Sonntag, 22. August 2010

Bewährungsstrafe für Köllerer - wegen Wett-Werbung

Eigentlich wollte ich über das Buch von Pete Sampras („A Champion's Mind“) schreiben, aber jetzt hab ich das Buch erst zur Hälfte durch und muss das Vorhaben auf nächsten Sonntag verschieben. Der Beginn der US Open ist dann ja auch ein prima Anlass.

Und was macht man, wenn einem ein Thema wegbricht? Man schreibt über Daniel Köllerer. Mit Crazy Dany ist immer irgendwas los. Diesmal ist unser österreichischer Lieblingstennisrüpel mit einer Bewährungsstrafe belegt worden. Aber nicht etwa wegen irgendwelcher Hasstiraden, sondern weil er auf seiner Internetseite (www.koellerer.cc) Werbung für Sportwetten gemacht hat.

Wenn man diese Webseite aufruft, liest man dort heute noch eine Schote von neulich, vor der ich noch gar nicht berichtet hatte: Köllerer wurde bei einem Challenger in Italien wegen unerlaubten Coachings disqualifiziert. Nach Köllerers eigenen Angaben war alles, was sein Trainer, den er rein zufällig auf Klo getroffen haben will, als er selbst während des Spiels eine Toilettenpause einlegte, sagte: „Kumm, jetzt weida so!“

Aber Köllerer arbeitet nicht nur mit Trainer Markus Egger zusammen, sondern auch mit Manager Manfred Nareyka. An den kann man sich wenden, wenn man einen Schaukampf oder eine Autogrammstunde mit Crazy Dany vereinbaren will. Man kann sich auch an ihn wenden, wenn man auf Köllerers Homepage Werbung schalten will. Genau das tat ein österreichischer Sportwetten-Anbieter, und zwar genau der, der im vergangenen Jahr das ATP-Turnier am Hamburger Rothenbaum sponsern wollte, was die Stadt Hamburg dann unterband.

So erschienen also Anzeigen für Sportwetten auf Köllerers Internetseite, und die „Tennis Integrity Unit“ unter Führung des Weltverbands ITF und Beteiligung der ATP bekam davon Wind: „A Tennis Integrity Unit investigation found that Mr Koellerer’s personal website carried details of betting odds on tennis matches and provided links to allow users to place bets“, heißt es nun in einer Pressemitteilung der ITF. Die Strafe für Köllerer: 15.000 Euro und drei Monate Sperre. Die Strafe wurde für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zu Köllerers großem Vorteil ist nur davon die Rede, dass er zwei Jahre lang nicht gegen das „Uniform Tennis Anti-Corruption Programme“ verstoßen darf. Auf seine Schimpfereien gegenüber Gegnern, Ballkindern, Linienrichtern und Zuschauern müssen wir also nicht verzichten. Manfred Nareyka droht im Wiederholungsfall sogar ein einjähriges Stadionverbot für alle ATP- und ITF-Turniere.

Ich frage mich, ob man die Sache nicht auch freundlicher hätte regeln können, zum Beispiel mit einem Anruf bei Herrn Nareyka, in dem man ihn darauf hinweist, dass das mit der Wettwerbung keine so gute Idee ist. Die Handynummer steht auf derselben Seite, auf der auch die inkriminierte Werbung war, sollte der Tennis Integrity Unit also bekannt sein: 0043 /699 166 177 00.

Daniel Köllerer und sein Manager hätten allerdings wissen können, dass ITF und ATP hart durchgreifen, wann immer irgendwo ein Spieler mit Sportwetten in Verbindung gebracht wird. Wettmanipulation haben sie bisher keinem Spieler nachweisen können. Köllerer gehört zu denjenigen, deren Namen bei Manipulationsvorwürfen immer wieder genannt werden. Das muss nicht viel heißen, solche Vorwürfe gewinnen schnell eine gewisse Eigendynamik und werden wiederholt, wann immer ein betroffener Spieler ein Match verliert (und die meisten verlieren Woche für Woche, weil ja bei jedem Turnier immer nur einer gewinnen kann). Die Sache mit der Bewährungsstrafe wird Köllerers Reputation gewiss nicht gut tun.

1 Kommentar:

Matze hat gesagt…

Köllerer ist einfach ein Traum für die gesamte Boulevard-Presse. Diese Wettbetrugs-Vorwürfe sind, wie hier gut beschrieben, immer so eine Sache, weil man eigentlich nie etwas nachweisen kann. Wenn man aber dauernd mit diesen Vorwürfen leben muss und auch noch so schlau ist Werbung für einen Wettanbieter auf die eigene Seite zu stellen... ohne Worte!

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