Sonntag, 2. Mai 2010

Verregneter Ausblick auf das ATP-Turnier in München

In der nächsten Woche liefere ich endlich mal wieder einen Turnierbericht. Dienstag und Mittwoch bin ich in München. Falls zwischen den Regenpausen irgendwann mal der Ball fliegt, werde ich auch meinen hoffnungslosen Twitter-Account aktivieren und direkt von den Matches berichten.

Hier im nördlichen Schleswig-Holstein lachte heute den ganzen Tag über der blaue Himmel, aber schon in Niedersachsen soll die Lage ja eine ganz andere gewesen sein, und die Vorhersage für München lässt Böses ahnen.

Die geplanten Qualifikationsmatches haben mit einer Ausnahme heute zwar alle stattfinden können, aber der angekündigte innovative „Sunday Start“ des Hauptfeldes fiel ins Wasser. Das Einzel zwischen Michail Juschni (Russland) und Jeremy Chardy (Frankreich) findet nun doch erst morgen statt und das Doppel von Philipp Kohlschreiber und Kevin Krawietz gegen Julian Knowle (Österreich) und Mario Ancic (Kroatien) anscheinend frühestens am Dienstag.

Zeit für uns, einen Blick auf das Teilnehmerfeld zu werfen. Um es etwas abzukürzen, versuche ich mal, die Viertelfinalisten zu tippen:

Erstes Achtel:
Marin Cilic (Kroatien/11) – Michael Berrer (Deutschland/44)
Nicoals Kiefer (Deutschland/146) – Simon Greul (Deutschland/61)

Topfavorit ist natürlich Cilic, Nummer elf der Welt und hier an Nummer 1 gesetzt. Seit seinem Halbfinale bei den Australian Open und seinen Turniersiegen in Chennai (Indien) und zu Hause in Zagreb hat er zwar keine überragenden Ergebnisse mehr abgeliefert, aber um Berrer und dann Greul oder den rekonvaleszenten Nicolas Kiefer zu schlagen, wird es allemal reichen.

Zweites Achtel:
Mischa Zverev (Deutschland/95) – Kevin Anderson (Südafrika/88)
Kristof Vliegen (Belgien/163) – Nicolas Almagro (Spanien/34)

Eine noch klarere Sache als für Cilic: Hier kann keiner Almagro stoppen, der in letzter Zeit in ausgenommen guter Form ist. Vliegen und Zverev sind in diesem Jahr nach langer Verletzungspause noch überhaupt nicht in Tritt gekommen. Der Anderson ist, glaube ich, auf Sand stärker, als man es bei einem Südafrikaner denkt, aber gegen Almagro wird es nicht annähernd reichen.

Drittes Achtel:
Philipp Kohlschreiber (Deutschland/29) – Daniel Brands (Deutschland/89)
Santiago Ventura (Spanien/139) – Oleksandr Dolgopolov (Ukraine/68)

Kohli ist der Favorit, aber spannender als in den beiden ersten Achteln geht es hier mit Sicherheit zu, denn Kohlschreiber ist durchaus mal für einen Ausrutscher gut, und Daniel Brands hat in dieser Woche mit seinem Finale beim Challenger in Tunis gezeigt, dass er in Form ist, und im vergangenen Jahr stand er hier in München im Halbfinale. Mit Ventura dürfte eher nicht zu rechnen sein, der hat seit Februar sechs Erstrundenmatches hintereinander verloren, eines davon gegen Dolgopolov (in der Qualifikation von Monte Carlo). Dolgopolov ist einer der Challenger-Könige dieser Saison, er hat bis jetzt allerdings noch nicht bewiesen, dass ihm der Sprung auf die ATP-Tour glückt.

