Sonntag, 16. Mai 2010

Rafael Nadal ist wieder da - Ausblick auf die French Open

Auf einmal ist wieder alles wie früher: Es ist Sandplatzsaison, und im Endspiel gewinnt Rafael Nadal gegen Roger Federer. 6:4 und 7:6 endete das Finale des Masters-Turniers von Madrid. Man mag es kaum glauben, aber die beiden Dauerrivalen der letzten Jahre haben tatsächlich zum ersten Mal genau einem Jahr an selber Stelle wieder gegeneinander gespielt. Zum Vergleich: 2008 gab es dieses Duell vier Mal, 2007 fünf Mal, 2006 sogar sechs Mal. Meistens gewann Nadal, im direkten Vergleich führt er jetzt mit 14 zu 7. In den vergangenen Jahren gab es das Duell nach meinem Geschmack sogar viel zu häufig. Man stelle sich vor, Bayern und Werder oder Real und Barca würden sechs Mal in einem Jahr aufeinander treffen, das wird irgendwann langweilig.

Dass Federer und Nadal sich so lange nicht begegneten, lag in erster Linie am Spanier. Nicht erst seit er bei den French Open 2009 im Achtelfinale ausschied – damals noch als nahezu unangefochtener Weltranglistenerster, hatte er immer mit Verletzungen zu kämpfen, manch einer weissagte schon sein frühes Karriereende herbei. Diese Prognose war wegen seiner kraftraubenden Spielweise nicht ganz abwegig. Im Moment aber sieht es so aus, als könnte er tatsächlich noch mal auf Platz 1 der Weltrangliste zurückkehren. Zwischenzeitlich war er bis auf Platz 4 zurückgefallen, aber nach seinem Sieg in Madrid wird er ab diesem Montag immerhin wieder auf Platz 2 geführt. Wenn er nun die French Open, die in einer Woche beginnen, gewinnt, könnte er schon danach wieder ganz oben stehen, falls Titelverteidiger Roger Federer in Roland Garros nicht übers Viertelfinale hinauskommt.

Ich glaube allerdings nicht, dass das geschehen wird. Ich glaube eher, dass wir auch in Paris wieder ein Endspiel Federer gegen Nadal sehen werden. Nadal hat in dieser Sandplatzsaison noch überhaupt nichts anbrennen lassen. In Madrid feierte er seinen dritten Turniersieg hintereinander. Federer hat in der vorigen Woche in Estoril mit Sicherheit und meiner Ansicht nach auch davor in Rom mit halber Kraft gespielt. Die beiden frühen Niederlagen fallen für ihn nicht wirklich ins Gewicht. In Paris wird er – wie schon zur Generalprobe in Madrid – voll da sein.

Die aufstrebenden Nachwuchskräfte, die Nadal und Federer in jüngster Vergangenheit zu entthronen drohten, sind indessen zur Zeit etwas indisponiert. Novak Djokovic könnte sich noch am ehesten berappeln, der hat derzeit mit starkem Heuschnupfen zu kämpfen und deshalb sein Heimturnier in Belgrad abgebrochen und dann Madrid abgesagt. Was mit US-Open-Sieger Juan Martin del Potro ist, weiß man nicht so genau. Seit den Australian Open pausiert er offiziell wegen einer Handgelenksverletzung. In Argentinien machen auch Meldungen von psychischen Problemen die Runde. Da muss aber nicht unbedingt was dran sein. Ich erinnere mich, dass schon vor zwei, drei Jahren, als del Potro noch ganz am Anfang seiner Laufbahn stand, aus Argentinien, wann immer er mal eine kleine Blessur hatte, regelmäßig Meldungen kamen, er müsse seine Karriere beenden, ehe sie überhaupt angefangen habe.

Andy Murray und Andy Roddick können auf Sand wir getrost vergessen. Wer könnte Federer und Nadal dann noch gefährlich werden in Paris? Nikolai Davydenko hat bei Grand-Slam-Turnieren noch nie eine Rolle gespielt. Spaniens Nummer 2, Fernando Verdasco, hat vielleicht eine Außenseiterchance. Und dann natürlich der Überraschungsfinalist des Vorjahres, Robin Söderling. Letztes Jahr war er von seinem Erfolg gegen Nadal noch so überwältigt, dass er in der anschließenden Pressekonferenz geweint hat. Inzwischen ist er in der Weltspitze etabliert und würde sogar dann, wenn er in Paris in der ersten Runde ausschiede und alle Punkte vom Vorjahr verlöre, locker in den Top Ten bleiben.

Als Shootingstar des Turniers kommt am ehesten Ernests Gulbis aus Lettland in Frage. Ich habe mich lange Zeit schwer damit getan, ihn auf der Rechnung zu haben, was damit zu tun hat, dass er, als ich ihn zum ersten Mal live habe spielen sehen, in München gegen Tobias Summerer verloren hat, was nun wahrlich keine Empfehlung für höhere Weihen ist. Aber in diesem Jahr ist er eindeutig auf dem Weg in die Weltspitze, nicht nur weil er in Rom Federer geschlagen hat.

Weil die French Open in Frankreich stattfinden, sollten wir auch den besten Franzosen nicht vergessen: Jo-Wilfried Tsonga. Auf Sand traue ich ihm bei günstiger Auslosung immerhin ein Halbfinale zu.

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