Sonntag, 30. Mai 2010

Trainieren, essen, schlafen: Twitternde Tennisprofis

Jetzt sind mit die Leute von der Presseagentur zuvorgekommen: Seit ich neulich während des ATP-Turniers in München von den Matches getwittert habe, habe ich etwas genauer zu verfolgen begonnen, worüber und wie viel eigentlich die Tennisprofis so durch die Gegen twittern. Ich dachte mir: In der Saure-Gurken-Zeit, also zu Beispiel in der Mitte der French Open, werde ich zu dem Thema mal einen Blogeintrag verfassen. Nun ist gestern eine solche Geschichte über dpa gelaufen.

Ein paar andere Sachen zum Thema fallen mir trotzdem noch ein, und falls ich irgendwas wiederhole, macht das nichts, denn auch das passt zum Thema: Alle twittern wild durcheinander und manchmal schreiben alle dasselbe.

Für einen Überblick darüber, welche Profis mitmachen beim Getwitter, empfehle ich die Seite tennistweets.com. Die ist längst nicht vollständig, aber die wichtigsten Leute stehen drauf. Wie man sieht, ist das Verfassen von Kurzmeldungen unter Amerikanern besonders verbreitet. Meine eigenen Eindrücke davon, wer besonders intensiv twittert und wer eher wenig von sich mitteilt, beruhen auf den drei Wochen seit München und sind deshalb vermutlich nur eingeschränkt aussagekräftig. Andy Roddick war im Mai extrem mitteilsam, was daran gelegen haben dürfte, dass er Zeit zum Schreiben hatte. Er hat die Sandplatzsaison ja weitestgehend geschwänzt.

Repräsentativ genug ist aber mein Eindruck davon, worüber die Spieler so schreiben: Nehmen wir zum Beispiel das hier: „Hey guys, I am going to the press conference now... then going to eat, have a massage and rest for tomorrow ..... :)“ Der Tweet stammt von Marcos Baghdatis am 18. Mai. Datum und Verfasser sind beliebig austauschbar. Immerhin sind die meisten Nachrichten so schlicht, dass man davon ausgehen darf, dass die Spieler sie tatsächlich selbst verfassen und nicht die Ghostwriter von irgendwelchen Management-Agenturen. Sorgen wegen des Twitterns macht sich inzwischen wohl niemand mehr. Letztes Jahr bei den US Open gab es ja noch eine gewisse Aufregung, weil die Veranstalter sich Sorgen machten, Twittern könnte zu Wettmanipulationen führen...

Manche Tweets sind aber auch echt gut. Die von den Indern zum Beispiel. Indien ist ja generell eine eher unauffällige Tennisnation, aber im Twittern sind Somdev Devvarman, Mahesh Bhupati und Rohan Bopanna ganz vorn dabei. Am Tag nachdem Baghdatis erst eine Pressekonferenz gab, dann etwas aß, sich massieren ließ und sich schließlich ausruhte, lachte Devvarman nach eigenen Angaben hysterisch, und zwar über dieses Video.

Wer so gut wie gar nicht twittert, sind die deutschen Herren. Simon Greul hat zwar einen Account, hat den aber erst zweimal benutzt. Philipp Kohlschreiber hat vor ein paar Wochen groß angekündigt, er werde nun zu twittern beginnen. Die meisten der sporadischen Mitteilungen von ihm scheinen aber doch vom Agentur-Ghostwriter zu stammen – bis auf heute Abend, da erfahren wir: „zurück aus paris.etwas schwere beine von der langen fahrt.freue mich auf ein paar tage pause&die anstehenden rasenturniere!“

Mehr getwittert wird unter Deutschlands weiblichen Tennisprofis. Sabine Lisicki, Andrea Petkovic, Julia Görges und Anna-Lena Grönefeld scheinen allerdings zu ahnen, dass sich für ihre Sportart in Deutschland sowieso keiner interessiert: Sie schreiben ihre Nachrichten auf Englisch, und zwar richtig viel, manchmal mehrmals täglich, und dabei kommunizieren sie auch untereinander. Das macht Spaß, mitzulesen, auch wenn die Informationen, die dabei rüberkommen, selten tiefgründig sind. So weiß ich nun, dass Deutschlands Tennisspielerinnen gestern Abend, ebenso wie der Rest der Nation, mit Lena Meyer-Landrut mitfieberten.

Apropos Eurovision: Ein anderes Thema, das die Agenturen mittlerweile auch schon entdeckt haben und das als Alternative zum Twittern sonst auch noch was für diesen Blog gewesen wäre, ist der Flitzer, der während des spanischen Beitragsliedes auf die Bühne stürmte. Es war derselbe „professionelle Spielverderber“ (El Pais) Jaume Marquet Cot alias „Jimmy Jump“, der vor fast genau einem Jahr im Finale der French Open auf den Platz stürmte und versuchte, Roger Federer eine katalanische Mütze aufzusetzen.

Hier ein paar weitere twitternde Spieler:

Bob Bryan
Talyor Dent
Henri Kontinen
Gael Monfils
Andy Murray
Frederik Nielsen
Rajeev Ram
Robin Söderling
Rik de Voest

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