Viertes Achtel:
Marco Chiudinelli (Schweiz/57) – Qualifikant
Marcos Baghdatis (Zypern/33) – Qualifikant

Wer die beiden Qualifikanten sind, wird erst morgen Abend ausgelost. Bis dahin ist diese Aufgabe kaum zu lösen. Chiudinelli und Baghdatis sind beides keine Sandplatzspezialisten, denen ich pauschal Siege gegen jedweden Qualifikanten zutrauen würde. Im schlimmsten Fall droht jemand wie Pere Riba (Spanien), die aufstrebende Nummer 100. Der könnte sich hier ins Viertelfinale durchkämpfen. Andernfalls sehe ich eher Baghdatis als Chiudinelli vorne.

Fünftes Achtel:
Julien Benneteau (Frankreich/36) – Philipp Petzschner (Deutschland/45)
Daniel Köllerer (Österreich/109) – Mario Ancic (Kroatien/422)

Enge Sache mit leichten Vorteilen für Philipp Petzschner gegenüber Julien Benneteau und mit Ancic als Joker. Benneteaus Resultate in den vergangenen Wochen waren nicht gerade überragend, die von Köllerer sogar unterirdisch, und der frühere Top-Ten-Spieler Mario Ancic versucht seit Monaten vergeblich, an alte Leistungen anzuknüpfen. Das wird ihm irgendwann wenigstens teilweise gelingen, aber ich gaube, noch nicht in München. Philipp Petzschner dagegen hat es nach vielen unsteten Jahren endlich geschafft, auf stabil hohem Niveau zu spielen.

Sechstes Achtel:
Lukas Lacko (Slowakei/71) – Qualifikant
Kevin Krawietz (Deutschland/1119) – Tomas Berdych (Tschechien/14)

Hier dürfte Berdych durchkommen, sofern er denn Lust hat, seinen Titel zu verteidigen, was man bei ihm insbesondere bei eher kleinen Turnieren wie diesem nie weiß. Andernfalls hat der solide Lukas Lacko freie Bahn. Dass die Direktoren deutscher ATP-Turniere jetzt meinen, Kevin Krawietz Einzel-Wild-Cards geben zu müssen, weil er im letzten Jahr in Wimbledon das Junioren-Doppel gewonnen hat, finde ich weiterhin bedenklich. Auf drittklassigen Future-Turnieren verliert er gegen Leute, die um Platz 500 rangieren. Er kann von Glück sagen, dass sich die deutsche Öffentlichkeit nicht für Tennis interessiert, sonst wäre er ganz schnell verbrannt. Andererseits: In seinem Erstrundenmatch am Hamburger Rothenbaum im letzen Sommer hat er immerhin einen Satz gewonnen.

Siebtes Achtel:
Benjamin Becker (Deutschland/41) – Stephane Robert (Frankreich/65)
Jan Hajek (Tschechien/86) – Qualifikant

Noch so ein Achtel, in dem ein Qualifikant vom Schlage Pere Ribas sich durchkämpfen könnte. Benni Becker kann kein Sandplatz. Robert und Hajek sind keine Überspieler. Ich sehe minimale Vorteile für Robert gegenüber Hajek.

Achtes Achtel:
Denis Istomin (Usbekistan/81) – Andreas Beck (Deutschland/83)
Jeremy Chardy (Frankreich/46) – Michail Juschni (Russland/13)

Wahrscheinlich gewinnt Juschni sein Erstrundenmatch gegen Chardy, dann kommt er auch weiter ins Viertel- und dann ins Halbfinale und wahrscheinlich ins Endspiel wie bei seinen beiden letzten Teilnahmen 2007 und 2009. Komischerweise habe ich Berdych nicht auf der Rechnung, was vielleicht ein Fehler ist. Die untere Hälfte des Tableaus ist die leichtere, während sich oben Cilic, Almagro und Kohlschreiber gegenseitig auf den Füßen stehen. Chardy allerdings ist ein gefährlicher Auftaktgegner. Vielleicht erinnert sich jemand: Der hat im vergangenen Jahr das ATP-Turnier am Stuttgarter Weissenhof gewonnen. Mit Andi Beck rechne ich eher nicht, der hat seit dem Ende seine Verletzungspause im März noch kein einziges Match gewonnen.

Hier die Webseite des Münchner Turniers

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