Sonntag, 8. August 2010

Pere Riba, der Challengerkönig

Alemannia Aachen führt mit 1402 Punkten vor Fortuna Köln (1376) und den Stuttgarter Kickers (1264). Auf Seite 192 des Kicker-Sonderheftes für die Bundesliga-Saison 2010/2011 steht die ewige Tabelle der Zweiten Liga. Als ich sie sah, erinnerte ich mich daran, dass ich schon lange mal eine im weitesten Sinne vergleichbare Tennis-Tabelle sehen wollte: Eine Challenger-Weltrangliste. Eine Rangliste also, die Aufschluss darüber gibt, welche Spieler in der zweiten Liga des Profizirkus am erfolgreichsten sind. Keine Rangliste über 36 Jahre (das darf jemand anders ausrechnen), sondern – wie die echte Weltrangliste – eine, die die Ergebnisse der letzten 52 Wochen berücksichtigt. Genau wie bei der ewigen Zweitligatabelle darf man, wenn man oben mitspielen will, nicht zu gut sein. Denn sonst entschwindet man ja ganz fix in höhere Sphären und kann keine Punkte mehr machen.

Ich war drauf und dran, mein Vorhaben, eine solche Rangliste zu erstellen, sofort wieder zu verwerfen. Es gibt rund 150 Challenger-Turniere im Jahr, an jedem nehmen 32 Spieler teil. Insgesamt macht das um die 4600 Matches, die ich auswerten müsste. Aber dann begriff ich, dass es natürlich viel einfacher geht. Ich brauche ja keine komplette Liste, es reicht war, wenn die besten 40 oder 50 Spieler draufstehen. Das war eine Sache von anderthalb Stunden oder so (ich hab die Zeit nicht gestoppt). Die ATP hat auf ihrer Webseite die praktische Einrichtung des „Points Breakdown“. Für jeden Spieler lässt sich eine Auflistung anklicken, bei welchem Turnier er in den vergangenen zwölf Monaten wie viele Punkte gemacht hat. Dieser „Points Breakdown“ ist sogar so gut sortiert, dass man auf den ersten Blick die Challengers von den ganz großen Turnieren unterscheiden kann.

Ich habe nur Spieler berücksichtigt, die auf Challengern mindestens 300 Punkte gemacht haben. (Für einen Turniersieg in dieser Kategorie gibt es zwischen 75 und 125 Punkte). Also konnte ich von vornherein alle Spieler insgesamt mit weniger als 300 Weltranglistenpunkten (also von Platz 160 abwärts) vernachlässigen. Spitzenspieler, die nie auf Challengern spielen, konnte ich natürlich auch vernachlässigen.

Das hier ist die aktuelle Challenger-Rangliste, die dabei herauskam:
(Wie in der echten Rangliste habe ich die 18 besten Ergebnisse gewertert. In Klammern die Platzierung auf der echten Weltrangliste. Die letzte Zahl ist die Zahl der gespielte Challengers.)

1.(75) Pere Riba (Spanien) 554 25
2.(90) Ruben Ramirez-Hidalgo (Spanien) 485 22
3.(45) Alexander Dolgopolow (Ukraine) 481 13
4.(101) Carlos Berlocq (Argentinien) 468 23
5.(87) Michal Przysiezny (Polen) 456 13
6.(58) Santiago Giraldo (Kolumbien) 446 13
7.(99) Dustin Brown (Jamaika) 426 26
8.(57) Eduardo Schwank (Argentinien) 421 14
9.(91) Brian Dabul (Argentinien) 419 18
10.(85) Tobias Kamke (Deutschland) 419 23
11.(122) Federico del Bonis (Argentinien) 415 15
12.(74) Daniel Brands (Deutschland) 414 16
13.(102) Paolo Lorenzi (Italien) 412 19
14.(112) Go Soeda (Japan) 406 17
15.(89) Michail Kukuschkin (Kasachstan) 403 17
16.(123) Adrian Ungur (Rumänien) 401 26
17.(42) Florian Mayer (Deutschland) 387 9
18.(104) Filippo Volandri (Italien) 384 21
19.(108) Karol Beck (Slowakei) 381 13
20.(88) Ricardo Mello (Brasilien) 373 11
21.(100) Donald Young (USA) 373 13
22.(142) Denis Gremelmayr (Deutschland) 357 11
23.(46) Thiemo de Bakker (Niederlande) 350 8
24.(134) Stephane Bohli (Schweiz) 350 17
25.(81) Frederico Gil (Portugal) 348 12
26.(113) Pablo Andujar (Spanien) 340 21
27.(76) Stephane Robert (Frankreich) 338 9
28.(44) Lu Yen-Hsun (Taiwan) 336 8
29.(143) Carlos Salamanca (Kolumbien) 335 16
30.(65) Daniel Gimeno-Traver (Spanien) 331 8
31.(110) Steve Darcis (Belgien) 331 14
32.(121) Robin Haase (Niederlande) 328 11
33.(138) Albert Ramos-Vinolas (Spanien) 327 24
34.(47) Michael Berrer (Deutschland) 321 8
35.(48) Juan Ignacio Chela (Argentinien) 315 9
36.(125) Rui Machado (Portugal) 313 18
37.(59) Jarkko Nieminen (Finnland) 308 8
38.(128) Grega Zemlja (Slowenien) 307 24
39.(80) Michael Russell (USA) 306 10
40.(37) Andrei Golubew (Kasachstan) 301 7


