heißt nämlich korrekt „Satz von Wolstenholme“, was bloß noch kompliziert klingt und gar nicht magisch.

Kommentare:

noko hat gesagt…

Thailand ist ein Stichwort: Bei den Frauen (wenn auch nicht dein Thema hier) finde ich den Namen "Noppawan Lertcheewakarn" ganz toll, und für nächste Woche beim Challenger in Bangkok hat ein gewisser "Peerakiat Siriluethaiwattana" eine Wildcard bekommen.

timbo hat gesagt…

Zum Thema kuriose Namen auf der WTA-Tour kommt hier noch mein Favorit: „Heidi El Tabakh” - einfach unschlagbar. Sie ist übrigens Kanadierin und verlor gerade in Quebec in der ersten Runde ...

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