Sonntag, 18. April 2010

Der ATP-Zirkus entkommt der Vulkanasche

Gern hätte ich heute ja Schreckensmeldungen verbreitet von Tennisprofis, die trotz gebuchten Fluges per Anhalter versuchen, sich zu irgendwelchen Turnieren durchzuschlagen.

Ist aber nicht. Eyjafjallajökull stoppt zwar Urlauber und Staatsleute auf. Der Tenniszirkus indes dreht sich weiter, als wäre nichts gewesen. Die ATP hat mit ihrer Turnierplanung alles richtig gemacht. Es hilft, dass die europäische Sandplatzsaison im Süden startet, dort wo das Wetter schon im April gut ist und wohin isländische Aschewolken es so schnell nicht schaffen.

In der abgelaufenen Woche spielte man in Monte Carlo. Der zuständige Flughafen von Nizza befindet sich genau auf der Grenze zur vermuteten Aschewolke und war in den vergangenen Tagen anscheinend überwiegend geöffnet. Nun wird in Barcelona weitergespielt. In Spanien ist ohnehin keine Asche in der Luft, und wie durch ein Wunder waren fast alle Spieler, die für Barcelona gemeldet hatten, entweder auch in Monte Carlo im Einsatz gewesen, reisen also direkt von dort weiter, oder sie kommen aus Spanien oder Amerika und brauchen sich wegen des Vulkans ohnehin keine Sorgen zu machen. Oder – dritte Variante – sie hatten so viel Glück wie der Finne Jarkko Nieminen, der in Helsinki abhob, sechs Stunden bevor der Luftraum geschlossen wurde.

Blöd ist die Situation für Nord- und Mitteleuropäer, die nach Monte Carlo eine Woche Pause zu Hause einlegen wollten. Philipp Kohlschreiber schlug sich nach seinem Viertelfinale gegen David Ferrer über Land nach München durch. Aber das ist ja für den geregelten Ablauf der Turniere egal.

Auch in der zweiten Liga, bei den Challenger-Turnieren zeichnen sich für die kommende Woche keine dramatischen Spieler-Absagen ab. Das einzige Challenger, das wenigstens im Laufe dieses Wochenendes unter die Eyjafjallajökull-Wolke geriet, ist in Rom. Für Rom hatte sich die ATP eine ausgesprochene Albernheit ausgedacht, die es sonst so gut wie nirgends gibt: Zwei Challengers in derselben Stadt in zwei aufeinanderfolgenden Wochen – natürlich mit fast identischen Teilnehmerfeldern. Der Sinn dieser Aktion erschließt sich jetzt: Die Spieler, die dort ab morgen spielen, sind alle sowieso schon da. Alle anderen Challenger in der vergangenen Woche fanden weit weg von Europa statt: Südafrika, USA, Mexiko, Kolumbien und Brasilien. In der kommenden Woche geht es außer in Rom weiter wiederum in den USA und in Brasilien und außerdem in Athen.

Das Challenger von Athen ist das einzige Turnier, das aschewolkentechnisch wenigstens ein bisschen spannend ist. Das Teilnehmerfeld ist ausgesprochen stark. Es treten eine ganze Reihe Leute an, die vorige Woche in Monte Carlo waren und von Nizza aus ohne große Schwierigkeiten nach Griechenland gelangt sein dürften, darunter Benjamin Becker und Philipp Petzschner. Viele andere kommen direkt aus Johannesburg, zum Beispiel Lukas Lacko (Slowakei), Lu Yen-Hsun (Taiwan), Stephane Bohli (Schweiz) oder Gilles Muller (Luxemburg).

Es scheint kein Spieler, der auf der Meldeliste von Athen stand, von vornherein abgesagt zu haben. Aber ich weiß nicht, ob diejenigen, die aus dem Norden kommen, wirklich alle schon da sind oder ob sie bloß hoffen, rechtzeitig irgendwo einen Flieger zu bekommen. Die Verlierer aus der Qualifikation dürften sich große Hoffungen auf Lucky-Loser-Plätze machen. Rainer Schüttler, Björn Phau und der Belgier Xavier Malisse zum Beispiel wollen in Athen antreten, waren in der abgelaufenen Woche aber nirgends im Einsatz und halten sich daher möglichweise aktuell unter Vulkanasche auf.

Kommentare:

Françoise hat gesagt…

Heute stand in L'Equipe, dass Roger-Vasselin und Ouanna es nicht rechtzeitig nach Barcelona geschafft haben, aber das war ja nur für die Qualifikation.

loreley hat gesagt…

Ricky Dimon von Tennistalk.com behauptet auf Twitter, dass Peter Luczak und Andreas Beck es nicht nach Barcelona schaffen werden.

loreley hat gesagt…

Hier noch die Geschichte eines australischen Doppelspielers, der es trotz anstrengender Odyssee sogar geschafft hat, zusammen mit seinem Partner in die 2. Runde zu kommen.

http://www.atpworldtour.com/News/Tennis/2010/04/16/Barcelona-Wednesday-Kerr-Travel.aspx

Neben den oben genannten Qualifikanten, wurde nur Andreas Seppi vom Vulkan gestoppt.

Mich hat auch überrascht, wie Luczak sich angestrengt hat, nach Barcelona zu kommen. Er hätte es als Herausforderung betrachtet.

Beliebte Posts

Impressum

Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de