Der 22-jährige Vielspieler
Pere Riba aus Barcelona ist der unangefochtene Challengerkönig. Er gewann in Bytom (Polen), Barletta (Italien) und Sevilla, stand in Florianopolis (Brasilien) und Brasov (Rumänien) im Endspiel und erreichte vier weitere Halbfinals und fünf Viertelfinals.

Wie man sieht, sind die Deutschen ganz gut vertreten. Drei Spieler unter den ersten 20. Und eigentlich können wir den Ranglistenneunten auch noch mitzählen, den in Celle geborenen und in Hannover wohnhaften Jamaikaner
Dustin Brown.

Es ist eine sehr bunte Liste, finde ich. Vorne weg ein paar aufstrebende Spieler wie Santiago Giraldo oder Alexander Dolgopolow, die bald Boden verlieren werden, weil sie sich auf der großen ATP-Tour durchsetzen dürften oder schon durchgesetzt haben. Aber gleichauf mit ihnen sind auch Altmeister wie Ruben Ramirez-Hidalgo oder Carlos Berlocq. Besonders zu beachten ist die Nummer 11, Federico del Bonis (19) aus Argeninien, der hat sich in letzter Zeit stark verbessert. Das ewige US-Wunderkind Donald Young steht auch gar nicht so schlecht da. Und natürlich Florian Mayer, der eigentlich viel zu gut für die zweite Liga ist, aber einfach gerne dann und wann abseits der großen Scheinwerfer spielt. Ein Deutscher, mit dem ich auf dieser Liste fest gerechnet hatte, fehlt übrigens: Björn Phau, die Nummer 94 der echten Weltrangliste. Er hat eine Großteil seiner Punkte mit zweiten Runden und erfolgreichen Qualifikationen auf den größeren ATP-250-Turnieren gemacht.

Kommentare:

Klaus hat gesagt…

Hach, die Ideen für Texte sind einfach immer wieder toll hier. Weiter so! Das ist Platz zwei hinter dem Holzlöffel-Artikel ;)

noko hat gesagt…

Ich, um ehrlich zu sein, fand den Holzlöffel-Artikel wesentlich witziger, aber mir gefällt die Aufstellung aus folgendem Grund:
Ich glaube, dass, wie das ja in diesem Blog in Bezug auf Florian Mayer oft angeklungen ist, dass viele Spieler ein theoretisches Potenzial haben, dass sie auf großeren Turnieren einfach nicht abrufen können. Es ist interessant zu sehen, wer derzeit solche Kandidaten sind. Dass Florian Mayer derjenige ist, der mit einer einstelligen Anzahl an Challenger-Teilnahmen am höchsten auf der Liste platziert ist, bestärkt mich in dieser Ansicht.

Marc B. hat gesagt…

Jetzt reicht's aber langsam mit diesen Spaniern. Was wollen die eigentlich noch alles gewinnen?

Anonym hat gesagt…

In dem Zusammenhang vielleicht interessant fuer dich auch diese Seite: http://www.vlmark.szm.com/

Zwar gibt es dort, glaube ich, kein 52 Wochen Challenger Ranking, dafuer aber immerhin fuer das laufende Jahr. Siehe hier:
http://www.vlmark.szm.com/rch.txt

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